Lieblingswitze Worüber deutsche Politiker lachen

Donnerstag, 19. September 2013
Ralph Kappes hat Politiker nach ihren Lieblingswitzen gefragt (Foto: VSF&P)
Ralph Kappes hat Politiker nach ihren Lieblingswitzen gefragt (Foto: VSF&P)

Am Sonntag ist der Tag der Entscheidung, dann findet die Bundestagswahl statt. Es wird also ernst. Ist da Zeit für Witze? Na klar. Das findet zumindest Ralph Kappes, Managing Partner bei der Hamburger Werbeagentur VSF&P. Zusammen mit Hans Peter Brugger hat er das Buch "Die Lieblingswitze deutscher Politiker" verfasst. Zuletzt sind einige davon auf Edgar-Karten erschienen. Im Interview erklärt Kappes, wie es zu dem Buch kam.

"Herr Genscher gilt als Witze-Freak"

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Buch mit Lieblingswitzen von Politikern zu machen?

Die Idee kam eigentlich aus meiner Heimat der Schweiz. Mein alter Freund und Reklametexter Hans Peter Brugger hatte das Buch "Die Lieblingswitze des Schweizer Parlaments" zur Wahl 2011 herausgebracht, und er wollte das Projekt auch in Deutschland zur Wahl 2013 starten. Bei meiner Hochzeitsfeier haben wir beschlossen, dass ich miteinsteige, um über so einige Verbindungen an weitere bekannte Politiker zu kommen. Die "Mindestanforderung" war Mitglied des Bundestags oder "Legende der Politik".

Wie sind Sie vorgegangen?
Recherche, Recherche, Recherche und viele, viele Emails schreiben. Und nachfassen, nachfassen, nachfassen. Außerdem Druck erzeugen durch Statements wie "Jetzt ist auch Herr Genscher dabei - was meinen Sie denn, Herr Rösler".

Wie leicht oder schwer war es denn, die Politiker zum Mitmachen zu bewegen?
Na ja wie man es nimmt. 80 machten final mit. Von über 700, die hätten mitmachen können. Da wäre also schon noch Potenzial gewesen. Es gab formvollendete Absagen, aber auch ganz stumpfe Ausreden, nachzulesen in der Rubrik "Danke". Toll war der Einsatz von Frau Kornek, der Assistentin von Gregor Gysi. Der teilte ganz am Anfang mit, dass er Witze nur erzählen und nicht schreiben könne. Später schrieb er dann, dass er nun doch einen Witz liefern könne - das war genau an seinem 65. Geburtstag. Vielen Dank, Herr Gysi!

Bei wem haben Sie auf Granit gebissen?
Bei Philip Rösler. Trotz Zusagen von Walter Scheel, der Herren Genscher und Brüderle sowie Ministerkollege Dirk Niebel schaffte es seine reizende Assistentin Mareike Goldmann leider auch in fünf Anläufen nicht, ihn zu überzeugen.

Und von wem kamen die originellsten Absagen?
Von der Kanzlerin. Total lustig. Auch nachzulesen in der Rubrik "Danke" im Buch. Oder Olaf Scholz, der Witze nur adhoc erzählt, und es fiel ihm einfach keiner ein. Sehr gut auch Klaus Kinkel, der schrieb "... Aber fragen Sie doch mal Herrn Genscher, der gilt als Witze-Freak".
Was hat Sie am meisten enttäuscht?
Traurig fand war das explizite Nicht-Mitmachen-Wollen von Fritz Kuhn, Gerhard Schröder und Jürgen Trittin. Die hatten öffentlich mal einen Lieblingswitz erzählt - Kuhn zum Beispiel im TV, Trittin den legendären "Westerwelle-Witz" im Bundestag. Die hätten wir unter Quellenverweis publizieren dürfen. Taten wir aber nicht, denn wer expressis verbis nicht mitmachen möchte, der hat es nicht verdient. Kein Humor.

Was haben Sie über das Humorverständnis von Politikern gelernt?
Wir wollten vor allem zeigen, dass es den "Menschen" hinter der politischen Person gibt. Der eine lacht über politische Witze, der andere über ganz normale Witze aus dem Leben, der andere über zynische Dinge. So wie das Leben halt ist. Aber wenn man den individuellen Witz genau liest, erkennt man doch recht viel über die Persönlichkeit, die hinter dem Witz steht. Schließlich ist es der Lieblingswitz - und das hat einen Grund. Orakel, Orakel ...
Interview: Mehrdad Amirkhizi
Meist gelesen
stats