Martin Sorrell WPP-Boss sät Zweifel an Merger von Publicis und Omnicom

Donnerstag, 17. April 2014
Für WPP-CEO Martin Sorrell ist der Merger noch längst nicht in trockenen Tüchern
Für WPP-CEO Martin Sorrell ist der Merger noch längst nicht in trockenen Tüchern

Der weltweite CEO der britischen Agenturholding WPP Martin Sorrell ist bekanntlich ein versierter Finanztaktiker. Mit öffentlichen Äußerungen zu der angestrebten Fusion der beiden Wettbewerber Publicis und Omnicom hielt er sich bislang allerdings zurück. Doch während des alljährlichen Kongresses der britischen Zeitungsverleger Newswork's Shift diese Woche in London holte Sorrell zum gezielten Gegenschlag aus. Auf dem Podium meldete er seine Zweifel an der geplanten Fusion der Pariser und New Yorker Agenturgruppen an. "Sie sagen zwar, dass es sich dabei um einen Merger von Gleichberechtigten handelt, aber technisch ist das unmöglich", erklärte Sorrell. Aus Sicht der Buchhaltung müsse es eine Firma geben, die die andere übernehme. Zudem hätte sich in den vergangenen Wochen laut Sorrell gezeigt, dass noch diverse strukturelle Punkte zu klären seien: etwa der Hauptsitzt der Firmen, Steuerfragen und wie die Agenturholdings wie von ihnen angekündigt, Anteile an ihren Firmen zurückkaufen wollen.

Wie der britische Fachdienst "Campaign" weiter berichtet, glaubt Sorrell auch nicht daran, dass der wie auch immer geartete Merger im dritten Quartal oder erst im vierten Quartal in trockenen Tüchern sein wird. Sorrells Worten zufolge habe die Fusion noch "große Hürden zu nehmen", sodass sie sich sogar noch bis ins kommende Jahr 2015 hinziehen könnte.

Für die börsennotierten Konzerne Publicis und Omnicom sind das keine guten Nachrichten. Für WPP-Boss Sorrell schon, denn noch herrscht er mit einem Gesamtumsatz von rund 12,5 Milliarden Euro über die größte Agenturgruppe der Welt. Eine vereinte Publicis-Omnicom-Gruppe aber würde WPP mit einem konsolidierten Umsatz von fast 18 Milliarden Euro rechts überholen.

Aber noch ist es nicht so weit. Im vergangenen November gingen CEO Maurice Lévy (Publicis) und CEO John Wren (Omnicom) davon aus, dass sie den Deal schon im ersten Quartal 2014 unter Dach und Fach haben werden. Und es sah lange danach aus, dass sie den größten Agenturzusammenschluss der Geschichte tatsächlich in Rekordzeit managen könnten.

Bereits Anfang Januar winkte die Europäische Kommission den Fusionsplan ohne weitere Bedingungen durch. Auch andere wichtige Märkte signalisierten schnell ihre Bereitschaft. Ob inzwischen auch die US-Behörden zugestimmt haben, ist nicht bekannt.

Die wesentlich höhere Hürde aber dürfte China sein. Die dortigen Aufsichtsbehörden haben den Zeitplan von Lévy und Wren schon kräftig durcheinander gebracht, weil sie anscheinend doch gewisse Zweifel an dem Unterfangen hegen.

Genau so haben sich chinesischen Kartellwächter aber auch bei der Übernahme der Londoner Aegis Group durch die japanische Dentsu-Gruppe verhalten. Sie ging am Ende zwar glatt über die Bühne, aber die Verträge konnten erst im vergangenen Frühjahr mit mehr als einem halben Jahr Verspätung unterzeichnet werden. ejej
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