Sapient Übernahme "Sitzengelassener Liebhaber": Das amüsante Wortgefecht zwischen Sorrell und Lévy

Dienstag, 04. November 2014
WPP-Chef Martin Sorrell
WPP-Chef Martin Sorrell

Sir Martin Sorrell nimmt nicht gerne ein Blatt vor den Mund. Schon gar nicht, wenn es um den Erzfeind Publicis geht. Kurz nachdem gestern bekannt wurde, dass der Wettbewerber die Digitalagentur Sapient für 3,7 Milliarden US-Dollar übernehmen wird, stichelt er wieder gegen den französischen Konkurrenten. Publicis lege das "Verhalten eines sitzengelassenen Liebhabers" an den Tag. "Weihnachten kam früh für Sapient Aktionäre", so der Chef der weltweiten Werbeholding WPP gegenüber HORIZONT Online. Die Retourkutsche von Publicis-Boss Maurice Lévy ließ nicht lange auf sich warten.
Der WPP-Chef spielt dabei auf die geplatzte Fusion der beiden Konkurrenten Publicis und Omnicom im Mai an. Damals ging er als lachender Dritter aus dem Ganzen hervor, konnte er doch mit seiner Gruppe die Marktführerschaft als weltgrößte Werbeholding behaupten. Bereits von Anfang an hatte sich Sorrell skeptisch zu den Fusionsplänen geäußert und immer wieder auf die ungelösten Probleme hingewiesen. Mit dem Sapient-Deal tröste sich Publicis-CEO Lévy über die Enttäuschung hinweg, ätzt Sorrell auf thedrum.com weiter.

„Ich glaube nicht, dass Liebe ein Bereich ist, in dem sich Martin sonderlich gut auskennt.“
Maurice Lévy
Die Reaktion von Publicis-Chef Lévy folgt prompt. "Ich weiß nicht, was Martin über Liebe weiß. Ich glaube nicht, dass Liebe ein Bereich ist, in dem sich Martin sonderlich gut auskennt", zitiert ihn der Branchendienst Campaign. Ginge es um Feindschaften, verfüge er über viel Talent. "Geht es jedoch um Liebe, sollte er das Feld lieber den Franzosen überlassen", so Lévy weiter. Dieser spielt seinerseits auf das Privatleben seines Lieblings-Erzfeindes an. Sorrell hat mit seiner ersten Frau 2005 einen teuren Scheidungskrieg hinter sich - damals ein gefundenes Fressen für die Boulevardpresse.

Der Kauf von Sapient soll Lévy, der kürzlich eine wenig erfreuliche Bilanz bekannt geben musste, dabei helfen, neue Märkte und neue Erlösquellen zu erschließen sowie die Führungsposition der Holding im Digitalen auszubauen. Das Geschäft in diesem Bereich will der Franzose unter der Marke Publicis.Sapient bündeln. In diesem Segment sollen auch die Marken Sapient Nitro, Sapient Global Markets, Sapient Government Services sowie die Anbieter DigitasLBi, Razorfish Global und Rosetta angesiedelt werden. Chef von Publicis.Sapient soll der langjährige Sapient-CEP Alan J. Herrick werden, der künftig auch ins Board der Publicis Groupe einziehen wird. jm
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