Publicis Media Groupe O2-Mutterkonzern Telefónica lässt Vertrag über globales Mediamandat platzen

Freitag, 17. Oktober 2014
Die Zentrale von Telefónica in Deutschland
Die Zentrale von Telefónica in Deutschland
Foto: Foto: Telefónica

Eklat bei Telefónica in Madrid. Der spanische Mutterkonzern von O2 hat sein weltweites Mediamandat der Pariser Publicis Media Groupe entzogen und sang und klanglos an Havas Media übertragen. Beide Agenturgruppen haben dieses Jahr an einem fünf Monate währenden Pitch teilgenommen, aus dem Publicis als Sieger hervorgegangen war.

Doch wie eine Sprecherin der Düsseldorfer Agenturgruppe nun gegenüber HORIZONT Online bestätigt, ist dieser Vertrag mit einem Gesamtvolumen von 500 Millionen Euro keinen Pfifferling mehr wert. „Wir werden tatsächlich gezwungen, den Etat zum 1. Januar abzugeben. Es wird deswegen aber keine Entlassungen bei uns geben“, erklärt Nicole Karepin. In 16 Ländern sollte das Medianetzwerk Zenith Optimedia in den kommenden fünf Jahren für Telefónica arbeiten. Aus und vorbei und ohne Zweifel ein herber Schlag für die Agenturen, die daran aber nichts ändern können. Nutznießer dieses Fiaskos ist die ebenfalls in Spanien beheimatete Havas Media Group, die Telefónica ins Boot geholt hat.

Der Grund für diese Kehrwende scheint ebenso klar wie ernüchternd: im September hat Telefónica für 7,2 Milliarden Euro den brasilianischen Telekommunikationsanbieter Global Village Telecom (GVT) gekauft, der zur Pariser Vivendi-Gruppe gehört. Chairman das Aufsichtsrats ist ein Altbekannter in der Agenturbranche: Vincent Bolloré. Der bretonische Investor ist nicht nur der wichtigste Einzelaktionär von Vivendi, sondern zugleich auch größter Investor von Havas. Bolloré hält 37 Prozent der Anteile und erst Anfang des Jahres hat sein Sohn Yannick als CEO die Führung der Havas Holding übernommen.

„Wir werden tatsächlich gezwungen, den Etat zum 1. Januar abzugeben.“
Nicole Karepin
Telefónica-CEO César Alierta bestreitet gegenüber spanischen Medien einen Zusammenhang zwischen der Akquisition von GVT in Brasilien und der Vergabe des Mediaetats an Havas Media. Doch der Verdacht liegt nahe, dass er für GVT nur unter der Bedingung den Zuschlag bekommen hat, wenn er als Zubrot den Deal mit Havas Media von Bolloré eingeht. Schließlich weiß der in Finanzkreisen gefürchtete Franzose, dass Telefónica in dem noch immer wachsenden brasilianischen Markt nur durch GVT Zugang zu schnelleren Internet-Verbindungen bekommen kann und damit zum größten Mobilfunkanbieter des Landes aufsteigt.

Obendrein gibt es für Telefónica noch ein kleines Vivendi-Aktienpaket und wiederum für Vivendi eine Beteiligung in Höhe von sieben Prozent an dem neuen Unternehmen Telefónica Brasil. Es bleibt also alles in der Familie und Havas Media muss nun zusehen, binnen kürzester Zeit ein internationales Team für diesen technisch anspruchsvollen Kunden auf die Beine zu stellen. ejej

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