Netzpolitik.org-Affäre Cannes-Gewinner von Protonet und Kolle Rebbe gewinnt neue Aktualität

Mittwoch, 05. August 2015
Das Video schließt mit einer Solidaritätsadresse an Netzpolitik.org
Das Video schließt mit einer Solidaritätsadresse an Netzpolitik.org
Foto: Screenshot Youtube / Protonet

Die Ermittlungen gegen die Blogger von Netzpolitik.org haben gezeigt, dass Sicherheit im Netz, Informationsfreiheit und Quellenschutz auch in einer Demokratie wie Deutschland hochsensible Themen sind. Der Server-Hersteller Protonet und Kolle Rebbe haben zu der Thematik bereits vor einiger Zeit einen awardgekrönten Film entwickelt, der vor dem Hintergrund der Netzpolitik.org-Affäre neue Aktualität gewinnt.
Das von Tempomedia produzierte Video mit dem Titel "How China are you" zeigt eine Gruppe chinesischer Blogger bei ihrer Arbeit. Eine von ihnen berichtet davon, wie schwer es sei, dabei unentdeckt zu bleiben. "Fakt ist: Wir leben in einem Land, in dem keiner von uns sicher ist", sagt sie. Eine überraschende Wendung bekommt der Film dadurch, dass die junge Frau ganz offensichtlich von Deutschland gesprochen hat - denn am Schluss des 90-Sekünders geht die Erzählerin aus dem Bild und der Reichstag rückt ins Blickfeld des Zuschauers. Für die Kampagne wurden Protonet und Kolle Rebbe bei den diesjährigen Cannes Lions mit einem silbernen Löwen in der Königskategorie Film ausgezeichnet.
Nun bekommt das Thema neue Aktualität: Die Betreiber von Netzpolitik.org gerieten ins Visier der Bundesanwaltschaft, weil sie vetrauliche Dokumente des Verfassungsschutzes veröffentlicht hatten, die eine Ausweitung der Internetüberwachung in Deutschland nahelegten. Die Veröffentlichungen zum Thema beruhten auf Informationen vertraulicher Quellen. Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft wegen des Verdachts auf Landesverrat betrachtete Netzpolitik.org-Gründer Markus Beckedahl als Einschüchterungsversuch und offenen Angriff auf die Pressefreiheit. Beckedahl und Autor Andre Meister erfuhren in der Folge große Solidarität von Kollegen, Politikern und aus der Bevölkerung. So sammelten sie in den ersten Tagen der Affäre 50.000 Euro Spendengelder ein. Und nun musste auch Bundesanwalt Harald Range seinen Hut nehmen, nachdem sich Bundesjustizminister Heiko Maaß von den Ermittlungen gegen Netzpolitik.org distanziert hatte.
Netzpolitik.org
Bild: netzpolitik.org

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Für die Protonet-Macher belegt die Affäre, dass Netzsicherheit in Deutschland zu den drängendsten Themen gehören. "Unsere digitale Zukunft braucht Transparenz, keine Vorratsdatenspeicherung; und Blogger, Verbände, Organisationen und Unternehmen, die gemeinsam und energischer als bisher dieses Ziel verfolgen. Was wir in Deutschland an demokratisch-freiheitlichen Strukturen haben, gilt es zu bewahren und zu stärken. Das geht nur mit Transparenz", sagt Gründer Ali Jelveh.

Deshalb will Protonet, das im Frühjahr bereits die Datenschutz-Kampagne "Free your Data" gestartet hat, Beckedahl und seinem Team auch zur Seite springen - und hat "How China are you" flugs aktualisiert. "Mit solidarischen Grüßen an Netzpolitik.org", heißt es unter dem Youtube-Video, das am 31. Juli erneut ins Netz gestellt wurde - seither allerdings nur knapp 10.000 Zugriffe erzielt hat. Das könnte sich jedoch bald ändern: Zahlreichen Medien erwähnen den Clip derzeit im Zuge der Berichterstattung über die Landesverrats-Affäre. ire
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