Roundtable Filmproduzenten fordern relevanteren Content für TV und Werbung

Donnerstag, 28. November 2013
Nico Hofmann, John Battsek und Oliver Hack beim HORIZONT-Roundtable (Bild: Furore)
Nico Hofmann, John Battsek und Oliver Hack beim HORIZONT-Roundtable (Bild: Furore)


Uneinigkeit herrschte beim exklusiven HORIZONT-Roundtable zwischen den Produzenten Nico Hofmann, UFA Fiction, und Oliver Hack, Markenfilm Crossing: Während der Boss der von UFA Fiction fest davon überzeugt ist, dass "wir in den nächsten zwei, drei Jahren einen signifikanten Wechsel im deutschen Fernsehprogramm erleben werden", ist Markenfilm-Geschäftsführer Hack deutlich zurückhaltender: "Ich muss gestehen, dass ich diese optimistische Einschätzung für den Werbefilmbereich nicht teilen kann. Wir sind noch lange nicht dem gleichen Level wie unsere europäischen oder amerikanischen Kollegen." Am runden Tisch diskutierten die beiden zusammen mit dem zweifach Oscar prämierten Dokumentarfilmer John Battsek, Passion Pictures, über die Zukunft des Storytelling. Zumindest hier kamen sie zu einer übereinstimmenden Meinung: Es kommt mehr denn je auf Qualität an. "Unsere größten Erfolge im vergangenen Jahr zeichnen sich alle dadurch aus, dass sie qualitativ hochwertig und psychologisch sehr komplex sind", so Hofmann. "Ich glaube fest daran, dass das Publikum diese intensiven Inhalte künftig noch stärker einfordern wird." bu

Lesen Sie hier die wichtigsten Thesen von Nico Hofmann, Oliver Hack und John Battsek:

John Battsek:

John Battsek ist Executive Producer und Managing Director von Passion Pictures, einer der bekanntesten Dokumentarfilmproduktionen der Welt. Zu ihren Arbeiten zählen „One Day in September“ (1999) und „Searching for Sugarman“ (2000), die beide mit dem Oscar prämiert wurden.

Nico Hofmann, Sprecher der Geschäftsführung UFA Fiction:

"Der Anspruch an die Qualität des Fernsehens ist heute viel höher als noch vor zehn Jahren."

"Die hohe Qualität der Drama-Serien aus den USA und Großbritannien, die den deutschen Markt erobern, erhöht den Druck auf die hiesige Fernsehmacher und Sendeanstalten. Wir haben keine andere Wahl als besser zu werden. Wenn wir das nicht schaffen, ist der Markt für uns verloren."

"Alle Sender, insbesondere RTL, investieren zurzeit sehr viel in authentische und relevante Programminhalte."

"Die Menschen sind auf der Suche nach etwas, das auch für ihr eigenes Leben relevant ist. Sie schauen nicht mehr gedankenlos, was ihnen im Fernsehen vorgesetzt wird."

Nico Hofmann:

Nico Hofmann ist Co-Gründer der TV-Produktionsfirma Teamworx, die im Sommer 2013 in Ufa Fiction aufgegangen ist. Heute steht Hofmann an der Spitze von Ufa Fiction. Zu seinen bekanntesten Produktionen gehören „Der Tunnel“ (2001), „Die Sturmflut“ (2006), „Der Turm“ (2012) und „Unsere Mütter, unsere Väter“.

Oliver Hack, Geschäftsführer Markenfilm Crossing

"Storytelling ist unser letzte Chance, die Menschen zu begeistern und neue Zielgruppen zu erreichen."

"Uns gelingt es viel zu selten, Inhalte zu produzieren, die optimal zu einer Marke oder einem Unternehmen passen. Wir sind dafür einfach nicht mutig genug."

"Wir müssen stärker um das Publikum kämpfen und deshalb sowohl den Content als auch die Qualität verbessern. Das ist für die Werbeindustrie momentan das oberste Gebot."

"Eine Kooperation zwischen den unterschiedlichen Film-Genres setzt voraus, dass die Kunden die inhaltliche Freiheit der Fiction-Filmindustrie respektieren. Das ist ein großer Lernprozess."

Oliver Hack:

Oliver Hack ist als Geschäftsführer von Markenfilm für den Bereich Crossing verantwortlich, der auf transmediales Storytelling spezialisiert ist. Dazu gehören Online-Produktionen, Branded-Entertainment-Projekte und multimediale Bewegtbildinszenierungen.

John Battsek, Executive Producer und Managing Director Passion Pictures

"Wir werden permanent mit Botschaften und Geschichten konfrontiert, die zunehmend austauschbarer und bedeutungsloser werden. Das erzeugt einen Gegentrend: Das Bedürfnis nach echten, wahrhaftigen Geschichten wird stärker."

"Ich glaube, dass gerade Dokumentarfilmer bestens geeignet sind, um Branded-Content-Stories zu verfilmen."

"Ich kann mich kaum an einen richtig guten deutschen Film erinnern."

"Natürlich lasse ich mich von der Werbung beeinflussen. Es gibt viele Commercials, die visuell ganz großartig sind, ungewöhnlich geschnitten oder einen sehr coolen Look haben. Davon können wir viel lernen. Außerdem mag ich die Vorstellung, dass sich die Genres gegenseitig befruchten."

Das gesamte Roundtable-Gespräch lesen Sie in HORIZONT 48/2013 vom 28. November 2013
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