Publicis CEO Maurice Lévy: "2016 ist ein Jahr des Übergangs"

Donnerstag, 11. Februar 2016
Publicis-Chef Maurice Lévy ist nicht zufrieden mit dem organischen Wachstums einer Gruppe
Publicis-Chef Maurice Lévy ist nicht zufrieden mit dem organischen Wachstums einer Gruppe
Foto: Cannes Lions / Getty Images

Die französische Werbholding Publicis hat ihre Bilanz für das Geschäftsjahr 2015 vorgelegt. Auf den ersten Blick wirken die Zahlen beeindruckend: ein Umsatzwachstum von 32 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro, eine operative Marge von 15,5 Prozent. Schaut man genauer hin, ergibt sich ein anderes Bild. Das organische Wachstum (also ohne Zukäufe und Währungseffekte) beträgt nur 1,5 Prozent. Damit liegt Publicis deutlich hinter Wettbewerber Omnicom, der für 2015 ein organisches Wachstum von 5,3 Prozent gemeldet hat.
"Es war ein paradoxes Jahr. Auf der einen Seite können wir einige großartige Zahlen vorgelegen. Gleichzeitig bin ich etwas enttäuscht, weil unser organisches Wachstum nicht dort ist, wo es sein könnte", kommentiert Konzernchef Maurice Lévy die Bilanz. Hoffnungen machen ihm die Zahlen des 4. Quartals. Hier erzielte die Gruppe ein organisches Wachstum von 2,8 Prozent. Das Plus ist vor allem von der Entwicklung in Nordamerika (+6,3 Prozent) und Asia Pacific (+5,1 Prozent) geschuldet. In Europa ging der Umsatz in den letzten drei Monaten des Jahres 2015 dagegen um 1,7 Prozent zurück. Für das Gesamtjahr ergibt sich in Europa ein Plus von 0,4 Prozent. In Deutschland erzielte Publicis nach eigenen Angaben ein Wachstum von 5 Prozent. Zu der Gruppe gehören Agenturmarken wie Publicis Worldwide (in Deutschland: Publicis Pixelpark), Leo Burnett, Saatchi & Saatchi, Sapient, MSL Group, Zenith Optimedia und Starcom Mediavest. Ende vorigen Jahres hat sich der Verbund eine neue Struktur verpasst, nicht zuletzt, um das Wachstum anzukurbeln. Der Konzern agiert künftig mit vier Säulen - Publicis Communications, Publicis Media, Publicis.Sapient und Publicis Healthcare, unter deren Dach die einzelnen operativen Agenturmarken einsortiert werden. Hierzulande hat sich vor kurzem Publicis Communications mit den Agenturen Publicis Pixelpark, Leo Burnett, Saatchi & Satchi, MSL, CNC und Meta Design formiert.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet CEO Lévy keine großen Wachstumssprünge. "2016 ist ein Jahr das Übergangs", sagte er bei der Vorstellung der Zahlen. Erst ab 2017 sei mit den vollen Auswirkungen der Reorganisation und wieder höheren Wachstumsraten zu rechen. Zu Gerüchten, Publicis wolle bei der koreanischen Agenturgruppe Cheil einsteigen und einen Minderheitsanteil von 30 Prozent erwerben, sagte Lévy in einem auf der Konzernwebsite veröffentlichten Interview: "Ich habe Gerüchte in der Presse gelesen. Und wie gewöhnlich kommentieren wir keine Spekulationen." In einer Telefonkonferenz bestätigte er dagegen den Plan, den CEO-Posten im Mai 2017 an einen Nachfolger zu übergeben.

Auch Wettbewerber Omnicom hat seine Bilanz für das Geschäftsjahr veröffentlicht. Sie weist ein organisches Wachstum von 5,3 Prozent aus. Allerdings leidet die US-Holding Omnicom unter Währungseffekten, vor allem unter den schwächeren Währungen außerhalb ihres Heimatmarkts. Dadurch ergibt sich für die Muttergesellschaft von Agenturen wie BBDO, DDB und TBWA sowie der Mediaagenturen OMD und PHD insgesamt ein Umsatzminus von 1,2 Prozent auf 15,1 Milliarden US-Dollar (13,4 Milliarden Euro). Profitiert hat Omnicom unter anderem vom Gewinn des weltweiten Mediaetats von Procter & Gamble. Für diesen Kunden will die Holding ein eigenes Medianetzwerk aufbauen.

Anders als Publicis konnte Omnicom auch in Europa zulegen - um 7,1 Prozent in Großbritannien und 3,7 Prozent in der Euro-Zone und den anderen europäischen Märkten. In Bezug auf die Disziplinen verteilt sich das Wachstum wie folgt: Werbung (inkl. Media) 9,3 Prozent, CRM 1,9 Prozent und "Specialty Communications" 2,2 Prozent. Die Sparte PR schrumpfte um 1,4 Prozent.   mam
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