Saatchi-Kreativchef Bert Peulecke "Ich bin eher der Network-Typ"

Freitag, 22. August 2014
Ist seit April dieses Jahres Kreativchef von Saatchi & Saatchi: Bert Peulecke (Bild: Agentur)
Ist seit April dieses Jahres Kreativchef von Saatchi & Saatchi: Bert Peulecke (Bild: Agentur)


Seit April steht Bert Peulecke als Chief Creative Officer an der Spitze von Saatchi & Saatchi Deutschland. Im Exklusiv-Interview mit HORIZONT verrät er, wie er die Agentur bei seinem Amtsantritt vorgefunden hat und welche kreativen Pläne ihn antreiben. Sie sind jetzt seit etwas mehr als 100 Tagen Kreativchef von Saatchi & Saatchi Deutschland. Was haben Sie bisher angestoßen?
Mir war und ist es wichtig, dass ich mir die Zeit nehme, um den Leuten zuzuhören und genau hinzusehen. Ich gehöre nicht zu denjenigen, die sofort ganz viel anstoßen, verändern oder bestehende Strukturen auf den Kopf stellen.

Und was haben Sie erfahren beziehungsweise vorgefunden?
Ich habe erfahren, dass hier ein ganz besonderer Spirit herrscht, eine Kultur des Miteinanders. Und tatsächlich erlebe ich das auch täglich. Was interessant ist: Es gibt die langjährigen Mitarbeiter, die die Saatchi & Saatchi-Kultur repräsentieren. Und es gibt jede Menge jüngere Teams, die neue Impulse geben und für den Aufbruch in eine neue Zeit stehen.

Wie vertragen sich diese beiden Welten?
Hervorragend. Genau diese Mischung braucht es, um tolle Kreation auf die Straße zu bringen. Außerdem haben wir ja auch ein neues Management, das kontinuierlich daran arbeitet, die Marke Saatchi & Saatchi weiterzuentwickeln. Dieses baut das Leistungsportfolio aus und holt neue Talente in die Agentur. Zudem stehen Partnerschaft und eine gemeinsame Zukunftsvision für Saatchi & Saatchi Deutschland im Zentrum des Wirkens des neuen Führungsteams.

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Mit welchen Arbeiten und Kunden Bert Peulecke seinen Arbeitgeber langfristig in den Top 10 des Kreativrankings etablieren will und welche Saatchi-Standorte das größte Wachstumspotenzial haben, lesen Sie in HORIZONT 34/2014 vom 21. August.

Der Standort Frankfurt war einst das kreative Aushängeschild von Saatchi & Saatchi Deutschland. Soll das so bleiben oder soll Berlin die kreative Führungsrolle übernehmen? Schließlich ist dort auch die preisgekrönte Diakonie-Kampagne "Days of Hope" entstanden.
Natürlich möchte ich, dass der Standort Berlin wächst. In Düsseldorf arbeiten derzeit rund 70 Mitarbeiter, in Frankfurt sind es circa 90, in Berlin 10. Für meinen Geschmack sollte Berlin genauso groß werden wie die anderen Standorte. Was das kreative Potenzial betrifft: Das ist in Frankfurt genauso groß wie in Berlin. Die jungen Hipster in Frankfurt kann ich von denen in Berlin lediglich an ihrem hessischen Dialekt unterscheiden. Davon abgesehen fühlt sich Saatchi & Saatchi generell viel internationaler an als die anderen Agenturen, bei denen ich bis jetzt war.

Ist das einer der Gründe, weshalb Sie bei Thjnk gegangen sind?
Auf Dauer war Thjnk trotz aller Freiheiten zu klein für mich. Mit dem Wechsel zu Saatchi & Saatchi wollte ich meinen Verantwortungsbereich ausbauen und standortübergreifend arbeiten. Als es an die weitere Planung ging, habe ich mir sehr gründlich Gedanken darüber gemacht, wie mein nächster Karriereschritt aussehen soll. Ich bin letztlich zu dem Schluss gekommen, dass ich eher der Network-Typ bin: Ich mag die internationale Anbindung und den Austausch mit Kreativen überall auf der Welt. Und das wird hier bei Saatchi & Saatchi auch wirklich gelebt. Außerdem ist das Kundenportfolio sehr breit gefächert und man kann sich in verschiedenen Branchen kreativ austoben.

Wie sehr spielte es bei der Entscheidung eine Rolle, dass Sie jetzt der oberste Kreativchef sind und kein Armin Jochum, André Kemper oder Amir Kassaei mehr über Ihnen ist?
Das hat natürlich eine Rolle gespielt. Ja, ich wollte wirklich in der Lage sein, finale Verantwortung zu übernehmen. Ich hatte mit Stefan Schulte ja auch viele Jahre lang einen kreativen Partner an der Seite, aber letztlich bleibt so eine Partnerschaft immer ein Kompromiss. Man trifft seine Entscheidungen nicht allein. Und das war für mich ein wesentlicher Treiber: Ich wollte allein für alle kreativen Belange der Agentur verantwortlich sein. bu
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