Neustart Wulf-Peter Kemper meldet sich als Berater zurück

Freitag, 13. Juni 2014
Wulf-Peter Kemper (Foto: Gerhard Kühne)
Wulf-Peter Kemper (Foto: Gerhard Kühne)

Wulf-Peter Kemper, bis Herbst vorigen Jahres Geschäftsführer bei der Hamburger Agentur Thjnk, startet eine Beratungsfirma. Mit dem Angebot WPK Consulting will er Agenturen und werbungtreibende Unternehmen dabei unterstützen, sich zeitgemäß aufzustellen. Parallel hat der 48-Jährige das Start-up "Content of Dreams" im Silicon Valley gegründet. Dort wird ein digitales Produkt im Bereich Entertainment entwickelt. Im Interview mit HORIZONT erläutert Kemper, jüngerer Bruder des Kreativen André Kemper, sein Angebot und seine Sicht auf die Branche.

"Die Idee wird zum Hygienefaktor"

Die nächste Beratungsfirma eines Ex-Agenturmanagers - mit Verlaub, das klingt nicht sonderlich originell.
Ich bin kein klassischer Berater. Ich bin Spielertrainer - Trainer und gleichzeitig aktiver Spieler im Team, hemdsärmelig und pragmatisch. Veränderung durch Praxis, nicht Theorie. Unsere Branche steht vor einer Wegkreuzung. Etablierte Agenturmodelle stehen vor ihrer Überholung. An der Modellpflege mitzuwirken, macht mir Freude.

Glaubt man den Agenturen, laufen die Geschäfte doch recht gut. Warum meinen Sie dennoch, dass die etablierten Modelle am Ende sind?
Weil die Veränderungen fundamental sind. Das Arbeiten in Silos wird von kollaborativen Strukturen abgelöst. Und wir entwickeln uns von einer ideenfokussierten zu einer realisationsgeprägten Branche. Nicht, weil es schick ist, sondern weil es handfeste Gründe dafür gibt.

Zum Beispiel?
Die Auftraggeber honorieren nicht mehr den Wert einer Idee, sondern nur noch die Zeit, die man für sie aufgewendet hat. Heute werden Agenturen meist nach Stundensätzen bezahlt - wie Handwerker. Das Copyright-Modell, mit dem sich Agenturen in den 80er und 90er Jahren eine goldene Nase verdient haben, ist tot.

Was glauben Sie: Warum werden Ideen heute nicht mehr richtig gewürdigt?
Zum einen, weil man lieber auf Gewohntes und weniger auf das Potenzial einer neuen Idee setzt. Zum anderen, weil die Realisation immer mehr an Bedeutung gewinnt. Durch die unendlichen Möglichkeiten der Digitalisierung beansprucht die Realisation mehr Zeit, mehr Budget und mehr Kompetenz. Da liegt die große Chance für die Agenturen, sich zu profilieren. Statt Goldideen-Runden besser die Extra-Meile bei der Realisation.

Ein Abgesang auf die Idee, die eigentliche Kernkompetenz von Kreativen?
Nein, keineswegs. Die Idee ist und bleibt das Grundkapital einer Agentur. Aber sie wird mehr und mehr zu einem Hygienefaktor. Den Unterschied macht die perfekte Realisierung. Edekas Supergeil ist ein gutes Beispiel. Brillant wird die Arbeit durch die Umsetzung. Es gibt mehr Kreative, die solche Ideen gebären, als Kreative, die diese so exzellent realisieren können. Nicht ohne Grund sagt der ADC New York, dass wir die handwerkliche Exzellenz wieder mehr würdigen müssen.

Ich drehe den Spieß mal um: Manchmal wird mit opulenter und sehr teurer Realisierung kaschiert, dass die Kreativen eigentlich keine Idee hatten.
Natürlich hilft auch die beste Umsetzung nichts, wenn die Idee Mist ist. Trotzdem müssen wir uns von der Fixierung auf Ideen lösen und mehr Wert auf die Qualität der Produktion legen. Das wird spielentscheidend. Ein Architekt darf nicht nur gute Ideen haben; er muss sich auch auf der Baustelle sehen lassen. Werber müssen heute mehr denn je Architekt und Handwerker in einer Person sein. mam

Das vollständige Interview lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 24/2014 vom 12. Juni
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