Raphael Brinkerts Plädoyer für mehr Kollegialität "Lasst uns liken oder enthalten statt haten"

Donnerstag, 26. November 2015
Raphael Brinkert ist Geschäftsführer bei Jung von Matt/Sports und GWA-Vorstandsmitglied
Raphael Brinkert ist Geschäftsführer bei Jung von Matt/Sports und GWA-Vorstandsmitglied
Foto: Jung von Matt

Raphael Brinkert, Geschäftsführer von Jung von Matt/Sports und GWA-Vorstandsmitglied, wünscht sich mehr Zusammenhalt in der Agenturbranche. In einem Facebook-Post ruft er seine Kollegen dazu auf, sich gegenseitig mehr wertzuschätzen - und die Arbeit der Konkurrenz öfter mal zu loben statt zu kritisieren.
Härtere Einkaufsbedingungen, Gratis-Pitches und ein Markt, der für Wachstum weniger Raum lässt und daher zu einem Verdrängungsmarkt wird: All dies sind für Brinkert Punkte, die in der Werbebranche für eine härtere Gangart sorgen. Zu lesen sei das Ganze dann in sozialen Medien - und bei den Fachmedien der Branche wie HORIZONT und "Werben & Verkaufen". Warum ist das so, fragt sich Brinkert: "Sind die Kunden schuld an diesem Dilemma? Sind es die Fachmagazine? Oder ist es Branchen-Jargon geworden, sich gegenseitig im öffentlichen Raum zu bashen? Wer glaubt, dass er - voll Neid zerfressen - seine eigene Position im Wettbewerb stärkt, indem er Branchenkollegen öffentlich diffamiert, der glaubt auch, dass sich Zeitungen besser verkaufen, wenn überall von 'Print ist tot' die Rede ist", so seine Schlussfolgerung.

Gegenüber HORIZONT Online präzisiert Brinkert: "Der Kernpunkt ist der, dass der eine dem anderen nichts gönnt." Statt sich gegenseitig niederzumachen, sollten die Marktteilnehmer gemeinsam Gattungsmarketing betreiben. Dazu gehöre, gute Arbeiten "ins Schaufenster" zu stellen.

Auf Facebook schreibt Brinkert: "Lasst uns gemeinsam den Leistungen der Branchenkollegen mehr Wertschätzung geben. Lasst uns aufhören, uns gegenseitig im Sandkasten mit Dreck zu beschmeissen. Lasst uns als Branchenvertreter endlich der Branchen-Verantwortung gerecht werden. Lasst uns liken oder enthalten statt haten."
„Lasst uns gemeinsam den Leistungen der Branchenkollegen mehr Wertschätzung geben.“
Raphael Brinkert
Brinkert selbst macht in seinem Post den Anfang: Als seine drei Lieblingsarbeiten nennt er den neuen Thyssen Krupp-Auftritt von Thjnk, den "Tournaround von Grey in Berlin dank Matthias Meusel & Team" sowie "das Comeback der Marke Opel dank Umparken im Kopf von Scholz & Friends."

Unterstützung bekommt Brinkert von Thomas Strerath, Partner bei Jung von Matt und ebenfalls GWA-Vorstandsmitglied, der Brinkerts Vorstoß gerne für eine gemeinsame Initiatiave der GWA-Agenturen genutzt sehen würde: "Jedes GWA-Mitglied benennt 3 Arbeiten einer anderen Agentur, die er für vorbildlich hält", schreibt Strerath unter Brinkerts Post und gibt den Ball an GWA-Präsident Wolf-Ingomar Faecks weiter.

Der zeigt sich gegenüber HORIZONT Online sehr angetan von der Idee. Kein Wunder: Der GWA-Chef gehört zu den engagiertesten Fürsprechern für mehr Wertschätzung in der Branche - sei es von Kunden für die Arbeit der Agenturen oder der Agenturen untereinander. Inwieweit aus Brinkerts Initiative eine GWA-Kampagne werden könne, müsse man sehen, so Faecks. Dass der Vorschlag durchaus offene Ohren findet, zeigt sich an der Diskussion unter Brinkerts Post: Zahlreiche Kreative und Agenturmanager haben sich schon zu Wort gemeldet und ihre Zustimmung ausgedrückt. ire
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