Musikproduktionen Wie sich die etablierten Player neu sortieren

Freitag, 09. Oktober 2015
Blut hat für Lukas Lindemann Rosinski und Jürgen Nerger den Stillstand im Bild in ein Tonkonzept übersetzt
Blut hat für Lukas Lindemann Rosinski und Jürgen Nerger den Stillstand im Bild in ein Tonkonzept übersetzt
Foto: Mercedes-Benz

Während das Bild still steht, schlägt auf der Soundebene der Zeiger, im Hintergrund ist eine leicht surreale Musik zu hören. Der Sound, den die Blut-Chefs Timo Blunck und Stephanie Zanatta für einen Mercedes-Spot zum 20-Jährigen Jubiläum des Sprinters entwickelt haben, ist einerseits naheliegend. Er steht aber auch exemplarisch für die Art und Weise, wie die beiden mit ihrer neuen Firma arbeiten wollen.

Bereits in der Konzeptionsphase holte die verantwortliche Agentur Lukas Lindemann Rosinski die Musik-Experten an Bord, der Austausch mit Regisseur Jürgen Nerger begann, bevor die erste Szene gedreht war.

Seit dem 1. Juli firmiert Blut offiziell, der gemeinsame Weg begann früher: Blunck war das Blu der etablierten Musikproduktion Bluwi, die sich diesen Sommer nach 21-jährigem Bestehen aufgelöst hat, Zanatta war seit 2003 an Bord. Als Team verantworteten sie die Musik vieler Werbekampagnen, aktuell kommen Projekte im Bereich Kommunikation im Raum hinzu. „Wir hatten schon länger das Gefühl, dass man mit einem festen Stamm aus angestellten Komponisten nicht wirklich weiter kommt und wollten etwas Neues machen“, erklärt sie. Blut setzt vor allem auf ein Netzwerk aus freien Musikern und will so dafür sorgen, dass für jede Aufgabe der passende Experte an Bord geholt werden kann.

Bluwis’ Stefan Will ist ebenfalls mit einer eigenen Firma an den Start gegangen, zusammen mit Nikolaus Grunert und Kolja Bustorf, der zuvor Bluwi Berlin geführt hatte. Der Schwerpunkt von Not A Machine liegt auf der Kombination aus Werbung und freien Projekten. Gerade hat das Team die Musik zum aktuellen TV-Spot von Edeka „Kein Märchen“ produziert (Agentur: Jung von Matt/Alster), dazu kommen Sounds für Messen, Museen und Spielfilme sowie Kompositionen und Produktionen für Künstler wie Die Fantastischen Vier.
Will und seine Partner beanspruchen, mehr zu sein als „irgendein Audiodienstleister“ und nehmen damit eine Haltung ein, die in der Branche generell zu spüren ist. Musikproduktionen wollen nicht mehr erst in der Postproduktion eine Rolle spielen, sondern sehen sich zunehmend als kreative Berater, als Dolmetscher zwischen Musikern und Marketingverantwortlichen. jb

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