Ogilvy Beförderung oder Wegloben? Ulrich Tillmanns wird Chairman

Montag, 20. Januar 2014
Ulrich Tillmanns wird Chairman der deutschen Ogilvy-Gruppe (Foto: Agentur)
Ulrich Tillmanns wird Chairman der deutschen Ogilvy-Gruppe (Foto: Agentur)

Die deutsche Ogilvy-Gruppe hat einen neuen Chairman. Formaler Nachfolger des langjährigen Agenturchefs Lothar Leonhard ist seit Jahresbeginn Ulrich Tillmanns. Er stand bisher an der Spitze von Ogilvy & Mather Advertising in Düsseldorf. In seiner neuen Rolle soll sich der 57-Jährige um organisatorische und prozessuale Themen kümmern. "Ulrich Tillmanns bringt die notwendige Kompetenz mit, um die weitere Integration der operativen Units und Standorte und die damit verbundene Standardisierung voranzutreiben", begründet CEO Thomas Strerath die Berufung. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die Rolle des Chairman grundsätzlich "non-executive" ausgelegt ist. Im Klartext: Den operativ Verantwortlichen in der Gruppe und an den einzelnen Standorten hat der 58-Jährige nichts zu sagen. Zudem hat er weder Personal- noch Kundenverantwortung und führt kein Geschäft. Er berichtet an Strerath. Die Funktion ist also deutlich mehr nach innen gerichtet als die von Leonhard, der auch als Chairman noch lange Zeit beratend für Kunden tätig war und stärker in die Branche hineinwirkte, nicht zuletzt als GWA-Präsident.

Dem Eindruck, dass es sich um ein Wegloben auf einen Frühstücksdirektoren-Posten handelt, widerspricht Strerath jedoch energisch und betont, dass Tillmanns einzelne Projekte operativ leiten werde. Zudem soll der neue Chairman als strategischer Berater und Coach der Gruppenführung sowie als Partner aller Geschäftsführer der operativen Einheiten agieren. "Die zunehmende Komplexität unseres Geschäfts verlangt nach Vereinfachung ..., um der veränderten Nachfrage nach Geschwindigkeit und Integration Rechnung zu tragen. Eine geniale Herausforderung, auf die ich mich sehr freue, sagt Tillmanns.

Martin Alles wird Standortchef von Ogilvy in Düsseldorf (Foto: Agentur)
Martin Alles wird Standortchef von Ogilvy in Düsseldorf (Foto: Agentur)
Allein mit dem Reiz der Aufgabe ist die Personalie dennoch kaum zu erklären. Ein weiterer Grund dürfte sein, dass Ogilvy die Führung am Standort Düsseldorf neu aufstellen und verjüngen wollte. Mit Tom Schwarz wurde bereits vor zweieinhalb Jahren ein neuer Kreativchef berufen. Jetzt übernimmt mit Martin Alles auch auf Beratungsseite ein Manager, der stärker für die Neuausrichtung der Agentur und das Thema Kreation steht. Der 38-Jährige ist seit 2013 Geschäftsführer von Ogilvy One in Düsseldorf. Für die WPP-Tochter arbeitet er aber schon seit 1997. Damals startete er als Managing Director von Ogilvy & Mather in der Ukraine.

Der neue Chairman Tillmanns wiederum ist seit 1991 für die Agenturgruppe tätig. Davor lagen Stationen als PR-Offizier beim Militär und als PR- und Marketingmann in der Industrie. Tillmanns' Vertrag endet im Mai 2016 - wie bei WPP üblich mit Erreichen der Altersgrenze von 60 Jahren. Mit der jetzigen Berufung schlägt CEO Strerath gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Er verschafft sich Entlastung bei Themen, die nicht gerade zu seinen liebsten gehören dürften; er ermöglicht eine Neuaufstellung in Düsseldorf und - last but not least - er holt einen Vertreter dieses Standorts in eine übergeordnete Gruppenfunktion. mam
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