S&F-CEO Frank-Michael Schmidt "Der Kaugummi schmeckt wieder frisch"

Donnerstag, 01. Dezember 2016
Scholz & Friends-Chef Frank-Michael Schmidt will das Opel-Team öffnen
Scholz & Friends-Chef Frank-Michael Schmidt will das Opel-Team öffnen
Foto: Gabo

Nach der Aufteilung des Opel-Werbeetats löst die Agentur Scholz & Friends die unter dem Dach ihrer Hamburger Niederlassung exklusiv für den Autobauer tätige Einheit OPC auf – zumindest in ihrer bisherigen Form. "Wir werden die Grenzen um das Opel-Team aufheben und einen neuen kreativen Pluralismus verwirklichen", kündigt CEO Frank-Michael Schmidt in seinem ersten großen Interview seit der Entscheidung der GM-Tochter an, im kommenden Jahr mit Heimat einen zweiten Betreuer an Bord zu holen.
In dem Gespräch äußert sich der Gruppenchef neben der Zusammenarbeit mit Opel und Heimat auch zur Entwicklung der Agentur und den Plänen für das kommende Jahr. Nachfolgend lesen Sie Auszüge aus dem Gespräch.

Frank-Michael Schmidt über ...

... die neue Aufstellung für Opel:
Wir werden die Grenzen um das Opel-Team aufheben und einen neuen kreativen Pluralismus verwirklichen. Wir sehen uns generell der Aufgabe gegenüber, eine höhere Volatilität zu managen. Das geht nur mit einer atmenden Organisation, die in der Lage ist, flexibler zu agieren. Die Zeit der Monokultur ist vorbei. Tina Müller ist an den besten Lösungen interessiert, nicht an Leibeigenschaft. Ich verspreche mir von der größeren Flexibilität neue kreative Impulse.

... das neue Agenturmodell von Opel:
Das neue Modell wird funktionieren, wenn für alle die Zukunft der Marke Opel im Zentrum steht. Wenn es gelingt, eine Balance zwischen Zusammenarbeit und Wettbewerb zu schaffen, kann das eine sehr produktive Ära werden. Kooperationsfähigkeit wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil der Zukunft. Nicht Egoismus und Ellenbogen. Wenn es meiner Einschätzung entspricht, dass eine konkrete Idee von Heimat die bessere für Opel ist, werde ich das auch sagen.
Tina Müller
Bild: Opel

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... die Zusammenarbeit mit anderen Agenturen: 
Heimat ist eine ausgezeichnete Agentur, die gezeigt hat, dass nicht die Henne, die am lautesten gackert, die goldenen Eier legt. Die Berliner Kollegen sind exzellente Ideenmenschen, die ihr Werk sprechen lassen und ansonsten den Mund halten. Das ist nicht jedem gelungen, der an diesem Pitch teilgenommen hat.

... die zuletzt schwierigen Zeiten bei Scholz & Friends:
Zuletzt war 2014. Ein schwieriges Jahr und ein Weckruf. Ich freue mich, wie schnell wir eine radikale Wende geschafft haben. Der Spirit stimmt wieder und die wichtigsten wirtschaftlichen Kennzahlen weisen nach oben. Die Reihe signifikanter Neugeschäftserfolge spricht eine deutliche Sprache: mehrere Bundesministerien, Otelo, Innogy, Danone, Air Berlin, um nur einige zu nennen.

Exklusiv für Abonnenten:

Das vollständige Gespräch lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 48/2016 vom 1. Dezember, die auch auf  Tablets oder - nach einmaliger Registrierung - als E-Paper gelesen werden kann. Nicht-Abonnenten können hier ein HORIZONT-Abo abschließen.

... den nötigen Neustart im vorigen Jahr:
Die Dinge sind nicht aus dem Ruder gelaufen. Wir sind nur unter unserem Potenzial geblieben. Das ist fast genauso schlimm. Zudem hatten wir uns von unseren Wurzeln entfernt. Trotz wichtiger Highlights – mehrfache Auszeichnung als "Agentur des Jahres" und Referenz-Kampagnen wie "Umparken im Kopf" – war ein gewisser Burnout der unternehmerischen Energie zu spüren. Der Geschmack aus dem Scholz & Friends-Kaugummi war irgendwie draußen. Nach dem Neustart 2015 stimmen Identifikation, Motivation und Dynamik wieder. Die beste Nachricht: Jetzt schmeckt der Kaugummi wieder frisch!

... die nächsten Schritte:
Wir wollen das Momentum halten. Unternehmerische Eigendynamiken und die Serie von Neugeschäftsgewinnen fortsetzen. Wir müssen die Vernetzung innerhalb der Commarco – aber auch mit WPP – und die digitale Transformation weiter vorantreiben. Wir wollen noch mehr bewusstseins- und verhaltensverändernde Referenzkampagnen schaffen. Und zeigen, dass wir eine der ersten deutschen Adressen für internationale Markenführung sind. Unternehmerisch müssen wir das Paradoxon lösen, dass die berechtigten Anforderungen unserer Kunden steigen, deren Preisbewilligungsbereitschaft aber sinkt.
Von 1987 stammt diese kultige Anzeige für die Zigarettenmarke West
Bild: Scholz & Friends

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... die Klage über zu niedrige Honorare:
Das ist keine Klage, sondern eine Diagnose. Agenturen können nicht gleichzeitig die Benchmark der höchsten Qualität und die des niedrigsten Preises erfüllen. Das funktioniert in keinem Markt. Man kann nicht bei Chanel shoppen und den Bon von Kik erwarten.

... die Option, bestimmte Agenturleistungen in Billiglohnländer zu verlagern:
Kommunikation braucht kulturellen Kontext. Produktion nicht. Strategie und Kreation werden wir niemals auslagern. Aber wir leben auf keinem extraterrestrischen Planeten. Was unsere Kunden auf der Suche nach Effizienzsteigerungen tun, darf für uns kein Verbot sein. mam
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