"Dear Brother" & "ABC of Death" Shootingstar Dorian Lebherz "Wir warten noch auf den Anruf von Volvo"

Freitag, 14. Juli 2017
Dorian Lebherz: "Daniel und ich treten immer gemeinsam auf"
Dorian Lebherz: "Daniel und ich treten immer gemeinsam auf"
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Dorian Lebherz ADC Storytelling Werbebranche Volvo


Wie fühlt es sich an, wenn die eigenen Projekte bereits während des Studiums Branchen-Awards abräumen? Diese Frage kann Dorian Lebherz beantworten. Der 29-Jährige produzierte während seines Werberegie-Studiums zusammen mit seinem Partner Daniel Titz (26) als Duo Dorian & Daniel zwei Spec-Spots, die in der Branche für Aufruhr sorgten und unter anderem beim ADC Preise kassierten. Im Interview mit HORIZONT Online spricht Lebherz über die Auswirkungen des Erfolgs, die aktuellen Pläne des Duos und seine Träume.
Dorian, euer Spec-Spot "Dear Brother" wurde überraschend zum Viralhit und mehrfach ausgezeichnet. Das ist jetzt eineinhalb Jahre her – was hat sich für euch geändert? Wir merken vor allem, dass wir durch die Bekanntheit des Films enorm viel Aufmerksamkeit bekommen haben. Dass wir wahrgenommen werden mit dem, was wir tun. Wir haben schon vorher Filme gemacht und an der Art, wie wir Filme machen, hat sich gar nichts geändert. Aber für Kunden und Agenturen spielt Vertrauen eine große Rolle. Und das Vertrauen in uns und unsere Arbeit hat zugenommen. Das kommt uns jetzt zugute. Im Grunde genommen war "Dear Brother" für uns der perfekte erste Schritt in die Richtung, in die wir gehen wollen. Dann fällt euer "Dear Brother"-Fazit ausschließlich positiv aus? Nunja, wir haben uns damals schon gefragt, ob es für uns ein bisschen zu früh war. Wir haben einige Anfragen bekommen, die wir zum Großteil abgelehnt haben - weil wir erst unser Studium beenden wollten. Denn wir möchten nicht nur an einem einzigen Film gemessen werden, sondern in vielerlei Hinsicht zeigen, was wir können. Im Studium hatten wir die Chance, uns ausprobieren. Nach "Dear Brother" haben wir mit "ABC of Death" zum Beispiel etwas Humorvolles gemacht. Und auch in unseren Diplom-Filmen haben wir Neues ausprobiert. Da sind wir gerade in den letzten Zügen.

Haben euch viele Anfragen erreicht? Vor "Dear Brother" hatten wir keine Anfragen, danach schon. Ob es viele sind, ist aber schwer zu sagen: Die ein oder andere war dabei.Ich glaube, dass bei vielen Auftraggebern trotzdem noch Unsicherheit da ist, da wir noch nicht so lange dabei sind.
Dorian Lebherz und Daniel Titz treten gerne inkognito an die Öffentlichkeit
Dorian Lebherz und Daniel Titz treten gerne inkognito an die Öffentlichkeit (Bild: Lebherz/Titz)
Ihr merkt also trotz des Erfolges und der Awards, dass die Agenturen und Unternehmen noch vorsichtig sind? Ja. Aber immer wenn wir jemanden persönlich treffen oder einen neuen Film herausbringen merken wir schon, dass uns mehr Vertrauen entgegengebracht wird. Aber trotzdem kommen wir an die größeren Projekte noch schwer dran. Ich kann das auch teilweise nachvollziehen. Wieso sollte man uns nehmen, wenn man die Möglichkeit hat, einen etablierten Regisseur zu engagieren? Aber zum Glück gibt es ja auch mutige Unternehmen. Vor zwei Wochen haben wir zum Beispiel ein relativ großes Projekt gemacht. Bei dem Kunden hätte ich selber nicht erwartet, dass er uns nimmt.

Welcher Kunde war das denn? Das darf ich leider nicht verraten. Aber dass wir zum Zuge kamen hat sicher auch damit zu tun, dass wir anders an ein Projekt herangehen als jemand, der schon seit Jahrzehnten Filme macht. Frischer und mit einem anderen Blickwinkel.

Wie war das, als "Dear Brother" durch die Decke ging - konntet ihr da noch "typische Studenten" sein, die feiern und auch mal eine Vorlesung auf dem Sofa verbringen? Nee, das war aber davor auch nie so. Die Filmakademie ist in Ludwigsburg und da gibt es relativ wenig, was man in der Freizeit unternehmen kann. Das ist zwar schade, aber gleichzeitig effektiv. Weil man sich auf das fokussiert, was man tut. Wenn wir abends etwas unternommen haben, habe ich mich mit Daniel und den anderen Leuten aus dem Studium getroffen. Da haben wir uns ganz automatisch immer mit dem Film beschäftigt, aber sehr viel dabei gelernt, was wir für unsere Arbeit nutzen können.
Dorian Lebherz und Daniel Titz
Dorian Lebherz und Daniel Titz (Bild: privat)
Wie kamst du überhaupt dazu, Werberegie zu studieren? An der Filmakademie zu studieren, war schon lange mein Wunsch. Ich habe damals nur 30 Kilometer von Ludwigsburg entfernt gewohnt und kannte die Akademie. Auf den Studiengang habe ich ein Auge geworfen, weil ich jemanden kannte, der schon dort studiert hat - der war für mich wie ein Mentor. An sich ist die Idee, Werbung zu studieren, ja eher ungewöhnlich. Ganz früher habe ich wie die meisten Jugendlichen damit angefangen, Mini-Filme zu machen. Dann ist mir ziemlich schnell klar geworden, dass ich Werbung besonders cool finde. Mir gefällt das Abwechslungsreiche, die Kürze und gleichzeitig das Perfektionistische an Spots.

Während des Studiums habt ihr mit einem weiteren Spec-Spot abgeräumt. Was bedeutet euch "ABC of Death" und wie kam das Projekt zustande? Wir wollten unbedingt etwas machen, das Aufmerksamkeit erregt und was bei Festivals gut ankommt. Deswegen haben wir uns informiert und gesehen, dass Spots, die lustig, kurz und gleichzeitig provokativ sind, oft Preise gewinnen. Diese Eigenschaften wollten wir miteinander verbinden. Wir haben uns dabei von dem Buch "The Gashlycrumb Tinies" inspirieren lassen, in dem es auch darum geht, wie Leute von A bis Z sterben. Die Idee fanden wir spannend und haben überlegt, mit welcher Mechanik die Story in einem Spot funktionieren könnte. Es hat auch Spaß gemacht, zu brainstormen, wie Leute ums Leben kommen könnten. Was lustig wäre und was gar nicht geht. Wichtig war uns, dass der Spot humorvoll wird, anders als "Dear Brother", wo es um emotionales Storytelling ging. Im Laufe des Projekts haben wir gemerkt, dass die Machart total unterschiedlich ist.
Dorian & Daniel wagen sich mit ihrer neuesten Arbeit auf neues Terrain
Bild: Screenshot Youtube

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Kannst du in Worte fassen, worin der Unterschied besteht? Beim Storytelling fühlst du, was du machst und erzählst die Geschichte so, wie du es willst - als würdest du Freunden etwas erzählen. Beim Storytelling schneidest du auch nach Gefühl. Ob der Cut dann ein bisschen weiter hinten oder vorne ist, ist nicht so wild. Hauptsache, er fühlt sich gut an. Bei der Comedy muss hingegen jeder Schnitt sitzen. Das hat bei "ABC of Death" sehr lange gedauert, wir haben etliche Frames hin- und hergeschoben und uns überlegt, wann das Timing am besten passt. Im Nachhinein haben Daniel und ich uns ein bisschen eingeschränkt gefühlt, weil wir so technisch herangehen und die Gefühle ausblenden mussten. Diese Arbeitsweise hat uns nicht ganz so gut gefallen – deswegen wollen wir uns in Zukunft eher auf das Storytelling fokussieren.

Den Award-Jurys hat das aber gefallen: Mit dem Film wart ihr bei den New York Festivals erfolgreicher als etablierte Agenturen. Haben Awards für euch einen hohen Stellenwert? Auf jeden Fall! Es ist super, sich mit anderen Arbeiten messen zu können. Denn wir sind oft unsicher, ob unsere Spots gut sind oder nicht. Wir sind sehr selbstkritisch. Darum ist es uns wichtig, eine Meinung von außen zu bekommen. Wenn unsere Filme so gut ankommen wie "ABC of Death" und "Dear Brother", ist das natürlich toll. Wie beurteilst du die Agenturbranche generell – könntest du dir vorstellen, in einer Agentur zu arbeiten? Die Frage ist, in welchem Maß man für eine Agentur arbeitet. Wir möchten uns voll auf das konzentrieren, was wir machen. Wenn du als Regisseur neben deinen eigenen Projekten andere Skripte entwickelst, dann teilst du deine Aufmerksamkeit. Ich mag den Perfektionismus, sich zu hundert Prozent auf ein Projekt zu fokussieren.  Das bedeutet für uns auch, mit einer Agentur an Ideen weiter zu arbeiten, wenn man das Gefühl hat, dass man noch etwas rausholen kann. Ein komplettes Skript zu entwickeln ist aber auch etwas, was wir sehr mögen.
Dorian & Daniel
Dorian & Daniel (Bild: privat)
Dir ist sehr wichtig, dass es Daniel und Dich nur im Doppelpack gibt – gilt das auch für die Zukunft? Genau. Eigentlich arbeiten wir seit 5 Jahren zusammen, seit dem ersten Tag im Studium. Wir mochten uns auf Anhieb, jetzt sind wir ein Team. Das ist toll, weil wir aufeinander eingespielt sind. Jeder von uns hat Bereiche, in denen er stark ist und Bereiche, wo er eher den anderen machen lässt. Dadurch haben wir immer Rückhalt und können uns auf einander verlassen. Das nimmt viel Druck weg- und ohne Druck kannst du klarer denken. Zu zweit macht auch alles mehr Spaß, man kann sich gemeinsam aufregen, sich über Sachen freuen. Zu zweit ist einfach alles ein bisschen cooler.

Wie geht es in Zukunft für euch weiter? Gerade haben wir in London gedreht - das war cool, weil wir nach unserem Diplom sofort den Job hatten. Jetzt sind wir zurückgekehrt und können an den erwähnten älteren Projekten arbeiten, die während des Studiums liegengeblieben sind. In einem großen Projekt mischt sich jeder ein, die Agentur, der Kunde, und jeder hat eine andere Meinung. Bei eigenen Arbeiten bist du der Einzige, der etwas zu sagen hat und die Richtung vorgibt. Wir lieben das und haben uns vorgenommen, dass wir im besten Fall einmal im Jahr einen eigenen Film drehen für einen Kunden, den wir uns selber suchen. Ob das budget- und zeittechnisch klappt, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Wollt ihr die Filme wieder für einen Award einreichen? Unbedingt! Nächstes Jahr wollen wir es wieder versuchen. Wir haben unsere Filme bisher meist passend zu den Einreichungsfristen datiert und sie kurz vor Beginn der Award-Saison veröffentlicht. Am Anfang war es uns auch sehr wichtig, dass die Filme noch nicht zu oft gesehen wurden - aber darauf würde ich jetzt nicht mehr so großen Wert legen wie damals.
„Zu zweit ist einfach alles ein bisschen cooler.“
Dorian Lebherz über seine Zusammenarbeit mit Daniel Titz
Kommen wir zu deinen Träumen: Gibt es ein Produkt, das du unbedingt mal bewerben möchtest? Puh… Ich mag Autos sehr gerne. Deswegen war Volvo auch ein Schritt in diese Richtung, auch wenn nicht so viel Auto zu sehen ist.

Präferierst du eine bestimmte Marke? Nee. Hauptsache, das Auto ist schön! Aber in Deutschland gibt es da ja keine Probleme, da sind alle Autos schön. Aber auch Adidas und Nike finde ich sehr spannend. Deren Filme sind visuell stark, das gefällt mir gut. Aber eigentlich kommt es weniger auf die Marke an als auf die Idee. Es gibt so viele Beispiele für Filme von Marken, die man gar nicht kennt, aber der Film unheimlich gut ist. Grundsätzlich gefallen uns auch besonders die Volvo-Filme ziemlich gut.

Und, haben die euch schon mal angefragt? Mit "ABC of Death" habt ihr euch ja schon einmal bemerkbar gemacht. Wir warten noch auf den Anruf von Volvo …

Interview: Katharina Brecht 
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