Mediaagenturen Christof Baron verlässt Pilot und wird globaler Media-Chef bei Sanofi

Donnerstag, 20. Juli 2017
Christof Baron, Geschäftsführer Pilot Frankfurt
Christof Baron, Geschäftsführer Pilot Frankfurt
© Pilot Frankfurt

Vor einem Jahr starteten sie als neues Traumpaar des deutschen Media-Business: Pilot-Gründer Jens-Uwe Steffens und Christof Baron. Jetzt reichen sie die Scheidungspapiere ein, was gleichzeitig das Aus für den Frankfurter Standort bedeutet. Was ist passiert?

Es war eine der spektakulärsten Media-Geschichten 2016: Christof Baron, viele Jahre Chef der Group-M-Agentur Mindshare und so etwas wie der Vorzeige-Manager der Media-Networks, wechselt zu Pilot, dem Vorzeige-Mittelständler unter Deutschlands Mediaagenturen. Das Beste aus zwei Welten - das ließ einiges erwarten. Steffens schwärmte in einem Interview mit HORIZONT Online im Juni 2016: "Mit Christof haben wir die beste Waffe, die man sich wünschen kann. Wir wollen in Frankfurt einen glorreichen Standort aufbauen."

Die Mission ist krachend gescheitert. Vernehmlich geknirscht hat es schon seit Monaten, diese Woche nun verkünden beide Seiten offiziell das Aus. Es hat einfach nicht gepasst, der Mann aus der Welt der Networks und Deutschlands zweitgrößte unabhängige Mediaagentur, bei der man die Dinge eher pragmatisch und unternehmerisch angeht.

Christof Baron und Klaus-Peter Schulz
Bild: Radio Advertising Summit / Langer

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Für Pilot ist das Debakel in Frankfurt ein empfindlicher Rückschlag - es ist nicht gelungen, Baron so einzubinden, um die Agentur insgesamt auf ein (noch) höheres Niveau zu hieven. Andererseits kann man aber auch nicht sagen, dass es bei Pilot schlecht liefe, im Gegenteil. Laut Recma-Ranking legte die Agentur bei den Billings 2016 um 7 Prozent zu und steht jetzt für ein Billing-Volumen von 658 Millionen Euro - das ist schon was. Gewaltig Punkte gemacht hat die Agentur zuletzt mit einem Joint Venture, das man zusammen mit Mediacom für den Kunden Procter & Gamble gegründet hat. Dass sich Deutschland größte Mediaagentur mit Pilot zusammentut, um den Mega-Etat von Procter zu verteidigen, ist schon eine Art Ritterschlag.

Florian Adamski, CEO Omnicom Media Group Germany
Bild: Britta Würzburg

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Und Baron? Der geht nun also zu dem französischen Pharmariesen Sanofi, der weltweit 110.000 Mitarbeiter beschäftigt, über 9.000 davon in Deutschland. Baron wird Global Head of Media für den Bereich OTC - das klingt nach einer reizvollen Aufgabe und ist es wohl auch. Anfang des Jahres übernahm Sanofi das Selbstmedikationsgeschäft (CHC) von Boehringer Ingelheim, das weltweit für einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro steht und zu dem Marken wie Buscopan und Mucosolvan zählen. Aktuell läuft ein Media-Pitch für dieses Geschäftsfeld. Im Rennen sind  die Publicis-Agentur Zenith - und Barons langjähriger Arbeitgeber Mindshare.

„Die gemeinsame Zeit war kurz, aber fachlich sehr intensiv. Christof Baron hat mit seiner Expertise und seinem herausragendem Know-how die gesamte Agenturgruppe bereichert.“
Jens-Uwe Steffens
Jens-Uwe Steffens, geschäftsführender Gesellschafter pilot
Jens-Uwe Steffens, geschäftsführender Gesellschafter pilot (Bild: pilot)
Das Ganze hat aber auch eine bittere Note. Baron ist Agentur-Mann durch und durch und war vor einem Pilot-Gastspiel 27 Jahre bei Mindshare. In den großen Media-Debatten der vergangenen Jahre spielte er eine ganz zentrale Rolle, sein Wort hatte Gewicht. Vielleicht wird er sich zukünftig ja aber regelmäßig als Vertreter der Kundenfront zu Wort melden.

Groß geäußert zum Ende von Pilot Frankfurt haben sich bisher weder Steffens noch Baron. Immerhin aber gibt es eine schmale Pressemitteilung. Darin lassen sich die beiden wie folgt zitieren.

Jens-Uwe Steffens: "Die gemeinsame Zeit war kurz, aber fachlich sehr intensiv. Christof Baron hat mit seiner Expertise und seinem herausragendem Know-how die gesamte Agenturgruppe bereichert. Nun wünschen wir ihm für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg."

Und Baron sagt: "Pilot Frankfurt war ein prägender Abschnitt in meinem beruflichen Werdegang. Der Aufbau eines neuen Agentur-Standortes war für mich eine spannende Aufgabe. Für dieses in mich gesetzte Vertrauen möchte ich mich herzlich bedanken." js

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