Nook-Names-Gründer Phil Meinwelt "Bei uns gibt es niemanden für zehn Euro pro Stunde"

Donnerstag, 27. August 2015
Phil Meinwelt und Nook Names wollen der Kreativprostitution ein Ende setzen
Phil Meinwelt und Nook Names wollen der Kreativprostitution ein Ende setzen
Foto: Nook Names
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Phil Meinwelt Freelancer Jonas Drechsel


Bislang hat das Freelancer-Netzwerk Nook Names eher im Hintergrund gearbeitet. Das ändert sich jetzt mit einem Crowdfunding-Projekt, mit dem die Initiative nicht weniger als die "Kreativprostitution" abschaffen will. HORIZONT Online sprach mit Gründer Phil Meinwelt über die Hintergründe, die Anfänge und Ziele von Nook Names und über die Bedeutung von gutem Networking für Selbstständige.
Mit welcher Motivation hast du Nook Names vor drei Jahren gegründet? Als ich damals als freier Werbefotograf von Österreich nach Berlin kam, hatte ich das Ziel, mich beruflich in der größten deutschen Stadt weiterzuentwickeln. Aber ich hatte ganz einfach das Problem, dass ich nicht in die Agenturen hineinkam, weil der Markt übersättigt war. Ich brauchte also einen Türöffner, um Menschen aus der Werbebranche kennenzulernen, mit denen ich zusammenarbeiten konnte. Also kam die Idee für ein Freelancer-Netzwerk aus Eigennutz? Tatsächlich dachte ich zu Beginn, dass nur ich als Neuankömmling Schwierigkeiten habe, in der Branche Kontakte zu knüpfen. Und deswegen war Nook Names zu Beginn als reines Online-Magazin auch etwas, von dem nur wir Gründer (neben Meinwelt noch Jonas Drechsel, Anm. d. Red.) profitierten, um schneller Kontakte zu den Agenturen zu knüpfen. Doch dann haben wir uns gefragt: Wie kann man etwas aufbauen, von dem auch andere Freelancer einen Nutzen haben?

„Unser Ziel war es, den Begriff Networking so mit Leben zu füllen, dass es auf einem Event egal ist, wen du kennenlernst - es bringt dich immer weiter und sorgt für einen Wow-Effekt.“
Phil Meinwelt
Nämlich? Uns war klar, dass wir eine Eventreihe auf die Beine stellen wollten, zu der nur gute Leute kommen sollten. Unser Ziel war es, den Begriff Networking so mit Leben zu füllen, dass es auf einem Event egal ist, wen du kennenlernst - es bringt dich immer weiter und sorgt für einen Wow-Effekt. Bei einem Xing-Event hat man am Ende meistens das Gefühl, dass man sich es hätte sparen können. Genau das wollten wir mit unseren Treffen ändern.
Phil Meinwelt gründete Nook Names vor drei Jahren
Phil Meinwelt gründete Nook Names vor drei Jahren (Bild: Nook Names)
Und wie stellt ihr sicher, dass ihr wirklich nur "gute Leute" in eurem Pool und auf euren Veranstaltungen habt? Wir haben ein Bewerbungsverfahren entwickelt, bei dem Freelancer zahlreiche Angaben zu ihrer beruflichen Persönlichkeit, Erfahrung und ihren Skills machen müssen. Zu viert werten wir die Bewerbungen dann aus. Mittlerweile haben wir so einen Pool von 600 selbstständigen Kreativen aufgebaut, die wir Auftraggebern weiterempfehlen können.

Ihr richtet euch gezielt gegen das Problem der "Kreativprostitution". Was sind die Kernprobleme, denen sich Freelancer in diesem Bereich ausgesetzt sehen? Das Hauptproblem, das wir identifiziert haben, ist das, das ich zu Beginn auch hatte: Vielen guten Freelancern fehlt der Kontakt zu den Agenturen und sie kommen nicht dazu, ihr Können zu präsentieren. Man landet immer nur im Pool. Wir wollen aber nicht baden. Wir wollen den talentierten Leuten die Türen öffnen. Wenn Agenturentscheider wissen, dass es in unserem Netzwerk gute Kreative gibt, dann werden sie dort auch nach dem jeweils passenden Freelancer Ausschau halten – ganz einfach, weil es dort schneller geht und er die persönlichen Vorzüge auf einen Blick vor sich hat. Umgekehrt soll auch jeder Freelancer wissen, was er in unserem Netzwerk bekommt. Bei uns gibt es niemanden für zehn Euro pro Stunde. Das ist uns ganz wichtig.

„Vielen guten Freelancern fehlt der Kontakt zu den Agenturen und sie kommen nicht dazu, ihr Können zu präsentieren. Man landet immer nur im Pool. Wir wollen aber nicht baden. Wir wollen den talentierten Leuten die Türen öffnen.“
Phil Meinwelt
Mittlerweile habt ihr eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Zu welchem Zweck? Wir haben Nook Names jetzt drei Jahre aus reiner Leidenschaft gemacht. Dabei haben wir festgestellt, dass wir selbst immer weniger als Selbstständige arbeiten, mit Nook Names aber noch kein Geld verdienen. Damit wir weitermachen können, wollen wir unsere Events ausweiten und vor allem das „Agency Event“ in die Tat umsetzen, bei dem 20 Partneragenturen dabei sein sollen, um sich mit unseren Freelancern zu vernetzen. Dabei geht es uns besonders darum, dass sich beide Parteien auf Augenhöhe begegnen.
Und welche Ziele habt ihr abseits der Events? Der zweite wichtige Punkt ist der Relaunch unserer Website, auf den wir aktuell hinarbeiten. Auf unserer neuen Seite können wir den Selbstständigen ermöglichen, sich selbst zu listen, eigene Arbeiten hochzuladen und ihr Können zu präsentieren. Die Auftraggeber und Agenturen können dann auf die Daten zugreifen oder uns konkrete Anfragen stellen. Wir arbeiten auf das perfekte Match hin! Du bist selbst Freelancer. Wieso hast du diesen Weg für dich gewählt – und bist du zufrieden damit? Ich bin selbstständig seit ich 19 bin und kenne es gar nicht anders. Ich habe alle Hochs und Tiefs durchgemacht und kenne den Punkt, an dem man kurz vorm Verzweifeln steht. Aber wenn man seine Karriere wirklich durchziehen will und Qualität hat, dann kommt der Kundenstamm und mit ihm der Erfolg Schritt für Schritt.

Und ein Angestelltenjob ist keine Option? Ich kann es mir nicht vorstellen. Dafür schätze ich meine Freiheit viel zu sehr. Ich liebe es, selbst einzuplanen, welche Projekte ich mache. Nook Names zum Beispiel hätte ich neben einem festen Job nie auf die Beine stellen können.

Interview: Tim Theobald
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