Mercedes und der Tyrannenmord Regisseur Tobias Haase im Interview

Montag, 26. August 2013
Tobias Haase ist der Regisseur des provokanten Films (Foto: privat)
Tobias Haase ist der Regisseur des provokanten Films (Foto: privat)

MCP from dath - Tobias Haase on Vimeo.

Gemeinsam mit den Producern Lydia Lohse und Holger Bergmann, Kameramann Jan Mettler, Cutter Helmar Jungmann und Drehbuchautor Gün Aydemir ist Tobias Haase von der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg Schöpfer des kontroversen Films "MCP" - in dem das automatische Bremssystem von Mercedes ein eigenes Seelenleben entwickelt und den jungen Adolf Hitler überfährt. HORIZONT.NET hat mit dem 31-jährigen Regisseur gesprochen. HORIZONT.NET: Tobias Haase, Ihr Film "MCP" ist im Netz momentan der Renner und hat für viel Wirbel gesorgt. Wie kam die Idee dazu?

Tobias Haase: Unser Studium ist sehr film- und nur wenig textlastig. Die Idee hatte Gün Aydemir, der Junior Texter bei Jung von Matt/Neckar war und jetzt bei Heimat in Berlin ist. Er hat direkt bei der Agentur in Stuttgart ein Seminar gegeben, bei dem die Idee auf den Tisch kam. Aber wir waren uns bewusst, dass Mercedes so etwas niemals produzieren würde. Also dachten wir uns, wir machen das einfach, bevor uns jemand den Einfall kaputt reden kann. Erst hinterher haben wir festgestellt, dass im Netz bereits andere das Thema aufgegriffen hatten.

Wie lief dann der Kontakt mit Mercedes ab?

Ich habe den Film beim First Step Award eingereicht, bei dem Mercedes einer der Hauptsponsoren ist. Wir haben zwar gehofft, dass das nicht sofort passiert, aber die abwickelnde Agentur Locavi in Stuttgart hat unseren Beitrag an Mercedes weitergegeben. Nach einigen Gesprächen mit dem Rechtsbeistand der Filmakademie und mit Mercedes wurde dann der Kompromiss gefunden, dass wir den Film mit den entsprechenden Hinweisen versehen. Übrigens habe ich "MCP" auch in Cannes eingereicht, dort wurde er aber nicht angenommen.

Im Spot wird der junge Adolf Hitler absichtlich von einem Auto mit intelligentem Bremssystem überfahren - klar, dass das in so mancher Hinsicht polarisiert. Darf man so einen Film überhaupt machen?

Ich finde, man darf ihn machen, vielleicht muss man ihn sogar machen. In Deutschland gibt es das Problem, dass immer jeder vor irgendwem Angst hat. Oft hat man 50 oder mehr Ideen und einigt sich am Ende auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, auch wenn das dann der schlechteste der ursprünglichen Einfälle ist. Jeder will virale Filme haben, aber nur selten hat jemand den richtigen Mut. "MCP" polarisiert, ganz klar, er wirft Fragen auf und er will auch provozieren. Es ist ja auch, wie nicht zu übersehen, kein Film für Mercedes, sondern einer für diejenigen, die ihn gemacht haben.

Nun hat das Unternehmen ja auch eine Vergangenheit im Dritten Reich - waren Sie sich von Anfang an bewusst, dass es darum vielleicht Aufregung geben könnte? Sie hätten natürlich auch einen anderen Automobilhersteller wählen können?

Das war uns klar und auch so beabsichtigt. Mercedes hat schließlich auch die Technik erfunden und schon vorher dafür in einem Spot geworben, das kam uns sehr entgegen. Wir waren uns sicher, dass Mercedes den Film nicht so gut finden wird; aber trotzdem ist es besser, über Hitler zu lachen, als ihn ernst zu nehmen. Und ganz ehrlich, ich liebe Mercedes und habe großen Respekt vor der Marke - und auch davor, wie sie mit der ganzen Sache umgegangen sind. Das war sehr anerkennend, respektvoll und freundlich. fam
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