Niels Alzen über Werbung zum Muttertag "Gesellschaftliche Haltung zeigen"

Mittwoch, 04. Mai 2016
Niels Alzen ist Kreativvorstand bei Scholz & Friends
Niels Alzen ist Kreativvorstand bei Scholz & Friends
Foto: Holde Schneider

Aus kreativer Sicht ist der Muttertag ein willkommener Anlass, große Emotionen zu zeigen. Nachdem bereits an Weihnachten zahlreiche gefühlsduselige Spots im Werbeblock und in den sozialen Medien zu sehen waren, geht es nun mit diesem Trend weiter. HORIZONT hat mit Niels Alzen, Kreativvorstand bei Scholz & Friends und Macher des Opel-Werbefilms "#Herzsprung", über Werbung zu Muttertag gesprochen.
Wird Muttertag zum neuen Weihnachten in der Werbung? Ich glaube, heute beschäftigen sich immer mehr Unternehmen und Agenturen mit Ideen, die eine gesellschaftliche Haltung zeigen und mit emotionalem Storytelling auf das Markenkonto einzahlen. Da ist Muttertag einfach ein großer gemeinsamer Anlass. Bis zum Tag der Deutschen Einheit kommt dann ja erst mal nichts mehr im Kalender.
Scholz & Friends hat für Opel zu Muttertag den Film "#Herzsprung" entwickelt
Scholz & Friends hat für Opel zu Muttertag den Film "#Herzsprung" entwickelt (Bild: Opel)
Welche Rolle sollte emotionales Storytelling jenseits solcher Anlässe in der Werbung spielen? Grundsätzlich gilt: Marken, die erfolgreich ein Thema besetzen, das größer ist als sie selbst, stechen in der Kommunikationslandschaft hervor. Und welches kraftvollere Werkzeug als Storytelling steht der Werbung dafür zur Verfügung? Solche Geschichten können emotional sein, humorvoll oder spannend. Aber niemals banal oder plump. "You don't instruct people to do something - you inspire them", sagt in diesem Zusammenhang John Hegarty.

Wie stark ist Ihr Opel-Muttertagsfilm von "#Heimkommen" (Edeka) inspiriert? Sie haben die gleichen Vorfahren: Wenn es um die Genealogie emotionaler Geschichten geht, die sich medial und viral verbreiten, stehen wir alle auf den Schultern der brillanten Filme für das britische Kaufhaus John Lewis.

Macher und Hauptdarstellerin: Christoph Köhler (l.), Vivien Bridson und Niels Alzen
Macher und Hauptdarstellerin: Christoph Köhler (l.), Vivien Bridson und Niels Alzen (Bild: Scholz & Friends)
Wie schwer war es, Opel von einem Zweiminuten-Film zu überzeugen, in dem Autos eigentlich keine Rolle spielen? Tina Müller hat Mut und ein sehr gutes Bauchgefühl. Wir waren gebrieft, einen Film für Muttertag zu entwickeln, und als wir das Script für "#Herzsprung" präsentierten, war der Film in der gleichen Sekunde verkauft. Dass es in der Geschichte nicht um ein Fahrzeugmodell, sondern um eine Haltung geht, davon musste man nach "Umparken im Kopf" bei Opel niemanden mehr überzeugen.

Anhand welcher Kriterien bewerten Sie den Erfolg eines solchen Films – Youtube-Klicks? Vor allem bin ich sehr froh, dass es ein Film geworden ist, der viele Menschen zu Tränen rührt und hoffentlich auch inspiriert. Das halte ich für einen besonderen Erfolg. Und natürlich geht es uns darum, dass möglichst viele Menschen dieses - vor einigen Jahren noch unvorstellbare - inspirierende Bild von Opel zu sehen bekommen. Youtube- und Facebook-Klicks sind dabei ein Teil der Erfolgsmessung, aber auch die Resonanz in den Medien ist ein wichtiger Gradmesser.

Exklusiv für Abonnenten

Mehr zum Thema lesen HORIZONT-Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 18/2016 vom 4. Mai, die auch auf  Tablets oder - nach einmaliger Registrierung - als E-Paper gelesen werden kann. Nicht-Abonnenten können hier ein HORIZONT-Abo abschließen.

Sie haben bei der Entwicklung eng mit Christoph Köhler zusammengearbeitet. Ist es üblich, dass der Filmchef nicht nur bei der Umsetzung, sondern auch in die Ideenfindung eingebunden wird? In einer kreativen Agentur sollte jeder eingeladen sein, Ideen zu haben. Nicht zuletzt um dieses horizontale Denken zu fördern, haben wir bei Scholz & Friends letztes Jahr das standort- und disziplinübergreifende Partnersystem eingeführt. Anstatt über Siloauflösung zu reden, setzen wir uns gemeinsam hin und machen es. Mit Erfolg: Den Film "#Herzsprung" gäbe es ohne Christoph nicht.

Sie selbst haben nach dem großen Erfolg mit "Umparken im Kopf" nicht mehr für Opel gearbeitet. Warum erst jetzt das Comeback? Es war schon immer Teil unseres Spielsystems, dass für Opel in unterschiedlichen Phasen unterschiedliche kreative Köpfe für Abwechslung und immer wieder neue Impulse sorgen. Ich freue mich sehr, in dieser Phase wieder Vollgas für Opel zu geben. Wir haben uns noch viel vorgenommen. mam/bu

Meist gelesen
stats