Saatchi & Saatchi-CEO Kevin Roberts Der Pep Guardiola der Publicis-Gruppe

Montag, 06. Oktober 2014
Saatchi-Boss Kevin Roberts
Saatchi-Boss Kevin Roberts
Foto: Foto: Saatchi / Duncan Cole

Kevin Roberts gehört zu den bekanntesten Werbern der Welt. Demnächst gibt er seinen Posten als CEO von Saatchi & Saatchi auf und wird Executive Chairman der Saatchi Fallon Group. Gleichzeitig wird er "Head Coach" der gesamten Publicis-Gruppe und soll als Sparringspartner die Top-Führungskräfte des Konzerns inspirieren. Im Interview mit HORIZONT spricht Robert über seine neue Rolle in der Agentur bzw. in der Holding.

Kevin Roberts über...

seine neue Rolle bei Publicis: "Schauen Sie sich Pep Guardiola bei Bayern München an. Er führt nicht den Verein und ist auch nicht für die Finanzen zuständig. Sein Job als Cheftrainer ist, die Spieler zu Spitzenleistungen zu animieren und dafür zu sorgen, dass sie wie ein Team auftreten. Genau das wird meine Rolle bei Publicis sein." seine Aufgabe als Executive Chairman von Saatchi & Saatchi: "Robert Senior ist der neue CEO, Chris Foster COO. Ich werde die beiden coachen und beraten. Saatchi & Saatchi hatte in seiner Historie nur ganz wenige Chefs: die beiden Gründer und mich. Unser Ziel ist es, diese Kontinuität an der Spitze fortzusetzen. Ich werde also weiter da sein. Auch, weil ich nicht will – um noch mal einen Vergleich zum Fußball zu bemühen – dass Robert in die Situation von David Moyes bei Manchester United kommt: Vorgänger weg, CEO weg und viele Probleme zu lösen."

Der Manager:

Kevin Roberts, Jahrgang 1949, steht seit 1997 als CEO an der Spitze von Saatchi & Saatchi. Davor war er unter anderem CEO von Pepsi in Kanada. Aus dieser Zeit stammt die Geschichte, dass er auf offener Bühne mit einer Waffe in einen Automaten von Wettbewerber Coca-Cola geschossen hat. Der gebürtige Engländer ist heute Staatsbürger von Neuseeland. Seine Leidenschaft gilt Fußball und Rugby. Sein Credo: „Fußball ist ein toller Sport, aber Rugby spielt man im Himmel.“
die Situation von Saatchi & Saatchi in Deutschland: "Ich bin gespannt, so positiv habe ich die Agentur seit über fünf Jahren nicht erlebt. Man spürt deutlich, dass sich einiges bei Saatchi & Saatchi Deutschland getan hat. Mit Christian Rätsch haben wir einen innovativen und inspirierenden neuen Agenturchef. Er bringt echte Führungsqualitäten und die Kundensicht ein und wird dafür von unseren Auftraggebern als Berater sehr geschätzt. Mit ihm zusammen wollen wir die Agentur weiterentwickeln." (...) "Wir wollen im kommenden Jahr in die Top 5 des deutschen Kreativrankings. Daran dürfen Sie uns gern messen. Und Deutschland soll zusammen mit England und Italien einer unserer Vordenkermärkte in Europa sein. Wir haben dem Team viel Geld zur Verfügung gestellt, wovon schon einiges ausgegeben wurde. Aber es wird noch mehr kommen, da können Sie sicher sein."

„Technologie, Technologie, Technologie und Preis, Preis, Preis – etwas anderes interessiert die meisten Kunden heute nicht.“
Kevin Roberts
Kreativität vs. Technologie: "Im Zentrum unseres Geschäfts steht die Idee, nicht Technologie, Data oder Digital. Die Idee ist unsere Daseinsberechtigung! Ideen sind die Währung der Konsumenten. Die Aufgabe von Agenturen ist es, in dieser Währung zu liefern. Wie wir das machen, in welchem Medium oder auf welchem Kanal, ist eine nachgelagerte Frage." (...) "Wir müssen Daten nutzen, um unseren Job gut zu machen. Aber wir werden nie an der Spitze der Entwicklung in diesem Bereich stehen. Umgekehrt sind Google, Microsoft und selbst Apple nicht wirklich kreativ. Das sind in erster Linie Techies. Nicht ohne Grund versucht Google seit einiger Zeit, die besten Leute bei uns abzuwerben."

Die Agentur:

Saatchi & Saatchi ist das kleinste der drei weltweit tätigen Kreativnetzwerke der französischen Publicis- Gruppe. Die Agentur beschäftigt rund 6000 Mitarbeiter und ist mit 130 Büros in 70 Ländern vertreten. Als CEO steht bislang Kevin Roberts an der Spitze. Er steigt demnächst zum Executive Chairman auf und wird von CEO Robert Senior und COO Chris Foster abgelöst. Zu den Kunden von Saatchi & Saatchi gehören Toyota, Procter & Gamble, Lenovo und Visa.
die Vorstellungen der Kunden: "Technologie, Technologie, Technologie und Preis, Preis, Preis – etwas anderes interessiert die meisten heute nicht. Ich rede immer wieder auf sie ein, dass sie den Wert ihrer Marken aufbauen und pflegen müssen. Sie müssen den Verbrauchern eine Idee geben, warum sie Anhänger ihrer Marken und ihrer Bewegung werden sollten. Leider hören nur wenige Kunden auf diese Ratschläge." (...) "Die meisten wollen mit mir über Businessstrategien und Marktanteile reden. Aber nicht über Ideen für die Marke. Das war vor 17 Jahren, als ich CEO von Saatchi & Saatchi wurde, noch anders. Da habe ich mit den CEOs über Markenkampagnen gesprochen."

Nachwuchsprobleme in Agenturen: "In den USA, England, Argentinien, Brasilien, Australien und Neuseeland ist es leicht, gute Leute zu gewinnen. Da haben wir 100 Bewerber für eine Stelle. Das liegt auch daran, dass Werbung in diesen Ländern Teil der Popkultur ist. Die Leute dort interessieren sich für Werbung. In den Bars und Kneipen sind die neuesten Spots ein beliebtes Gesprächsthema. Die Kreativen in diesem Ländern machen ihren Job genau dafür – und nicht für einen Löwen in Cannes." (...) "In Ländern wie Deutschland oder Frankreich interessieren sich die Menschen nicht dafür. In Frankreich will jeder Philosoph, Jurist oder Banker werden, in Deutschland fast jeder zu einem Start-up oder am besten gleich selbst Unternehmer sein. Wir haben uns vorgenommen, die Diskussion über die Attraktivität unserer Branche neu anzustoßen." mam

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Das komplette Interview ist in der aktuellen HORIZONT-Ausgabe 40/4014 erschienen. HORIZONT-Abonnenten lesen die aktuelle Wochenausgabe inklusive Report kostenlos auf dem iPad oder - nach einmaliger Registrierung - als E-Paper. Nicht-Abonennten können hier ein HORIZONT-Abo abschließen.
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