Ruzicka-Affäre Aegis Media scheitert mit Schadensersatzklage gegen Ex-Manager

Freitag, 27. Februar 2015
Aleksander Ruzicka muss vorerst keinen Schadensersatz leisten
Aleksander Ruzicka muss vorerst keinen Schadensersatz leisten
Foto: Aegis
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Aegis Media Aleksander Ruzicka


Die Mediaagenturgruppe Aegis Media erhält vorerst keinen Schadenersatz von ihrem früheren CEO Aleksander Ruzicka. Die Dritte Zivilkammer am Landgericht Wiesbaden hat die Klage des Unternehmens abgewiesen. Aegis Media hatte von dem wegen schwerer Untreue inhaftierten Ex-Manager Kompensationszahlungen in Höhe von rund 20 Millionen Euro gefordert.
Die ausführliche Begründung für das Urteil liegt den Prozessbeteiligten noch nicht vor. Bei der Verkündung erklärte die Vorsitzende Richterin Margarete Stuffler-Buhr aber auf Nachfrage, dass es Aegis Media nicht gelungen sei, die Klage schlüssig zu begründen. Insofern sei sie schon aus formalen Gründen abzuweisen. Über die inhaltliche Frage, ob und in welcher Höhe ein Schaden bei Aegis Media entstanden ist, habe man keine Entscheidung getroffen, so die Richterin. Offenbar konnte Aegis Media nicht überzeugend darlegen wie sich der geltend gemachte Schaden zusammensetzt. Bereits Mitte 2014 hatte das Gericht einen sogenannten Hinweisbeschluss erlassen, der besagte, dass die Kammer die Schadensberechnung von Aegis für unschlüssig hält. So war seinerzeit wohl strittig, wie die Kompensationszahlungen von Versicherungen in Höhe von rund 11 Millionen Euro und von weiteren in die Affäre verwickelten Personen in Höhe von rund 3 Millionen Euro zu bewerten sind. Das Gericht hatte Aegis Media zudem aufgefordert, die veranschlagte Schadenssumme konkret den einzelnen Untreuefällen zuzuordnen. Zwischendurch soll auch ein Vergleich im Raum gestanden haben, der aber nicht zustande kam.

Das jetzige Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es besteht die Möglichkeit zur Berufung beim Oberlandesgericht Frankfurt. Aegis Media sagt auf Anfrage, dass man zunächst die schriftliche Urteilsbegründung abwarten wolle, bevor man das weitere Vorgehen festlege. Eine weitergehende Stellungnahme gibt es bislang nicht. Unklar ist auch, wann die Widerklage von Ruzicka gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber entschieden wird. Die Forderung nach einer Kompensation von 89-Millionen-Euro hat er inzwischen fallengelassen, er erhebt aber weiterhin Ansprüche auf Abfindung und Abrechnung früherer Geschäftsführerverträge und Tantiemen.

Ruzicka verbüßt wegen der Veruntreuung von insgesamt 37 Millionen Euro eine Haftstrafe von elf Jahren und drei Monaten. Zuletzt war er in einem zweiten Strafprozess vom Vorwurf der Urkundenfälschung und des versuchten Prozessbetrugs freigesprochen worden. mam

Update: Die Widerklage von Aleksander Ruzicka gegen Aegis Media wurde inzwischen abgewiesen. Das bestätigt das Landgericht Wiesbaden auf Anfrage.
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