Nach Hoeneß-Urteil Guerilla-Agentur nutzt Münchner Justizpalast für freche Lichtinstallation

Freitag, 14. März 2014
Der Text der Lichtinstallation der Agentur Caveman für Koro (Bild: Agentur)
Der Text der Lichtinstallation der Agentur Caveman für Koro (Bild: Agentur)


Der Justizpalast in München war in den vergangenen Tagen ein zentraler Ort dieser Republik: In dem beeindruckenden Barock-Gebäude wurde der Fall Uli Hoeneß verhandelt, der gestern mit einer Haftstrafe für den Ex-Bayern-Präsidenten zuende ging. Noch in der Nacht wurde das Gebäude Schauplatz einer Guerilla-Installation: "Hoeneß wechselt für 27,2 Mio. vom FCB zum Lokalrivalen JVA", war auf der Laserprojektion zu lesen, die auf der Fassade des Justizpalastes erschien. Dahinter stecken eine Online-Drogerie und eine Guerilla-Agentur. Oliver Bienkowski hat wieder zugeschlagen: Der Lichtkünstler und Chef der Düsseldorfer Agentur Caveman ist verantwortlich für die freche Guerilla-Aktion im Auftrag der Online-Drogerie Koro. "Weiße Westen" lautete die ironische Werbebotschaft des Berliner Unternehmens, das mit dieser Aktion auf den Hoeneß-Hype aufsprang. Man habe extra verschiedene Motive im Gepäck gehabt, da man ja nicht wusste, wie der Prozess ausgeht, erklärt Bienkowski. Die Installation sei schließlich "innerhalb von Stunden in der Nacht organisiert" worden.

Die Aktion schaffte es in die München-Ausgabe der "Bild"
Die Aktion schaffte es in die München-Ausgabe der "Bild"
Das Projekt fand heute auch seinen Weg in die Münchner Ausgabe der "Bild", wo die Boulevardzeitung eine Seite zum Thema "So reagiert München auf das Hoeneß-Urteil" brachte. Die Web-Adresse des Kunden war dabei gut lesbar. Mediahacking nennt Bienkowski diese Art des Guerilla-Marketings, einer Werbeform, die für den Lichtkünstler "extrem unterschätzt" ist. Denn einfach eine Anzeige in der "Bild" zu schalten, wäre für Koro extrem teuer geworden. Profitiert haben der Lichtkünstler und sein Kunde dabei sicher vom recht guten Draht Bienkowskis zur Bild, die in der Vergangenheit bereits über dessen Aktionen berichtete. Zuletzt war etwa Bienkowskis Lichtanschlag auf die US-Botschaft in Berlin ein Thema für Bild.de.

Mit derartigen Projekten hat sich der bekennende Freimaurer in der Szene einen gewissen Namen gemacht. Richtig Aufsehen erregte er allerdings mit einer Aktion aus dem vergangenen Frühjahr. Damals schaffte Bienkowski es mit der Nachricht in die bundesweiten Schlagzeilen, dass Obdachlose in seinem Auftrag Shitstorms im Internet lostreten. Am Ende entpuppte sich das Ganze als PR-Aktion, um auf die Situation von Obdachlosen in Deutschland hinzuweisen. ire
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