OMG-Chef Schulz über Google und Facebook "Die nehmen uns sehr ernst"

Donnerstag, 14. September 2017
Klaus-Peter Schulz fordert Google und Facebook zur Kooperation auf
Klaus-Peter Schulz fordert Google und Facebook zur Kooperation auf
© BEN SOWA
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Auf rund 4 Milliarden Euro schätzt die Organisation der Mediaagenturen (OMG) den Deutschlandumsatz von Google. Für Facebook veranschlagt die Media-Lobby rund eine Milliarde Euro. Verbandschef Klaus-Peter Schulz erklärt, was er sich von der Veröffentlichung erhofft – und warum er den Dialog mit den Digitalkonzernen intensivieren will.
 
Google und Facebook veröffentlichen keine Umsatzzahlen für den deutschen Markt. Jetzt übernimmt die OMG diese Aufgabe. Warum? Es handelt sich um eine Schätzung unserer Mitgliedsagenturen, die wir allerdings für sehr valide halten, sonst würden wir sie nicht veröffentlichen. Wir wollen deutlich machen, über welche Größenordnung wir mittlerweile reden, wenn es um Google und Facebook geht. Ihr Anteil ist größer als der gesamte TV-Markt.
Zudem fordern Sie mehr Transparenz und Kooperation von den beiden Riesen. Wie zuversichtlich sind Sie, dass Sie bei denen Gehör finden? Aus meinen Gesprächen mit den Mitgliedsagenturen weiß ich, dass sie sehr intensive und konstruktive Gespräche mit beiden Unternehmen führen. Ich persönlich habe auch den Eindruck, dass Google und Facebook gerade ernsthaft versuchen, den deutschen Markt so zu verstehen, wie er sich darstellt – nicht zuletzt, wie die Werbekunden und die Agenturen hier agieren. Das kennen sie aus anderen Märkten zum Teil nicht in dieser Form. Beide Akteure nehmen die Nachfrageseite inzwischen sehr ernst.

Klaus-Peter Schulz
Bild: Olaf Ballnus

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Dennoch wollen Sie die US-Konzerne noch enger in deutsche Gremienarbeit einbinden. Ist das realistisch? Ja. Manchmal hat deren Zögern ja nichts mit Ablehnung zu tun, sondern damit, dass es ihnen in den Joint Industry Committees zu langsam vorwärtsgeht – nicht zuletzt wegen Interessenkonflikten.

Was genau meinen Sie? Nun, wir waren nicht sehr glücklich mit dem Bashing aus Unterföhring (Sitz von Pro Sieben Sat 1, die Redaktion) Richtung Facebook. Die Gleichung Facebook = Fakebook ist nicht hilfreich. Methodische Kritik ist sicher berechtigt. Aber die kann und muss man auf der Sachebene vortragen. Es gibt viele Marken, die in der Kombination mit anderen Medien sehr erfolgreich mit Facebook zusammenarbeiten. Das Gleiche gilt für Google.

Allerdings deuten auch Sie an, dass es Budgetverschiebungen zulasten von Facebook und Google geben könnte. Das so pauschal zu behaupten, wäre leichtfertig. Dafür ist der Markt viel zu differenziert. Aber wir alle müssen besser nachweisen, wie Onlinewerbung wirkt. In Print hat man genau auf jede einzelne Platzierung geachtet: linke Seite, rechte Seite, erstes Drittel, letztes Drittel. Aber bei Online sollen Qualität und Umfeld keine Rolle spielen? Das kann doch nicht sein. Nach dem wilden Wachstum der vergangenen Jahre müssen wir den Markt weiter professionalisieren – gemeinsam.

Apropos Professionalisierung: Wie stehen Sie zu der Forderung der OWM, die Mediaagenturen mögen sich dem Code of Conduct Programmatic des BVDW anschließen? Der Code of Conduct des BVDW richtet sich primär an Vermarkter, nicht an Agenturen. Das Thema Transparenz bei Programmatic wird längst intensiv auf bilateraler Ebene zwischen Kunden und ihren jeweiligen Agenturen diskutiert und auch gelöst. Dort gehört die Diskussion auch hin, nicht auf die Verbandsebene. Insofern muss ich schon ein bisschen über die wiederkehrenden Forderungen der OWM schmunzeln. Die Geschäftsbeziehungen sind in der Realität doch schon sehr viel weiter als auf Verbandsebene.

Die OMG schätzt die Umsätze von Google und Facebook. Warum im Sinne der Transparenz nicht auch die von Agenturen? Es wäre durchaus interessant, abseits von Recma etwas auf die Beine zu stellen. Aber dieser Standard hat sich etabliert.
Interview: Mehrdad Amirkhizi
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