Sapient Übernahme Publicis will die digitale Nummer 1 werden

Montag, 03. November 2014
Publicis-Chef Maurice Lévy will die digitale Nummer 1 formen
Publicis-Chef Maurice Lévy will die digitale Nummer 1 formen
Foto: Foto: Publicis

Seit Monaten gibt Publicis beinahe wöchentlich eine Übernahme bekannt. Diesmal hat die französische Werbeholding einen wirklich dicken Fisch am Haken. Publicis wird den Digital-Dienstleister Sapient für 3,7 Milliarden US-Dollar kaufen. 
Die Publicis Groupe war in diesem Jahr mit dem Versuch gescheitert, mit Omnicom zu fusionieren und die weltweit größte Werbeholding vor WPP zu schaffen. Seitdem hat Publicis eine ganze Reihe kleinerer Übernahmen bekannt gegeben, unter anderem schluckten die Franzosen den Technologieanbieter Run, die SEO-Agentur AKM3 und den Digitalanbieter Proximedia. Die Übernahme von Sapient, die bereits von den Aufsichtsräten beider Unternehmen abgesegnet wurde, ist dagegen nicht nur finanziell ein echter Big Deal - Publicis lässt sich die Übernahme 3,7 Milliarden US-Dollar kosten - , sondern auch strategisch. Für Publicis-Chef Maurice Lévy, der kürzlich wenig zufriedenstellende Zahlen bekannt geben musste, ist Sapient ein "Kronjuwel", das der französischen Agenturholding die Erschließung neuer Märkte und neuer Erlösquellen ermöglichen soll. "Wir werden unsere Führungsposition im Digitalen ausbauen und unser Ziel, mehr als 50 Prozent im Digital- und Technologiegeschäft zu erwirtschaften 2015 und damit drei Jahre früher als erwartet erreichen", so Lévy.

Der börsennotierte Sapient-Konzern wurde 1990 gegründet. Der im US-amerikanischen Boston beheimatete Digitaldienstleister, der in Deutschland mit seiner Marke Sapient Nitro präsent ist, hat Niederlassungen in 37 Standorten weltweit und hat mit seinen 13.000 Mitarbeitern im vergangenen Geschäftsjahr knapp 1,36 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Gemeinsam erzielen die Unternehmen einen Umsatz von rund 8 Milliarden US-Dollar und einen EBITDA-Gewinn von 1,3 Milliarden US-Dollar. 

Die Marke Sapient soll offenbar auch nach der Übernahme erhalten bleiben. Eigenen Angaben zufolge will Publicis sein Digitalgeschäft unter der Marke Publicis.Sapient bündeln. In diesem Bereich sollen auch die Marken Sapient Nitro, Sapient Global Markets, Sapient Government Services sowie die Publicis-Anbieter DigitasLBi, Razorfish Global und Rosetta angesiedelt werden. Geführt wird Publicis-Sapient von dem langjährigen Sapient-CEP Alan J. Herrick, der künftig auch ins Board der Publicis Groupe, das sogenannte Directoire+, einziehen wird.

Die Übernahme soll vor allem die Wachstumsschwäche der Agenturholding beheben. Laut Agenturangaben stieg der Umsatz von Sapient in den Jahren 2010 bis 2013 duchschnittlich um 15 Prozent. Zum Vergleich: Publicis konnte im 2. Quartal 2014 nur noch ein Umsatzplus von 0,5 Prozent vorlegen. Von der starken Sapient-Entwicklung will auch Publicis profitieren: Sapient werde das "Wachstumsprofil" der Agenturholding "mit sofortiger Wirkung ankurbeln", legt Publicis in einer Presseerklärung die Messlatte hoch. Hinzu kommen Synergien, die Publicis mit 50 Millionen US-Dollar im Jahr beziffert. mas
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