Medienbericht Facebook sucht eine Werbeagentur

Freitag, 03. November 2017
Facebook sorgt sich offensichtlich um sein Image
Facebook sorgt sich offensichtlich um sein Image
© Facebook

Fake News, Hate Speech, Rassisten-Targeting, russische Einflussnahme auf die US-Wahl: Die Vorwürfe, denen sich Facebook in jüngster Vergangenheit ausgesetzt sah, wiegen schwer. Vor diesem Hintergrund lässt diese Nachricht aufhorchen: Wie Business Insider berichtet, hat das soziale Netzwerk mehrere Werbeagenturen angeschrieben und Kommunikations-Konzepte angefordert. Ob dabei ein Zusammenhang mit der Russland-Affäre besteht, ist unklar.
Dem Bericht zufolge lautet der Auftrag, Facebook vor allem als innovatives Unternehmen in den Bereichen Virtual und Augmented Reality zu präsentieren. Facebooks Rolle als soziales Netzwerk soll demnach nicht im Vordergrund stehen. Das Briefing verlangt laut Business Insider sowohl nach strategischen als auch kreativen Konzepten. Welche Märkte der Dienstleister abdecken soll, ist derzeit noch unbekannt - eine Antwort auf eine entsprechende Nachfrage von HORIZONT Online steht noch aus. Bislang hatte Facebook unter anderem mit Wieden + Kennedy zusammengearbeitet, zuletzt bei der Imagekampagne für den deutschen Markt, deren neuer Flight gerade gestartet ist.

Die aktuellen Vorwürfe, russische Drahtzieher hätten durch gezielte Werbeschaltungen auf Facebook Einfluss auf die US-Präsidentenwahl 2016 genommen, werden in dem Briefing nicht explizit erwähnt, berichtet Business Insider unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Der Zeitpunkt lasse allerdings darauf schließen, dass Facebook sehr wohl auf die durch die Russland-Affäre hervorgerufenen Spannungen reagieren will. Immerhin musste sich das Unternehmen jüngst sogar vor dem US-Senat erklären - ebenso wie Google und Twitter.
Facebook Schild Zentrale 2016
Bild: Facebook

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Dagegen spricht, dass Facebook erst kürzlich in reichweitenstarken US-Zeitungen ganzseitige Anzeigen geschaltet hatte, in denen das Unternehmen seine Bemühungen gegen politische Einflussnahme erklärte. Mit der Agentursuche verfolgt Facebook eigenen Angaben zufolge denn auch andere Ziele: "In Wahrheit handelt es sich um das nachhaltige Bemühen, den Menschen verständlich zu machen, was wir tun", teilte das Unternehmen gegenüber Business Insider mit. 

Allerdings hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg bei der Vorstellung der - erneut glänzenden - Quartalszahlen seines Unternehmens betont, wie sehr ihn die offensichtliche russische Einflussnahme auf die US-Wahl in Sorge versetze. Deswegen will Zuckerberg massiv in Sicherheits-Features investieren und zusätzliches Personal für die Überprüfung von Inhalten einstellen.

Die dafür nötigen Aufwendungen sollen so massiv sein, dass sie "signifikanten Einfluss auf unsere Profitabilität haben werden", so der Facebook-Chef in einem langen Facebook-Post. Die Facebook-Community zu schützen sei wichtiger, als die Gewinne zu maximieren. Er meine das "todernst".
Facebook hatte jüngst seine Werberichtlinien dahingehend verändert, dass die Urheber politischer Anzeigen künftig transparent sein müssen. Die Querelen um die russischen Aktivitäten waren allerdings nicht die einzige Baustelle, auf der Facebook zuletzt Reparaturarbeiten durchführen musste. Auch dass es auf der Plattform möglich war, durch Targeting gezielt Rassisten anzusprechen, sorgte weltweit für Empörung. Auch hier besserte Facebook schließlich nach.

Die Negativ-Schlagzeilen sind offensichtlich nicht spurlos an den Nutzern vorbeigegangen. Einer Studie des Marktforschungsinstituts Kantar zufolge vertrauen 54 Prozent der US-Nutzer sozialen Netzwerken bei der politischen Berichterstattung weniger als vor den Diskussionen um Fakes News. ire
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