McCann-Erickson Kreativchef Bill Biancoli geht zum Jahresende

Donnerstag, 08. August 2013
Angeblich will Bill Biancoli dem Network nach anderthalb Jahren wieder den Rücken kehren
Angeblich will Bill Biancoli dem Network nach anderthalb Jahren wieder den Rücken kehren

Die deutsche Niederlassung von McCann-Erickson schafft es einfach nicht, aus den Negativschlagzeilen herauszukommen. Nachdem erst kürzlich die Trennung von Stammkunde Weight Watchers bekannt gegeben wurde, folgt nun die nächste Hiobsbotschaft: Chief Creative Officer Bill Biancoli wird das Network zum Jahresende verlassen. Wie die Agentur mitteilt, geht Biancoli auf eigenen Wunsch. Der Zeitpunkt erscheint auf den ersten Blick seltsam: Seit einigen Monaten feiert McCann Deutschland wieder Erfolge bei Kreativwettbewerben. So räumte das Team unter anderem zwei silberne ADC-Nägel und je eine silberne und bronzene Statuette bei der New Yorker One Show Design ab. Gold gab es außerdem beim ADC of Europe. Damit dürfte McCann gute Chancen haben, in diesem Jahr erstmals wieder eine nennenswerte Platzierung im HORIZONT-Kreativranking zu erreichen. Ein Platz unter den Top 20 erscheint realistisch. Für Biancoli wäre das ein großer Erfolg, schließlich hat der frühere Draft-FCB-Manager erst Anfang 2012 die kreative Führung der Networkagentur in Deutschland übernommen. Zudem spielte McCann vor Biancolis Einstieg mehrere Jahre lang kaum noch eine Rolle im Kreativranking.

Die Zusammenarbeit mit CEO Andreas Trautmann soll ebenfalls gut gewesen sein. Schließlich hatte Trautmann seinen früheren beruflichen Weggefährten und langjährigen Freund persönlich in die Agentur geholt. Entsprechend klingt auch Trautmanns Abschiedsnote für Biancoli: "Ich respektiere aber bedaure die Entscheidung meines Freundes und Kollegen Bill sehr und danke ihm für seinen ansteckenden Enthusiasmus, seinen enormen Einsatz über alle Standorte hinweg und seine fantastische Arbeit in den letzten 2 Jahren. Ich wünsche ihm alles erdenklich Gute für seine Zukunft."

Bleibt als mögliche Erklärung für Biancolis Abgang eigentlich nur die Europaführung. Gerüchten zufolge soll es vonseiten des internationalen Networks nicht genug Rückendeckung für die deutschen Manager geben. Zwar konnte das Team in den vergangenen anderthalb Jahren mit Homann und Hexal zwei neue Etats gewinnen, dem stehen jedoch die Verluste von Premium-Kunden wie Coca-Cola und Weight Watchers entgegen. Auf die Performance der deutschen Niederlassung angesprochen, flüchtete sich Europachef Gustavo Martinez zuletzt im HORIZONT-Interview in PR-Phrasen: "Wir bauen hier ein neues McCann auf, das braucht seine Zeit. Aber ich bin erfreut über die Fortschritte, die wir machen". Enthusiastisch hört sich das nicht gerade an. bu
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