Ruzicka-Prozess Freispruch - Urkundenfälschung nicht zweifelsfrei nachweisbar

Dienstag, 17. Februar 2015
Freispruch für Aleksander Ruzicka
Freispruch für Aleksander Ruzicka
Foto: Aegis
Themenseiten zu diesem Artikel:

Aleksander Ruzicka Urkundenfälschung Strafprozess


Der frühere Aegis-Chef Aleksander Ruzicka dürfte schon bald aus dem Gefängnis freikommen. In dem zweiten Strafprozess gegen ihn - angeklagt waren Urkundenfälschung und versuchter Prozessbetrug - hat ihn das Landgericht Wiesbaden heute freigesprochen. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, bestehen wohl keine Hürden mehr für eine vorzeitige Entlassung aus der Haft, die der 54-Jährige wegen schwerer Untreue absitzt. Zwei Drittel seiner Haftstrafe von elf Jahren und drei Monaten hatte Ruzicka im April 2014 verbüßt.
Richter Jürgen Bonk betonte in seiner Urteilsbegründung, dass der Freispruch nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" gefallen sei. Am Ende habe sich nicht abschließend klären lassen, ob die in Rede stehende Vereinbarung zwischen Ruzicka und seinem früheren Arbeitgeber vom 15. September 1999 gefälscht sei oder nicht. Zwar bestünden erhebliche Zweifel an der Echtheit der Urkunde, letztlich lasse sich aber nicht eindeutig nachweisen, dass es sich um eine Fälschung handele. Aus diesem Grund sei ein Freispruch zwingend. Gleichwohl äußerte Bonk mehrfach Zweifel an der Plausibilität von Ruzickas Darstellungen zum Zustandekommen und dem Zeitpunkt der Vereinbarung. Diese soll ihm im Falle einer Kündigung durch Aegis eine Abfindung in Höhe von 89 Millionen Euro zugesichert haben. Sein früherer Arbeitgeber hatte die Echtheit des Dokuments infrage gestellt. Beide Seiten streiten weiter zivilrechtlich um etwaige Schadensersatzansprüche der Agentur. Ruzicka hat seine 89-Millionen-Forderung inzwischen fallengelassen.

Die Staatsanwaltschaft hat nun eine Woche Zeit, um zu entscheiden, ob sie das Urteil anerkennt. Ruzickas Strafverteidiger Sören Gemmerich will dann umgehend die Verlegung von Ruzicka nach Frankfurt in den offenen Vollzug beantragen. Derzeit sitzt der Ex-Media-Manager noch im Hochsicherheitsgefängnis in Weiterstadt ein. Anschließend strebe man schnellstmöglich die Entlassung aus der Haft an, so Gemmerich. Inklusive Untersuchungshaft befindet sich Ruzicka seit Oktober 2006 im Gefängnis. 2009 hatte ihn das Landgericht Wiesbaden schuldig gesprochen, Aegia Media um insgesamt 37 Millionen Euro geprellt zu haben. mam
Meist gelesen
stats