Mediabusiness Matthias Brüll verlässt Group M und wird EMEA-Chef von MEC

Montag, 08. Mai 2017
Group-M-Chef Matthias Brüll
Group-M-Chef Matthias Brüll
Foto: Group M

Group M braucht einen neuen Deutschland-Chef. Nach Informationen von HORIZONT Online steht der bisherige Amtsinhaber Matthias Brüll unmittelbar vor einem Wechsel zum Mediaagentur-Network MEC. Dort wartet ein Top-Job auf ihn: Brüll wird CEO für den Wirtschaftsraum EMEA - also Europa, Middle East und Afrika. Ein Indiz, dass der Wechsel unmittelbar bevorsteht: auf der Homepage von Group M Deutschland taucht der Name des bisherigen CEO seit ein paar Tagen schon gar nicht mehr auf.

Dass Brüll, der zwei Jahre die Geschicke von Group M in Deutschland leitete, in Düsseldorf vor dem Absprung steht, ist in der Branche schon seit Monaten Gesprächsthema. Im Dezember 2016 schien auch bereits klar, wohin es ihn zieht: zu Mediaplus, der Mediaagentur von Serviceplan. Im letzten Moment sagte Brüll dann aber doch noch ab - sehr zum Verdruss von Serviceplan-Chef Florian Haller.


Jetzt wird klar, was hinter Brülls Geisteswandel steht: die Aussicht, bei MEC eine internationale Aufgabe zu übernehmen, war einfach zu verlockend. Die neue Wirkungsstätte von Brüll, der nach Führungspositionen bei Daimler und BMW 2006 zu Mediacom und anschließend zu MEC Deutschland gewechselt war, ist London.

Die große Frage ist jetzt natürlich, wie es beim Network Group M weitergeht, zu dem die Mediaagenturen Mediacom, MEC, Mindshare und Maxus gehören. Rein logisch betrachtet kommen zwei Manager als Nachfolger in Frage - Karin Ross und Paul Remitz, die nicht gerade als beste Freunde gelten. Ross ist Chief Investment Officer bei Group M Deutschland und gilt als ebenso fähig wie ehrgeizig. Was gegen sie als neue Nummer 1 spricht, ist ihre bisher sehr überschaubare Erfahrung im direkten Kundengeschäft - und die ist für so eine Position von großer Bedeutung.
Group-M-Manager Matthias Brüll und Jürgen Blomenkamp
Bild: Group M

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Also Remitz? Das kann man sich im Grunde noch weniger vorstellen. Remitz hat den wahrscheinlich wichtigsten Job inne, den es im Group-M-Imperium zu vergeben gibt: er ist seit 2010 CEO des Marktführers Mediacom. Doch seine Tage sind wohl gezählt - dem Vernehmen nach steht mit Tino Krause sein Nachfolger bereits bereit. Der ist aktuell noch Chef von MEC Deutschland und gilt als der vielleicht größte Hoffnungsträger im deutschen Group-M-Network.

Der Wechsel bei Mediacom dürfte freilich noch ein paar Wochen dauern - aktuell dreht sich alles um die Groß-Pitches bei Telekom und Procter & Gamble. Der Pitch bei Procter & Gamble biegt gerade in die Zielgerade ein, mit einer Entscheidung dürfte bald zu rechnen sein. Mediacom hat wohl gute Chancen, den Etat zu verteidigen - vielleicht aber kommt auch Hearts & Science zum Zug. Die Omnicom-Agentur hat in den USA mit dem Gewinn von Procter & Gamble und AT&T in den USA bereits für mächtig Furore gesorgt. Beginnt jetzt der Siegeszug in Deutschland?
Procter & Gamble Zentrale
Bild: P&G

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Was für Remitz als kommenden Primus bei Group M spricht: Der Mann ist seit über 20 Jahren im Media-Business, verfügt über eine große Expertise und kennt das Network aus dem Effeff. Was gegen ihn spricht: Bei Group M will man einen tiefgreifenden Kulturwandel, die Leute der Stunde heißen Katja Brandt (neu bei Mindshare), Sebastian Hupf (der angeblich von Mindshare zu MEC zurückkehren wird) und eben Tino Krause. Eine Entscheidung für Remitz passt eigentlich nicht zur politischen Großwetterlage in Düsseldorf.

Auf wen kommt es jetzt an? Auf den Chairman Jürgen Blomenkamp. Der wohl bekannteste deutsche Mediaagentur-Manager ist zweifellos derjenige, der in Düsseldorf die wichtigen Entscheidungen trifft. Kann gut sein, dass er sich mit der Wahl des Brüll-Nachfolgers noch ein bisschen Zeit lässt und interimistisch den Job selber macht. js

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