Prozessauftakt Ruzicka steht erneut vor Gericht

Donnerstag, 18. September 2014
Aleksander Ruzicka
Aleksander Ruzicka
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Aleksander Ruzicka Aegis Media Prozessauftakt


Aleksander Ruzicka, früherer Chef von Aegis Media (heute: Dentsu Aegis), muss sich erneut vor Gericht verantworten. Vor dem Landgericht Wiesbaden hat heute der zweite Strafprozess gegen den 53-Jährigen begonnen. Diesmal wirft ihm die Staatsanwaltschaft Urkundenfälschung und versuchten Prozessbetrug vor. Nach Auffassung der Ankläger soll der wegen Untreue rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von mehr als elf Jahren verurteilte Ruzicka aus der Haft heraus Dokumente manipuliert haben, um eine hohe Kompensationszahlung zu erhalten.

Der ehemalige Mediamanager wollte durch eine - inzwischen fallengelassene - Widerklage auf die Zivilklage seines früheren Arbeitgebers eine Abfindung in Höhe von mehr als 89 Millionen Euro geltend machen. Bei Ruzicka ergäbe sich diese Summe dadurch, dass er auf gesonderte jährliche Tantiemezahlungen und Aktionoptionen verzichtet habe. Diese sollten stattdessen gebündelt bei einer vom Arbeitgeber ausgehenden Trennung zur Auszahlung kommen, erklärte sein Anwalt heute vor Gericht. Mit dieser Regelung habe sich der frühere CEO vor einem Rauswurf schützen wollen. In dem Prozess geht es nun darum, ob die Zusatzvereinbarung zu Ruzickas Arbeitsvertrag gültig ist oder ob das entsprechende Dokument und die Unterschriften der Arbeitgeberseite gefälscht wurden.

Aleksander Ruzicka sitzt nun wieder in der JVA Weiterstadt (Foto: Aegis Media)

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Anders als beim ersten Strafprozess, als Ruzicka zu den Untreuevorwürfen weitgehend geschwiegen hatte, verfolgt er diesmal eine andere Strategie: Er will sich zu allen Punkten umfassend äußern. So beteuerte sein (neuer) Anwalt in einer Eingangserklärung, die einem vorweggenommenen Plädoyer ähnelte, die Unschuld seines Mandanten. Ruzicka selbst gab ebenfalls eine ausführliche Erklärung ab, in der er die arbeitsvertragliche Situation sowie die verschiedenen Zusatzvereinbarungen und Änderungen zu seinem eigentlichen Anstellungsvertrag erläuterte.

Auch zu seiner persönlichen Situation - sowohl früher als auch heute - gab er Auskunft. So erklärte er, dass er im am Ende seiner Tätigkeit für Aegis Media ein Gesamtgehalt zwischen 1,8 und 1,9 Millionen Euro bezog. Heute sitzt Ruzicka wieder im Gefängnis in Weiterstadt und ist dort mit der Bearbeitung von Aufträgen beschäftigt, die Fremdfirmen an die Justizvollzugsanstalt vergeben. Für die Zukunft plant er ein Beratungsangebot, mit dem er Werbungtreibende und Agenturen bei der Ausgestaltung von Mediaverträgen unterstützen will.

Zu seinen aktuellen Vermögensverhältnissen sagte Ruzicka, dass sein gesamtes Vermögen aufgrund der nach wie vor ausstehenden zivilrechtlichen Einigung von Aegis Media blockiert sei. Das gelte zum Beispiel für den Erlös aus der Zwangsversteigerung seines früheren Wohnhauses in Wiesbaden, den er auf rund 900.000 Euro beziffert. Aegis Media fordert insgesamt 44 Millionen Euro von seinem früheren Manager, im ersten Schritt geht es um einen Betrag von 20 Millionen Euro. Laut Ruzicka führen beide weiterhin Gespräche miteinander, um sich doch noch auf eine gemeinsame Lösung zu verständigen.

Für den Prozess sind zunächst sechs Verhandlungstage angesetzt. Am kommenden Montag geht es mit der Befragung eines früheren Aegis-Finanzchefs weiter, dessen Unterschrift Ruzicka nach Auffassung der Staatsanwaltschaft gefälscht hat. mam 

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