"Nehmt uns ernst" Werbeliebe nimmt die Agenturen in die Pflicht

Freitag, 15. November 2013
So beginnt der offene Brief der Werbeliebe an die Agenturen (Bild: Screenshot)
So beginnt der offene Brief der Werbeliebe an die Agenturen (Bild: Screenshot)


Hitzig wurde beim GWA-Roundtable zum Thema "Nachwuchs für Kommunikationsagenturen" diskutiert. Die drei anwesenden Vertreter der studentischen Kommunikationagentur Werbeliebe warfen dabei ihrer Branche vor, sich nicht angemessen um die Nachwuchsproblematik zu kümmern und forderten mehr Wertschätzung für Jungwerber. Ergebnis der Diskussion damals: Die Vertreter der Werbeliebe sollten formulieren, was sie sich unter Wertschätzung genau vorstellen. Dieser Aufgabe sind sie nachgekommen - und haben ihre Gedanken in einem Brief formuliert, der HORIZONT.NET vorliegt. Hier das Dokument in voller Länge:

Lieber GWA, liebe Agenturen, lieber ADC,

Ihr habt uns nach unserem Gespräch beim Roundtable in Frankfurt eine Hausaufgabe mit auf den Weg gegeben. Wir sollten genau definieren, wie wir uns die gewünschte Wertschätzung gegenüber Berufseinsteigern vorstellen.

Gerne haben wir uns dieser Aufgabe gestellt und zusammen überlegt, was Wertschätzung für uns ausmacht. Wir haben versucht, diesen weitgreifenden Begriff auf einige Kernaspekte zu begrenzen:

Wertschätzung bedeutet für uns, dass man sich auf einer Ebene trifft, bewusst und respektvoll mit den Argumenten des Gegenübers auseinandersetzt, diese selbstkritisch reflektiert und einander zuhört. Bei aller Werbeliebe, das fühlen wir nicht.

Agenturvertreter nehmen die Nachwuchsproblematik nicht ernst genug.

Wertschätzung beginnt damit, den Gesprächspartner ernst zu nehmen. Im Rückblick auf den gemeinsamen Roundtable haben wir Zweifel daran, dass diese Voraussetzung ausreichend erfüllt wird.

Diskussion auf Augenhöhe? Ausweichen und abwehren.

Nachdem wir den Agenturvertretern dargelegt haben, worin unserer Meinung nach die Ursachen für die Nachwuchsproblematik liegen, haben diese ausweichend und abwehrend reagiert, statt konstruktiv mit uns zu diskutieren. Unser Hinweis auf die bestehende Diskrepanz zwischen geforderter Arbeitsleistung und geleisteter Entlohnung wurde mit einem Verweis auf andere Branchen abgetan, in denen ebenso niedrige Gehälter bei gleichzeitig hohem Überstundenpensum üblich seien.

Kreativ-Innovative Arbeitsumfelder bieten längst nicht mehr nur Agenturen. Diese wollen das aber nicht hören.

Die Vertreter der Hochschulen haben angeführt, dass heute eine Vielzahl von Branchen spannende, kreative und innovative Inhalte bieten. Auch hierauf konnten die Agenturvertreter lediglich abwehrend reagieren. Die Interessen der Hochschulen bestünden doch in erster Linie in der Vermarktung der eigenen Studiengänge. Eine kritische Auseinandersetzung mit einem schlagenden Argument sieht in unseren Augen anders aus.

Der dringliche Wunsch nach einer Auseinandersetzung mit der Problematik wird nicht anerkannt. Stattdessen fordern Agenturvertreter mehr Berichte über die Freude bei der Arbeit.


Auch der Hinweis der Fachmedien, dass Beiträge über Einstiegs- und Arbeitsbedingungen online besonders intensiv und kritisch diskutiert werden, konnte die Agenturvertreter nicht von der Dringlichkeit einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der Nachwuchsproblematik überzeugen. Die Medien sollen doch bitte aufhören, über einzelne Negativbeispiele zu berichten und stattdessen vermehrt über die Freude schreiben, die eine Anstellung in der Kommunikationsbranche mit sich bringt. Abermals beschleicht uns das Gefühl, dass so keine Diskussion auf Augenhöhe möglich ist.

Agenturvertreter, bitte hört euren Partnern endlich aufmerksam zu!

Anstatt ihnen zu sagen, was sie über die Nachwuchsproblematik zu denken haben. Nicht nur wir als Nachwuchs haben wichtige Argumente eingebracht, ebenso die Vertreter der Hochschulen und Fachmedien. Wirklich Gehör gefunden haben diese nicht.

Agenturen haben ihre Stärken, müssen sich aber auch die Schwächen eingestehen.

Agenturvertreter, seid euch eurer Stärken bewusst. Aber eurer Schwächen ebenso. Zeigt Bereitschaft ernsthafte Änderungen vorzunehmen, anstatt der Debatte aus dem Weg zu gehen und sie klein zu reden.

Agenturen sollen an ihren Schwächen arbeiten, statt den Fachmedien schlechte Presse vorzuwerfen.

Ernsthafte und spürbare Anstrengungen zur Verbesserung der Nachwuchsproblematik würden von sich aus zu mehr guter Presse führen. Nur dadurch können Agenturen endlich aus der medialen Defensive treten.

Agenturen sollten sich an Hochschulen engagieren, statt diesen mangelhafte Ausbildung und Eigeninteresse vorzuwerfen.

Einige Unternehmen gehen bereits mit gutem Beispiel voran und erarbeiten gemeinsam mit den Hochschulen neue Ansätze. Das bringt alle Beteiligten weiter, statt sich gegenseitig Vorwürfe zu machen.

Agenturen sollen den Nachwuchs und seine Anliegen ernst nehmen, statt diesem überzogene Forderungen vorzuwerfen.

Rahmenbedingungen, Ansprüche und Perspektiven ändern sich, Agenturen sollten versuchen das zu akzeptieren. Wir fordern die Agenturen gleichermaßen, wie wir gewillt sind von den Agenturen gefordert zu werden. Nehmt uns und unser Anliegen ernst.

Agenturen sollen jetzt damit beginnen, etwas zu ändern.

Wir haben nun öffentlich auf Missstände und mögliche Ursachen hingewiesen, unsere Position erläutert und Hausaufgaben gemacht. Nun sind die Agenturen und GWA an der Reihe, konstruktive und ernsthafte Ansätze zu entwickeln, um der Nachwuchsproblematik zu begegnen.

Hiernach stehen wir weiterhin gerne als Diskussionspartner zur Verfügung.

Liebe Grüße, eure Werbeliebe.

(Hervorhebungen im Original)
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