Project Everyone Wie John Hegarty und Richard Curtis mit einem Kinospot die Welt retten wollen

Samstag, 26. September 2015
Die globale Kino-Kampagne ist an Erich Kästners Roman "Die Konferenz der Tiere" angelehnt
Die globale Kino-Kampagne ist an Erich Kästners Roman "Die Konferenz der Tiere" angelehnt
Foto: Project Everyone

In den vergangenen Tagen haben führende Persönlichkeiten der 193 UN-Mitgliedstaaten über die aktuelle Entwicklungsagenda bestehend aus 17 "Global Goals" diskutiert. Dabei geht es um nicht weniger als die Rettung der Welt. Das ehrgeizige Programm gibt vor, mit welchen Mitteln bis 2030 extreme Armut, Ungleichheit und Ungerechtigkeit sowie die negativen Auswirkungen des Klimawandels bekämpft werden sollen. Parallel zu dem mehrtägigen UN-Gipfel sind eine ganze Reihe von Initiativen gestartet, bei denen es vor allem darum geht, den Menschen das Programm näherzubringen und sie zum Mitmachen anzuregen.

Im Rahmen der Cannes Lions hat der britische Filmemacher und Drehbuchautor Richard Curtis, Regisseur von erfolgreichen Komödien wie "Vier Hochzeiten und ein Todesfall", "Notting Hill" und "Bridget Jones", seine Ideen für die Kampagne "#Wehaveaplan" erstmals vor großem Publikum präsentiert. Curtis ist Initiator von Project Everyone, einer gemeinnützigen Organisation, deren vorrangiges Ziel darin besteht, die UN-Entwicklungsziele kommunikativ aufzubereiten und Mitstreiter für die gute Sache zu gewinnen. Einer dieser Mitstreiter ist Werbe-Legende John Hegarty. Gemeinsam entwickelten sie die globale Kino-Kampagne, die an Erich Kästners Roman "Die Konferenz der Tiere" angelehnt ist. Auch hier sind es Tiere, die stellvertretend für alle Nationen der Erde eine Einigung zwischen den Ländern anstreben. Außerdem ermutigen sie jeden Einzelnen, Teil dieser Bewegung zu werden. Neben Unternehmen wie Google, Getty Images, Pearson und Unilever gehört die internationale Kinovermarktungsallianz Sawa zu den Partnern von Project Everyone. Mit deren Unterstützung wird der Spot ab sofort zeitgleich in mehr als 30 Ländern zu sehen sein. Rund 25 Millionen Euro Mediabudget stellen die Sawa-Mitgliedsunternehmen zur Verfügung, davon entfällt rund eine Million auf Deutschland.

Florian Weischer, Gründer von Weischer Media, ist nicht nur deutsches Sawa-Mitglied, sondern zugleich Präsident der internationalen Vermarktungsgruppe. Er sagt, es habe nie zuvor ein vergleichbares Projekt gegeben, handelt es sich doch um die erste weltweite und dabei zentral gesteuerte Kinokampagne. "Ich bin froh, dass ich in meinem ersten Jahr als Sawa-Präsident so etwas mitanschieben konnte", erklärt Weischer. Die Kampagne transportiere nicht nur die UN-Ziele, sie zeige auch, welche Kraft die Gattung Kino habe – neben Youtube sei es das einzige globale Medium, das bewegte Bilder zentral gesteuert um die Welt schicken kann. Hegarty wiederum betonte bereits in Cannes, dass Kino die Mutter aller Screens sei und zudem ein Medium mit großer kultureller Bedeutung, über das die Menschen sprechen und wo große Geschichten ihren Anfang nehmen.
Im Stil von Kinoplakaten soll auf den globalen Spot "#Wehaveaplan" aufmerksam gemacht werden, deren weltweite Schaltung von der Kinovermarktungsorganisation Sawa gesteuert wird
Im Stil von Kinoplakaten soll auf den globalen Spot "#Wehaveaplan" aufmerksam gemacht werden, deren weltweite Schaltung von der Kinovermarktungsorganisation Sawa gesteuert wird (Bild: Sawa)
Das klingt alles ein wenig pathetisch. Tatsächlich ist der Global-Goals-Spot inhaltlich nicht gerade großes Kino, sondern gefällig und massenkompatibel, das Storyboard eher durchschnittlich. Hegarty-Fans werden enttäuscht sein. Bemerkenswert ist allenfalls die Produktionsqualität. Kein Wunder: Hier war das renommierte britische Produktionshaus Aardman Animations am Werk, das Figuren wie "Shaun, das Schaf" und "Wallace & Gromit" geschaffen hat.

Seine kreative Kraft entfaltet der Film erst im Zusammenspiel mit den weiteren geplanten Maßnahmen rund um die UN-Generalversammlung. Und davon gibt es einige. Curtis ist es gelungen, eine Menge prominenter und einflussreicher Mitstreiter um sich zu versammeln. So gibt es seit 26. September bis 3. Oktober die Pop-Up-Station Radio Everyone geben, deren Programm von Stars wie Bono, Jamie Oliver, Cate Blanchett, Liam Neeson und anderen bestritten wird. Die Inhalte werden online gestreamt und mit Unterstützung von Sendepartnern wie BBC Music und Deutsche Welle in mehr als 60 Länder übertragen.

Radio Everyone ist zugleich Partner des Global Citizen Festivals. Auch hier hat Curtis seine Finger im Spiel – genauer gesagt fungiert er als Creative Director der Veranstaltung, bei der Künstler wie Pearl Jam, Beyoncé, Ed Sheeran und Coldplay live im New Yorker Central Park aufgetreten sind. Das musikalische Großereignis fand am 26. September statt und verfolgte ebenfalls das Ziel, die Weltbevölkerung auf möglichst laute Weise auf die Global Goals aufmerksam zu machen. Via Livestream auf Youtube.com/globalcitizen konnte jeder mit dabei sein.

Auf www.globalgoals.org sind noch zahlreiche weitere kulturelle, soziale und kommunikative Aktivitäten rund um die UN-Entwicklungsagenda aufgelistet. Das damit verbundene Ziel ist allerdings auch sehr ambitioniert: 7 Milliarden Menschen sollen binnen sieben Tagen über die Global Goals aufgeklärt, informiert und dazu mobilisiert werden, die Welt mit vereinten Kräften ein bisschen besser zu machen.

Update 1. Oktober: Die global tätige Mediaagentur Blue 449, die zum Zenith-Optimedia-Netzwerk gehört, kümmert sich um die TV-Schaltungen des Spots, der hierzulande unter anderem auf RTL, Vox und Super RTL zu sehen ist. Zur digitalen Verbreitung des Clips wurden außerdem Partnerschaften mit Ströer Digital, G+J, Spiegel QC, Google und Facebook eingefädelt. Die Plakate zum Kinospot sind weltweit auf 98.000 Flächen zu sehen. Ebenfalls involviert: Getty Images. Das Unternehmen stellt 17 ikonische Bilder zur Verfügung, die stellvertretend für die Global Goals stehen. Diese sind Bestandteil von 100.000 Plakaten, die weltweit an exponierten Orten wie Times Square und Piccadilly Circus zu sehen sind. bu

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