Publicis Gruppe Werbeholding baut komplett um / Einzelmarken treten in den Hintergrund

Donnerstag, 03. Dezember 2015
Publicis-Chef Maurice Lévy versucht es mit einer neuen Struktur
Publicis-Chef Maurice Lévy versucht es mit einer neuen Struktur
Foto: Cannes Lions / Getty Images

Die schwächelnde französische Werbeholding Publicis versucht einen Befreiungsschlag. Konzernchef Maurice Lévy baut das Unternehmen komplett um. Künftig gibt es vier Säulen, sogenannte Solution Hubs, unter deren Dach die einzelnen Agenturmarken gruppiert werden. Dabei treten die einzelnen Networklabel deutlich in den Hintegrund, auch wenn die Holding betont, dass sie weiter ausgebaut und ihre eigene Identität pflegen werden.
Ziel ist es, ein Modell zu etablieren, bei dem die Kunden agenturübergreifend Zugriff auf die Kompetenzen und Ressourcen der gesamten Gruppe haben. Damit schlägt Publicis einen Weg ein, den Wettbewerber WPP mit seinem "Horizontality"-Ansatz schon länger verfolgt.
In Zukunft soll jeder Großkunde von einem Chief Client Officer geführt werden, der für alle Belange dieses Auftraggebers zuständig ist - disziplin- und länderübergreifend. Wo möglich, sollen die entsprechenden Betreuungsteams unter einem Dach angesiedelt werden. Sämtliche Chief Client Officers berichten an Laura Desmond, die sich ab Anfang Januar Groupe Chief Revenue Officer nennen darf. Sie ist zudem für das Neugeschäft und die weitere Entwicklung der Gruppe verantwortlich. Die vier Säulen, in denen das Angebot gebündelt wird, treten alle nur unter der Marke Publicis auf. Einzige Ausnahme ist Publicis.Sapient. Im Einzelnen sind das:

Publicis Communication ist das Sammelbecken für die Werbeagenturmarken Publicis Worldwide, Leo Burnett, Saatchi & Saatchi und BBH, aber auch für MSL Group (PR), Nurun (Digital) und die Produtionsfirma Prodigious. Diese Einheit wird von CEO Arthur Sadoun geführt. Er gilt als einer der möglichen Nachfolger von Konzernchef Lévy und bekommt nun weitere Aufgaben übertragen. Bislang agierte er als Chef von Publicis Worldwide.

Publicis Media vereint die Angebote von Agenturen wie Starcom Mediavest, Zenith Optimedia, Vivaki und Performics. An der Spitze steht CEO Steve King, bislang Chef von Zenith Optimedia.

Publicis.Sapient ist das Dach für Agenturen wie Sapient Nitro, Digitals LBi und Razorfish. Diese Säule wird von Sapient-Chef Alan Herrick geführt. Auch er gilt als einer der möglichen Kandidaten für die Nachfolge von Lévy.

Publicis Healthcare bündelt das Angebot für den Pharma- und Healtcarebereich. An der Spitze steht CEO Nick Colucci.

In kleineren Märkten geht die Holding noch einen Schritt weiter. Hier wird das Geschäft komplett zusammengelegt und in einer Einheit namens Publicis One unter der Führung von CEO Jack Ziebinski gemanagt. Publicis erzielt nach eigenen Angaben mehr als 90 Prozent seiner Umsätze in rund 20 Ländern. Aus diesem Grund will man davon Abstand nehmen, in den weniger bedeutenden Märkten eigenständige Apparate und Strukturen für verschiedene Agenturmarken aufrechtzuerhalten.

Was die neue Struktur für Deutschland heißt, bleibt abzuwarten. Demnächst wollen sich die Chefs sämtlicher hiesigen Publicis-Agenturen auf Einladung von Sapient-Nitro-Chef Wolf Ingomar Faecks treffen, um über die Zusammenarbeit zu sprechen. Ob auch hierzulande weitergehende Zusammenlegungen geplant sind, ist unklar. Fest steht, dass der Publicis-Konzern angesichts seiner zuletzt im Vergleich zu den Wettbewerbern schwächeren Geschäftsentwicklung ein Interesse an Sparmaßnahmen haben dürfte. Zuletzt wurde beispielsweise bekannt, dass Saatchi & Saatchi sein Büro in Frankfurt schließt.

Interessant ist die neue Struktur auch im Hinblick auf die Nachfolgelösung für Konzernpatriarch Lévy. Er will die Führung der Holding im Frühjahr 2017 aufgeben. Eine denkbare Kandidatin für den Posten ist neben Sadoun und Herrick die neue Chief Revenue Officer Desmond. Die internationale Presse handelt derzeit Sadoun als großen Favoriten. mam
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