Networks Publicis Pixelpark Frankfurt schlüpft unter das Dach von Leo Burnett

Donnerstag, 07. September 2017
Andrea Albrecht und Andreas Pauli übernehmen die Führung der zusammengelegten Agentur
Andrea Albrecht und Andreas Pauli übernehmen die Führung der zusammengelegten Agentur
© Leo Burnett

Die Agenturgruppe Publicis Communications legt ihre Werbeagenturen am Standort Frankfurt zusammen. Konkret heißt das, dass Publicis Pixelpark bei Leo Burnett andockt. Die Gesamtverantwortung übernehmen die Chefs von Leo Burnett Andrea Albrecht (CEO) und Andreas Pauli (CCO). Durch den Merger entsteht ein Dienstleister mit rund 300 Mitarbeitern. 80 davon kommen nach Unternehmensangaben von Publicis Pixelpark.

Auch nach der Zusammenlegung sollen beide Marken erhalten bleiben. Ob das dauerhaft gilt, muss man allerdings abwarten. Formal handelt es sich um die Gründung eines Gemeinschaftsbetriebs, de facto aber um die Übernahme von Publicis Pixelpark Frankfurt durch Leo Burnett. Die bisherige Chefin des Publicis-Büros Ute Poprawe wird den Übergang begleiten und anschließend eine neue Aufgabe auf Gruppenebene erhalten. Kreativchef Steffen Bärenfänger hat die Agentur bereits verlassen, Strategiechefin Anna Höhn bleibt an Bord.


Die Verantwortlichen betonen, dass es sich nicht um einen Schritt aus der Not handelt (siehe Interview unten) – auch wenn es kein Geheimnis ist, dass Publicis Pixelpark in Frankfurt schon bessere Zeiten gesehen hat. "Mit der Zusammenlegung stärken wir einerseits unser Profil als Leadagentur für die Kommunikation deutscher und internationaler Unternehmen und Marken. Zugleich ermöglichen wir es den globalen Kunden von Publicis Pixelpark, in Frankfurt auf die gesamte Bandbreite kreativer Leistungen zuzugreifen", sagt Leo-Burnett-Chefin Albrecht. Demnach folgt der Schritt der internationalen Strategie der Holding, Strukturen zu vereinfachen und Kräfte zu bündeln ("Power of One").

Mit der Integration sollen vor allem die Strategiekompetenz und das Know-how bei der Betreuung internationaler FMCG-Kunden ausgebaut werden. Hier hat das Frankfurter Büro Publicis traditionell seine Stärken. Bei dem wichtigsten Kunden Maggi (Nestlé) hat bereits ein Team unter Leitung eines Leo-Burnett-CDs die kreative Federführung übernommen. Dass die Marke Publicis Pixelpark in Frankfurt vorerst erhalten bleibt, ist wohl ohnehin eher internationalen Befindlichkeiten als zwingender Sachlogik geschuldet. Immerhin ist Publicis weltweiter Agenturpartner von Nestlé. Für die Verantwortlichen spielt dieses Thema angeblich sowieso keine große Rolle. "Den Kunden ist es heute nicht so wichtig, von welcher Marke sie betreut werden. Entscheidend sind die Qualität der Betreuung und des Produkts, feste Teams und zuverlässige Ansprechpartner", sagt CCO Pauli.

Publicis Frankfurt war 1959 als Ableger der französischen Agenturgruppe gegründet worden. Der Standort fungierte viele Jahre als Deutschlandzentrale des Networks. In besten Zeiten beschäftigt die Agentur mehr als 300 Mitarbeiter am Main. Im vorigen Jahr hatte sich die Schwesteragentur Saatchi & Saatchi aus Frankfurt zurückgezogen und ihr Geschäft in Düsseldorf und Berlin gebündelt. mam

"Es handelt sich nicht um eine Restrukturierung"

Horst Wagner, Chef von Publicis Communications in Deutschland, über die Zusammenlegung von Publicis Pixelpark Frankfurt und Leo Burnett.

Gruppenchef Horst Wagner erklärt den Merger
Gruppenchef Horst Wagner erklärt den Merger (Bild: Publicis)
Warum führen Sie Leo Burnett und Publicis Pixelpark in Frankfurt zusammen? In großen Märkten sollten die Marken doch bestehen bleiben. Tun sie ja auch. Aber als Publicis Communications wollen wir unseren Kunden Zugang zu den besten Leistungen unserer besten Teams ermöglichen – über die Grenzen von Agenturmarken hinweg. Dafür ist es wichtig, die Stärken der Agenturen deutlich zu konturieren und die Angebotsstrukturen zu vereinfachen.

Dafür hätten Sie aber auch ein anderes Modell wählen können. Leo Burnett steht für kreative Kommunikation für große Marken, da war es nur konsequent, die benachbarte und ebenfalls in diesem Feld operierende Publicis Pixelpark Frankfurt operativ mit ihr zusammenzuführen und so eine schlagkräftige Einheit zu schaffen.

Dass Publicis Frankfurt nicht so toll dasteht, hat nichts mit der Sache zu tun? Um es ganz deutlich zu sagen: Es handelt sich nicht um eine Restrukturierungsmaßnahme. Dann hätten wir das anders aufgesetzt. Man wird nicht dadurch besser, dass man eine schwächelnde Einheit mit einer gesunden fusioniert. Generell wären wir uns nicht zu schade, eine Marke aufzugeben, wenn es nötig wäre. Das ist hier jedoch nicht der Fall. Aber natürlich wäre es albern, zu leugnen, dass wir auch darauf geachtet haben, wo sich Abläufe und Prozesse optimieren lassen.

Ist die Idee für die Zusammenlegung hier entstanden oder war das eine internationale Vorgabe? Wir gehören zu den vier größten Märkten für Publicis und können recht autark agieren. Beide Agenturen hätten auch gut weiter nebeneinander laufen können. Aber wir haben im Country Leadership Team gemeinsam überlegt, was das Beste für unser Geschäft in der Gruppe ist. Daraus entwickeln sich dann solche Maßnahmen.

Und wie findet die internationale Führung den Schritt? Die finden den prima, weil er auf das Modell "Power of One" einzahlt. Es ist eine deutsche Tugend, dass – wenn erst einmal eine Losung ausgegeben ist – wir besonders gut darin sind, sie schnell und effektiv operativ umzusetzen (lacht).
Interview: Mehrdad Amirkhizi

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