Marco Zingler zum BVDW Ranking „Die ganz großen Töpfe knacken“

Freitag, 24. April 2015
Marco Zingler
Marco Zingler
Foto: BVDW

Gestern hat der BVDW das Ranking der Internetagenturen präsentiert. HORIZONT hat mit Marco Zingler, dem Vorsitzenden des Fachkreises Full-Service-Digitalagenturen im BVDW, über das Business der deutschen Digitaldienstsleister gesprochen - und darüber, ob weiteres Wachtum möglich ist.

Die Digitalagenturen legen weiter zu. Laut aktuellem Ranking wuchs allein der Honorarumsatz der Top 20 im Vorjahresvergleich um 15 Prozent. Wie lange wird das noch weiter so gut gehen? Noch sehr lange. Ich bin überzeugt, dass derart hohe Umsatzsteigerungen noch mindestens in den nächsten fünf Jahren möglich sind. Die Zeit, in der unsere Kunden die strategische Bedeutung der digitalen Transformation für ihr Business erkennen, beginnt ja erst. Die Digitalagenturen fangen jetzt erst wirklich damit an, die ganz großen Töpfe zu knacken.

Das hören wir aus der Branche doch schon seit Jahren. Der Trend ist nicht neu. Aber wir treten jetzt in eine völlig neue Phase ein. Die Herausforderungen für die Unternehmen durch die digitale Transformation nehmen ständig zu und werden immer schneller. Es ist noch nicht so lange her, dass diese Themen tatsächlich auf der Führungsebene unserer Kunden angekommen sind.
Klaus, Manfred_Plan.net
Bild: Plan.net/Serviceplan

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Entsprechend groß ist der Wettbewerbsdruck, nicht nur innerhalb der Digitalagenturen. Auch klassische Werbeagenturen, IT-Berater und Consultants haben längst digital aufgerüstet. Das sehe ich gelassen. Consultants etwa haben keinerlei Umsetzungskompetenz, sie kennen weder die Nutzer hinreichend gut, noch haben sie die erforderlichen Technologien. IT-Berater können nichts außer Technologie, schon bei Fragen der Usability etwa sehe ich da wenig Kompetenzen. Und klassische Agenturen sind zwar im Marketing gut aufgestellt, haben aber keine wirklich durchdringende Digitalkompetenz.

Viele Kunden scheinen das anders zu sehen, schließlich generieren die eben genannten durchaus eine Menge digitalen Umsatz. Lassen sich die einzelnen Disziplinen überhaupt noch zwischen den einzelnen Dienstleistern abgrenzen? Oberflächlich betrachtet vielleicht nicht. Aber wenn Sie in die Tiefe gehen, schon. Digitalagenturen zeichnet dabei vor allem aus, dass sie dank permanenter Investitionen die Technikkompetenz auch wirklich im eigenen Haus haben.

Das allerdings schmälert die Effizienz. Verglichen mit klassischen inhabergeführten Werbeagenturen etwa liegt der Pro-Kopf-Umsatz bei den Digitalen um einiges niedriger. Das stimmt und wird sich meines Erachtens auch nicht maßgeblich ändern lassen. Ständige Investitionen in neue Technologien sind evident wichtig für den weiteren Erfolg der Digitalagenturen. Wer da nicht mitmacht, wird schnell vom digitalen Tsunami hinweg gefegt.
„Social Media ist unserer Meinung nach inzwischen fester Bestandteil des gesamten Onlinemarketings. Deshalb bedarf es hier keiner separaten Betrachtung mehr. “
Marco Zingler
Dennoch klagen manche in der Branche über weiter steigenden Honorardruck. Programmierleistungen etwa würden immer öfter in Billiglohnländer vergeben. Wie ernst ist die Lage? Nach meinen Erkenntnissen ist die Lage in diesem Punkt überhaupt nicht ernst. Klassisches IT-Outsourcing klappt ja nur bei sehr einfachen Dienstleistungen. Bei Projekten mit echter Innovationskraft geht das nicht. Wesentlich herausfordernder sehe ich für unsere Branche den steigenden Margendruck und vor allem diese Pitcheritis. Es geht nicht nur mir wirklich auf die Nerven, wie oft und mit wie vielen Teilnehmern die Unternehmen inzwischen um jedes noch so kleine Projekt pitchen lassen.

Plan.net hat 2014 Hmmh übernommen, UDG nimmt neue Mitglieder auf. Steht den Digitalagenturen eine neue Konsolidierungswelle bevor? Nein. Die Konsolidierung ist größtenteils abgeschlossen. Es gibt ja kaum mehr unabhängige Digitalagenturen, die eine attraktive Übernahmegröße hätten. 

Zur Person

Marco Zingler ist Geschäftsführer Kölner Digitalagentur Denkwerk und Vorsitzender des Fachkreises Full-Service-Digitalagenturen im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW).
Und was ist mit Denkwerk, wie lange wird Ihre Agentur noch unabhängig sein? Wir haben zwar auch schon viele Angebote bekommen und Gespräche geführt. Aber nein, wir verkaufen nicht. Wir sind furchtbar gerne unabhängige Unternehmer.

Eine letzte Frage: Im aktuellen Ranking Internetagenturen wurden einige Kategorien der Subrankings geändert. Nicht alle Agenturen sind davon begeistert. Warum beispielsweise wurde Social Media als eigene Kategorie gestrichen? Der Digitalmarkt entwickelt sich ständig weiter und so passen wir auch die Kategorien der Subrankings permanent an.

Zur Person

Marco Zingler ist Geschäftsführer Kölner Digitalagentur Denkwerk und Vorsitzender des Fachkreises Full-Service-Digitalagenturen im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW).
Ich möchte an dieser Stelle alle BVDW-Mitgliedsagenturen herzlich dazu einladen, sich in unserer Fachgruppe zu engagieren und bereits im Vorfeld des Rankings eigene Vorschläge einzubringen. as 

 

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