Rhymes against Rape Wie Werber Stefan Schmidt ein Zeichen gegen Sexismus setzen will

Donnerstag, 07. Dezember 2017
Dieses Motiv postete Schmidt auf seiner Facebook-Seite
Dieses Motiv postete Schmidt auf seiner Facebook-Seite
© Stefan Oliver Schmidt

Stefan Oliver Schmidt, Co-Gründer und Kreativchef der Berliner Agentur Dieckertschmidt, hat auf seinem privaten Facebook-Profil einen Appell gegen Sexismus und sexuelle Belästigung gestartet - und setzt dabei auf die Kraft der Kreation: "Rhymes against Rape" zeigt in erster Linie aufreizende Frauen-Fotos, arbeitet dabei aber mit einer raffinierten Text-Bild-Schere.
So ist auf einem der Fotos eine Frau in einem langen Wollpullover zu sehen, der gerade so ihren Schoß bedeckt. Doch genau auf Höhe des Schambereichs ist zu lesen: "Her Dress is not a Yes". Die weiteren Motive funktionieren nach der gleichen Logik: Eine sexy Kleidung heißt noch lange nicht, dass die Trägerin gerne angeflirtet werden will - und schon gar nicht, dass Mann sich einfach nehmen kann, was er möchte.
Die Aktion enstand aus einer privaten Initiative heraus, ein Kunde war nicht involviert. "A little semi-poetic reminder for men not be a***holes", hat Schmidt, der gemeinsam mit seinem Agenturpartner Kurt Georg Dieckert 1999 das Londoner Büro von Springer & Jacoby gegründet hatte, über seinen Post geschrieben. Dass er damit einen Nerv trifft, zeigt die Auszeichnung der Initiatoren der Anti-Sexismus-Bewegung #MeToo durch das Time Magazine als "Persons of the Year" wenige Stunden, nachdem Schmidt seinen Post online gestellt hatte. Trotz #MeToo und zahlreicher Diskussionen über Alltags-Sexismus - man denke nur an die #Aufschrei-Bewegung - gebe es immer noch massenhaft Anlässe zum Protest gegen sexuelle Belästigung, findet Schmidt: "Wir müssen alle etwas gegen die nach wie vor weit verbreitete Rape-Culture da draußen tun – vor allem wir Männer! Wir sollten eigentlich alle Feministen sein. Denn diese Thematik berührt unser aller Leben", sagt der Agenturchef im Gespräch HORIZONT Online. Seine Forderung: "Ich finde, dass Frauen sich so sexy anziehen sollten, wie sie das wollen. Keine Frau sollte sich verstecken müssen aus dem falschen Glauben heraus, die Männer könnten sonst ausflippen."

Bislang erhält Schmidt eigenen Angaben zufolge fast ausschließlich positives Feedback auf seine Aktion. Ein besonderen Appell an die Werbebranche sei das ganze aber nicht, so Schmidt: "Die Werbebranche ist was Sexismus angeht nicht mehr oder weniger auffällig als andere Branchen. Dass ich eine sehr werbliche Form gewählt habe liegt einfach daran, dass Werbesprache meine Sprache als Kreativer ist."
„Wir müssen alle etwas gegen die nach wie vor weit verbreitete Rape-Culture da draußen tun – vor allem wir Männer!“
Stefan Oliver Schmidt
Allerdings haben Frauen auch in der Werbe- und Agenturwelt Sexismus erlebt, wie etwa der Fall der Grafikerin Ashley Winkler aus Graz zeigt. Ihre Erfahrungen hat sie auf Twitter unter dem Titel "Sexistischer Bullshit der Arbeitswelt" verarbeitet. "Es muss sich viel stärker ein Verständnis dafür bilden, was in Ordnung ist und was nicht", so Winkler im Interview mit Spiegel Online.  ire
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