RCKT Communication "Wir sind die Digital Native Agency"

Montag, 14. März 2016
Das RCKT-Führungstrio Karolin Hewelt, Nils Seger und Lisa Teicher (v.l.)
Das RCKT-Führungstrio Karolin Hewelt, Nils Seger und Lisa Teicher (v.l.)
Foto: RCKT Communications

Vor ein paar Tagen hat RCKT Communication bekannt gegeben, dass sie in einem Pitch den Etat des Modefilialisten Adler gewonnen hat. Eine TV-Kampagne ist bereits gestartet. Moment mal, ist RCKT nicht die Agentur aus dem Samwer-Imperium, die bei ihrem Start vor rund einem Jahr verkündet hat, sich vor allem auf die Gründerszene konzentrieren zu wollen? Davon ist die angestaubte Marke Adler mit ihrer klassischen 360-Grad-Kampagne nun wahrlich weit entfernt. HORIZONT hat mit dem Führungstrio gesprochen und erfahren, dass die Agentur ihren Schwerpunkt inzwischen deutlich verändert hat.

Der Fokus liegt demnach schon lange nicht mehr ausschließlich auf Start-ups. Inzwischen betreut das Team um Karolin Hewelt, Lisa Teicher und Nils Seger 80 Prozent externe Kunden. Nur noch 20 Prozent sind Start-Ups der Muttergesellschaft Rocket Internet. In Pitches trifft RCKT inzwischen immer öfter auf klassische Agenturen, zählt aber gleichzeitig Unternehmensberatungen zu ihren Wettbewerben. "Ich finde es sehr spannend, wie wir als Agentur die Vermischung von Consultancy und Content erleben", erklärt Segers. "Eines Tages wird das wahrscheinlich ganz normal sein."

„Ich finde es sehr spannend, wie wir als Agentur die Vermischung von Consultancy und Content erleben“
Nils Seger
Er und seine beiden Partnerinnen in der Geschäftsführung ziehen nach etwas mehr als zwölf Monaten eine positive Zwischenbilanz, wenngleich es zwischenzeitlich durchaus auch Schwierigkeiten zu bewältigen gab. Die Vorschusslorbeeren waren reichlich, als RCKT Communications vor rund einem Jahr an den Start ging. Hervorgegangen aus der PR-Abteilung von Rocket Internet, war es das erklärte Ziel der neuen Agentur, ihr Wissen aus der Zusammenarbeit mit Start-ups auch Kunden außerhalb des Rocket-Universums zugänglich zu machen.  Der Anfang sei überragend gewesen, berichtet Seger. "Wir hatten nur einen Monat nach dem Start bereits rund 100 externe Anfragen." Die Aufgabenstellungen waren dabei sehr unterschiedlich. "Wir begleiten die Kunden bei der digitalen Transformation, bringen sie mit Start-ups aus unserem Netzwerk zusammen, setzen Innovations- und Accelator-Programme auf und realisieren klassische digitale Kommunikationskampagnen", erklärt Hewelt. Eine eigene Video-Unit kümmert sich um bewegte Bilder, bei Bedarf respektive größeren Produktionen sucht sich das Team auch schon mal externe Partner.

So war es auch bei der Produktion der Adler-Kampagne, die RCKT mit Hilfe von Bigfish und Regisseur Claas Ortmann realisiert hat. Traditionelle Werbekampagnen sollen künftig nicht unbedingt der Schwerpunkt sein. Es ist eine große Herausforderung für jedes Unternehmen, Mittel und Wege zu finden, um sich zu relevanten Themen mit der Community auszutauschen", erklärt Teicher.

 
Die hohe Diversifikation und die vielfältigen Aufgaben, die RCKT anpackt, sind ein Grund dafür, dass die Identitätsfindung der Agentur eine Weile gedauert hat. Begleitet wurde dieser Prozess von Negativschlagzeilen: Bereits im Oktober ging Co-Gründer Andreas Winiarski von Bord, was natürlich für Gerede sorgte. Er wird zum 1. Mai dieses Jahres als Managing Partner bei der Kommunikationsberatung Hering Schuppener einsteigen. Außerdem war die Rede davon, dass rund zehn Mitarbeiter die Agentur verlassen mussten. Das wiederum warf Fragen nach dem wirtschaftlichen Erfolg von RCKT auf. De facto beschäftigt die Agentur aktuell 30 Mitarbeiter – sieben weniger als noch im Oktober. Diese sitzen allerdings nicht auf der Straße, sondern sind zur Muttergesellschaft Rocket Internet zurückkehrt, um sich dort auf die Betreuung der Start-ups zu konzentrieren. 

RCKT Communications wiederum will verstärkt externe Auftraggeber fokussieren. Unter ihnen sind einige Bluechip-Marken: ein renommiertes Finanzinstitut und ein bekannter Getränkehersteller gehören dazu. Diese Partner sind noch nicht offiziell, andere hingegen schon: Neben dem ersten externen Kunden Messe Frankfurt sind inzwischen Capgemini, die Deutsche Bahn und deren Tochter Systel, Merck und L’Oréal hinzugekommen. Ganz frisch ist neben dem Etatgewinn von Adler auch die News, dass Bahlsen mit der Marke Pickup im internationalen Umfeld auf das digitale Know-how von RCKT vertraut. Aus der Start-up-Welt sind unter anderem Home24, das afrikanische Handelsunternehmen Jumia, die Global Fashion Group, Caterwings, Paymill und Zipjet geblieben. Außerdem ging erst vor kurzem ein TV-Spot für das Reiseportal Triprebel an den Start. Zwei weitere Unternehmen aus der Gründerszene unterstützt RCKT aktuell beim Aufbau und Branding. 

Bei allen Aufgaben versuchen die drei, ihr unterschiedliches Know-how zu kombinieren: Seger kommt aus dem Start-up-Bereich, Hewelt hat früher bei diversen PR-Agenturen, unter anderem Johannsen + Kretschmer, gerabeitet, Teicher wiederum war lange bei Jung von Matt beschäftigt. Sie sagt: "Wir finden, dass diese Dreiteilung die perfekte Kombination ist, um unsere Kunden ganzheitlich betreuen zu können." Die einzige Kategorisierung, die RCKT für sich akzeptiert, ist das Label "Digital Native Agency". Dazu ergänzt Seger: "Ich würde nie behaupten, dass wir die Speerspitze der deutschen Werbung sind. Wir sehen uns auch nicht als führende PR- oder Digitalagentur und haben ganz bestimmt nicht die besten Strategiepapiere. Aber wir haben junge, digitale Talente, die Trends erkennen und inhaltlich gut einordnen können." bu

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