Martin Sorrell WPP-Chef sieht USA und Europa unter Druck

Mittwoch, 16. September 2015
Martin sorrell auf der Dmexco
Martin sorrell auf der Dmexco
Foto: dfv
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Martin Sorrell WPP Dmexco Christian Muche


Immer und immer wieder hat Dmexco-Macher Christian Muche ihn in den letzten Jahren angefragt. Diesmal ist Martin Sorrell endlich nach Köln gekommen. Der Chef der weltgrößten Werbeholding WPP stimmte die Teilnehmer der Dmexco auf weiteres Wachstum im Digitalgeschäft ein, warnte aber vor einer dramatischen Veränderung der internationalen Kräfteverhältnisse.
Was die Perspektiven des Werbemarkts angeht, ist Sorrell grundsätzlich optimistisch. Vor allem, wenn es ums Digitale geht. Aus Sicht von Sorrell werden die globalen Werbespendings zwar auch insgesamt weiter ansteigen. Die größten Wachstumssprünge sagt er aber, wenig überraschend, den digitalen Medien voraus - und hier vor allem der mobilen Werbung, die laut Sorrell in den kommenden Jahren am stärksten zulegen wird.

Dies begründete der WPP-Boss auch mit dem zum Teil krassen Missverhältnis zwischen den Werbespendings der einzelnen Kanäle und der Zeit, die Verbraucher mit den jeweiligen Medien verbringen. Beispiel Print: Sorrell präsentierte Zahlen, denen zufolge 18 Prozent der Werbeumsätze auf Zeitungen und Zeitschriften entfallen. Der Anteil von Print an der gesamten Mediennutzungszeit liegt laut Sorrell aber bei inzwischen nur noch 4 Prozent. Bei Mobile ist es genau anders herum. Obwohl die Verbraucher inzwischen 24 Prozent ihrer Mediennutzungszeit mit dem Smartphone verbringen, liegt der Anteil an den Werbespendings gerade einmal bei mickrigen 8 Prozent.
Martin Sorrell
Bild: Cannes Lions

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Was den Werbemarkt insgesamt in den kommenden Jahren dramatisch beeinflussen wird, ist aus Sicht von Sorrell der Aufstieg einstiger Schwellenländer. "Die Machtverhältnisse ändern sich dramatisch", so Sorrell. Vor allem China und Indien, aber auch viele andere Märkte in Südostasien und Südamerika seien drauf und dran, dem Westen und damit traditionellen Wirtschaftsriesen wie den USA, Deutschland und Frankreich den Rang abzulaufen. Wie sich ein Werbekonzern aufstellen muss, um zu überleben, machte Sorrell am Beispiel von WPP deutlich. So sei der Konzern inzwischen in 112 Ländern tätig, in Zukunft sollen es noch deutlich mehr werden. "Wir haben bereits unseren Mann in Havanna", spielte Sorrell auf den Romanklassiker von Graham Greene an. Bald wird wohl überall auf der Welt ein WPP-Mann sitzen. mas
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