Moritz Fürste Vollgas für Thjnk und für Gold in Rio

Donnerstag, 29. Oktober 2015
Moritz Fürste
Moritz Fürste
Foto: Thjnk

Moritz Fürste ist Hockey-Nationalspieler und seit etwas mehr als drei Monaten Direktor Sportmarketing bei Thjnk. Der zweifache Olympiasieger soll bei der Hamburger Agentur das Thema vorantreiben und neue Geschäftsfelder erschließen. Wie hat Fürste die ersten 100 Tage in der Agentur erlebt - und welche Ziele hat er, sportlich wie beruflich? HORIZONT Online hat mit ihm gesprochen.
Herr Fürste, Sie sind jetzt seit Anfang Juli Direktor Sportmarketing bei Thjnk. Können Sie schon eine Bilanz der ersten 100 Tage ziehen? Ich bin jetzt ca. 100 Tage bei Thjnk, das stimmt. Aber die Thematik beschäftigt mich natürlich schon deutlich länger. Den Einstieg haben Michael Trautmann und ich im Grunde genommen geplant, seit ich 2011 mein duales Studium bei Kemper Trautmann abgeschlossen habe. Wir haben die Spielfelder analysiert, auf denen wir aktiv sein wollen und uns genau angeschaut, wo sich für uns Anknüpfungspunkte ergeben. Und dann hieß es hier seit Tag eins Vollgas. Und: Das wurde bereits mit Red Bull und Adidas – zwei ganz spannende Kunden – belohnt. Welche Aufgaben haben Sie bei Thjnk als Direktor Sportmarketing konkret? Zum einen bin ich für die strategische Ausrichtung der Einheit zuständig. Zum anderen möchte ich meine 12 Jahre Erfahrung aus dem Spitzensport in die Agentur tragen und den schon vorhandenen Kunden mit Input und Know-How aus diesem Gebiet begegnen. Bei diesem Thema geht einfach noch mehr. Sport ist ein Fachgebiet und ich sehe es als meine Aufgabe, diese Fachkenntnisse zu liefern.

Welche Impulse wollen Sie in Ihrer Funktion setzen? Ich möchte die Menschen für das Thema Sport im Marketing-Mix begeistern. Ob im Sponsoring, der Vermarktung oder der Aktivierung – es ist enorm viel Potenzial auf diesem "Spielfeld" vorhanden. Wir wollen den Thjnk-Kunden ein zusätzliches Angebot liefern und auch beim Thema Sport optimal beraten. Viele haben erkannt, dass der Sport in der Kommunikation eine entscheidende Rolle spielen kann. Und um das umzusetzen, bin ich da.

Spitzensportler, Agenturmanager, Familienvater:

Moritz Fürste wurde am 28. Oktober 1984 geboren. Er begann in seiner Jugend das Hockeyspielen beim Uhlenhorster HC, für den er auch lange spielte. Im kommenden Frühjahr läuft Fürste in der einmonatigen Hockey India League für den Spitzenclub Kalinga Lancers auf.

Für die Nationalmannschaft spielt er seit 2005. Mit dem DHB-Team gewann Fürste unter anderem zweimal Olympia-Gold (2008, 2012) und wurde Welt- sowie Europameister. 2012 wurde er zum Welthockeyspieler gewählt. Zur Titelverteidigung bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro wird Fürste die Nationalmannschaft als Kapitän führen.

2010 schloss Fürste sein Studium in Media Management in Hamburg ab. Begleitend hatte er bereits projektweise für Kemper Trautmann, wie Thjnk damals noch hieß, gearbeitet. Seine Position als Direktor Sportmarketing bei der Hamburger Agentur trat er Mitte Juli an. Er ist aktuell außerdem eines der Gesichter der Hamburger Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024. Fürste ist verheiratet und seit Sommer Vater einer Tochter.
Nun sind Sie nicht nur Agenturmitarbeiter, sondern auch Athlet. Im kommenden Jahr wollen Sie mit der Hockey-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro die Goldmedaille verteidigen. Inwieweit vertragen sich Spitzensport und Arbeit? Grundsätzlich verträgt sich beides hervorragend. Spitzensportler haben gelernt, sich durchzusetzen, ein vernünftiges Zeitmanagement zu betreiben und sich und andere zu motivieren. Und besonders das Zeitmanagement hilft mir jetzt. Ich habe mein Leben lang die "duale Karriere" gelebt. Das ist jetzt nicht anders. Wir werden in Rio um eine Medaille kämpfen, am liebsten wieder um Gold. Dafür gilt es alles zu geben. Aber wenn ich in der Agentur bin, dann sind es die Aufgaben dort, die mich motivieren. Und ich bin wahnsinnig froh, dieses Feuer sowohl im Sport als auch im Job zu spüren.

Wie wird es in der Agentur aufgefangen, wenn Sie aufgrund von Training oder Wettkampf mal nicht zur Verfügung stehen? So wie wir auch arbeiten – im Team. Philipp Stamer hat uns als Account Director verstärkt. Er hat intensive Erfahrung im Sport durch seine aktive Fußballkarriere sowie sein vorherige Zusammenarbeit mit der DFL und dem HSV. Er wird mich hier vor Ort auch operativ unterstützen, wenn ich mit der Nationalmannschaft unterwegs bin. Dazu haben wir drei weitere Leistungssportler an Bord, die alle in unterschiedlichen Sportarten aktiv sind.

Sport und Beruf unter einen Hut zu bringen ist ein Kunststück, das vielen Athleten nicht gelingt, sodass sie nach der sportlichen Karriere erst einmal mit leeren Händen dastehen. Wie nehmen Sie diese Problematik wahr? Ich hab da andere Erfahrungen gemacht. Vor allem im Bereich der Olympischen Disziplinen ist das Verständnis, eine duale Karriere anzustreben, sehr weit verbreitet. Das Problem gibt es eher im Profisport, wo allerdings auch die Gehälter eine duale Karriere nicht unbedingt erfordern. Die klassischen Olympischen Athleten in Deutschland wissen schon vor der sportlichen Karriere, dass es Sinn macht, parallel an der Karriere danach zu arbeiten. Hier sehe ich vielmehr das Problem bei den Arbeitgebern. Viele sind nicht bereit, aktiven Sportlern die Chance zu geben, sich auch im Beruf durchzusetzen. Umso dankbarer bin ich, dass ich diese Chance bekommen habe.
„Ich bin wahnsinnig froh, dieses Feuer sowohl im Sport als auch im Job zu spüren.“
Moritz Fürste
Wen sehen Sie in der Pflicht, wenn es darum geht, mehr für Athleten zu tun? Hier sehe ich vor allem die Medien in der Pflicht. In den kleineren Verbänden und Sportarten steckt ein riesiges Potenzial. Der Auftrag der Medien sollte sein, die Sportarten, die nur alle 4 Jahre kurz im Rampenlicht stehen, wenn sie Medaillen für den Medaillenspiegel holen müssen, auch in der Zwischenzeit vernünftig zu begleiten. Ich gehe jede Wette ein, dass, wenn wir eine – fast egal welche – Sportart in exakt der gleichen Art und Weise produzieren würden, wie Sky seine Übertragungen produziert, wir eine mindestens genauso hohe Einschaltquote bekämen, wie die 4. Liga im Fußball am Dienstag Abend. Aber dazu müsste jemand diesem Projekt eine Chance geben. Davon sind wir weit entfernt.

Zudem sehe ich aber auch die Verbände in der Pflicht, ihre Sportart ins Rampenlicht zu rücken. Viele Verbände haben einfach nicht die Möglichkeiten, sich in Sachen Sponsoring und Vermarktung so aufzustellen, wie man es müsste, um seine eigene Message in die Welt zu tragen. So viele Sportarten haben ein enormes Potenzial und unglaublich spannende Zielgruppen, aber keiner erfährt davon. Auch in diesem Punkt möchten wir mit Thjnk in Zukunft Ansprechpartner sein. Interview: Ingo Rentz
Meist gelesen
stats