Mindshare CEO Scholz geht, Güzey und Lass übernehmen

Mittwoch, 02. März 2016
Christian Scholz verlässt Mindshare Deutschland
Christian Scholz verlässt Mindshare Deutschland
Foto: Mindshare

Die zu WPP gehörende Mediaagentur Mindshare steht vor einem Radikalumbau. Und der beginnt ganz oben: CEO Christian Scholz verlässt mit sofortiger Wirkung das Unternehmen, seit heute haben Digitalchef Timucin Güzey und Chief Financial Officer Claus Lass interimistisch das Kommando in Deutschland. Weitere Schritte dürften bald folgen. Dem Vernehmen nach soll das Media-Network Group M, zu dem neben Mindshare unter anderem auch Mediacom und MEC gehören, bald personelle Verstärkung nach Frankfurt schicken. Auch strategisch tut sich was: Der Name Güzey steht für einen radikalen Digitalisierungskurs.

Mit dem abrupten Abgang von Scholz endet eine Ära, die gerade mal zweieinhalb Jahre gedauert hat. Im Oktober 2013 hatte Scholz, der zuvor der Agentur Kinetic vorstand, als Nachfolger von Christof Baron auf dem Chefsessel von Mindshare Platz genommen. Kurz danach installierte er Michaela Ihlefeld und Holger Thalheimer als Chief Operating Officers. Thalheimer ist inzwischen Chef der zur Omnicom gehörenden Mediaagentur PHD, Ihlefeld steht seit Monaten auf dem Sprung und wird das Unternehmen wohl bald verlassen. Kurz und gut: Der Versuch, nach Baron, der nach wie vor als einer der Großen der Mediabranche gilt und inzwischen internationale Aufgaben im Network wahrnimmt, eine neue Führungsmannschaft zu installieren, ist gründlich gescheitert.

Nun also Güzey und Lass. Lass, seit über 20 Jahren an Bord, ist so etwas wie der Fels in der Brandung und soll dafür sorgen, dass bei aller Umbruchstimmung die Kontinuität nicht zu kurz kommt. Güzey, der erst im Frühjahr 2015 von Dentsu Aegis zu Mindshare gewechselt war, ist so etwas wie der Mann der Stunde. Global CEO Nick Emery traut dem 41-Jährigen offenbar zu, den von Scholz eingeleiteten Reformen zu mehr Durchschlagskraft zu verhelfen.

Die Richtung ist klar: Mindshare soll digitaler und innovativer werden - und endlich auch im Neugeschäft wieder für mehr positive Schlagzeilen sorgen. Wirtschaftlich sind die Dinge in Deutschland wohl halbwegs in Ordnung. In einem Gespräch mit HORIZONT Online sprach Emery vor wenigen Wochen von einem zweistelligen Ergebnisplus für 2015, was dann doch erstaunte. Zurückzuführen sind die nach wie vor guten Zahlen wohl vor allem auf Trading und den Ausbau von Serviceangeboten.
Timucin Güzey und Claus Lass werden die neuen starken Männer bei Mindshare
Timucin Güzey und Claus Lass werden die neuen starken Männer bei Mindshare (Bild: Mindshare)
Wie geht es nun weiter bei Mindshare? Die erste Aufgabe von Güzey und Lass besteht jetzt darin, die angespannte Stimmung im Unternehmen in den Griff zu bekommen. Die vielen Personalwechsel in den vergangenen zwei Jahren haben für viel Unruhe gesorgt, weitere Abgänge dürften folgen.

Und dann ist da noch das Verhältnis zu Group M. Mindshare galt immer als diejenige Agentur, die einen besonders großen Wert auf Eigenständigkeit legt - deutlich mehr jedenfalls als das bei Schwesteragenturen wie MEC oder Mediacom der Fall ist. Mit dieser Positionierung dürfte es nun vorbei sein - unter der neuen Führung sucht Mindshare den engen Schulterschluss mit Group M. Wie weit diese Annäherungen gehen und ob und welche Group-M-Manager zu Mindshare wechseln werden - das sind die Fragen, die sich jetzt stellen. js

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