LLR-Geschäftsführer Lindemann "Keine Behörde für schnelle Reklameangelegenheiten"

Montag, 18. August 2014
Arno Lindemann: "Man muss verdammt gut sein"
Arno Lindemann: "Man muss verdammt gut sein"

Was zeichnet gutes Bewegtbild aus? Für Arno Lindemann, Geschäftsführer von LLR, steht fest: Qualität kostet Geld, sowohl bei der Ideenfindung als auch bei der Exekution von Spot- und Videoformaten.
Als Geschäftsführer einer Agentur haben Sie täglich mit kreativen Produkten zu tun, darunter auch viel Bewegtbild. Welches Onlinevideo hat Sie zuletzt besonders beeindruckt? Der fünfminütige WM-Spot "The Game before the Game" von Beats by Dre mit dem brasilianischen Spieler Neymar. Das ist ein sehr gutes Musikvideo, wenn man so will. Ich fand die Musik sogar so gut, dass ich tatsächlich die fünf Minuten durchgeschaut habe. Das ist selten bei Online Content.


Sie sagen es. Es gibt eine Menge Schlechtes im Netz. Warum tun sich Marketer und Kreative hierzulande immer noch so schwer, überzeugende Formate für Online-Bewegtbild zu entwickeln?Wir alle müssen endlich begreifen, dass man online nicht alles umsonst bekommt. Man muss verdammt gut sein. Und damit meine ich nicht nur die Idee, sondern auch die Exekution. Gerade weil wir im Netz mit der ganzen Welt und mit zig Millionen Inhalten jede Minute konkurrieren.


Bei Nielsen gibt es erste Versuche, die Reichweite von Onlinevideos zu messen. Auch die Arbeitsgemeinschaft Onlineforschung arbeitet an einer einheitlichen Währung. Würde das das Problem lösen?Auf Youtube kann man sich heute genauso Reichweite kaufen wie im TV. In dem Maße, in dem Unternehmen über diese Möglichkeiten aufgeklärt sind, wird man mehr Buchungen sehen. Das Gleiche passierte damals mit Print und Bannern.


Sind denn wirklich nur die Kunden schuld? Fehlt es nicht auch an Dienstleistern, die in der Lage sind, herausragendes Online-Bewegtbild zu produzieren?Es gibt keinen Dienstleister da draußen, der sich nicht richtig Mühe gibt, um das beste Ergebnis zu erzeugen. Wir haben gerade erst unglaublichen Einsatz von Produktionen wie The Mill, Infected und Markenfilm Crossing erfahren dürfen, die sich speziell für neue Herausforderungen im Online-Bewegtbild aufstellen. Leider wird dieser enorme Einsatz selten honoriert.


Zur Person:

Arno Lindemann ist einer von drei Geschäftsführern der Agentur Lukas Lindemann Rosinski (LLR) in Hamburg, die 2008 aus Jung von Matt/Fleet hervorging. LLR beschäftigt knapp 80 Mitarbeiter und betreut Kunden wie Adidas, Bionade, Germanwings, Mercedes-Benz und Subway.

Wie lange werden Agenturen und Produktionen das mitmachen?
Gott sei Dank nimmt der Glaube, man könne einen mittelmäßigen Spot ins Netz stellen, der sich dann von selbst verbreitet, langsam ab. Ich habe immer noch die große Hoffnung, dass Qualität siegt. Wir sind kreative Ideengeber und eben keine Behörde für schnelle und billige Reklameangelegenheiten.


Sprechen wir über gute Beispiele. Welche Inhalte begeistern Sie?Ich mag es, wenn Marken Stunts wagen und "People Stories" statt "Company Stories" erzählen. Wie Bud Light mit "Whatever happens". Ein schönes Beispiel sind auch die Branded-Content-Filme von Unilever für Cornetto Cupidity - sieben emotionale Love Stories aus dem Herz der Marke Langnese. Oder die Idee " First last Words" von Vodafone, mit der man eine ganze Sprache retten möchte.




Ähnlich wie viele Spots, die sich viral verbreiten, haben einige dieser Beispiele ihren Ursprung nicht im Netz, sondern in einer Live-Aktion.Das stimmt. Trotzdem wurden sie als Branded Experience ganz speziell für Online konzipiert. Bei solchen Arbeiten geht es nicht immer um die riesige Anzahl von Menschen, die man direkt erreicht hat, sondern um Content, den man sich gern anschaut und dann auch gern teilt, weil er einen berührt oder zum Lächeln bringt. Dann ist die Marke im Gespräch und das ist letztendlich das Ziel.

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Um die wichtigsten Trends im Bewegtbildmarkt wird es auch am 26. und 27. November in München gehen – auf dem ersten HORIZONT Bewegtbildgipfel. Im Fokus: TV und Digital, Youtube und Google, Rabatte, Reichweite und Umfeld. Weitere Infos und Anmeldung unter www.conferencegroup.de.

Welche Plattformen sind für Sie persönlich die wichtigsten?Ich benutze den Newsfeed auf Facebook noch immer als Hauptinformationsquelle. Da ich mit sehr vielen interessanten Leuten vernetzt bin, bekomme ich so eigentlich alle Live-Informationen, die mich bewegen. Sonst verbringe ich Zeit auf und mit Spotify, Vimeo und Pinterest.


Apropos Facebook: Dort gibt es ab Herbst ein neues Premium-Format für gezielte Bewegtbildwerbung mit Autoplayfunktion. Spielt dieses Angebot für Sie und Ihre Kunden bereits eine Rolle?Ja. Gerade haben wir unserem Kunden Adidas dieses Format vorgeschlagen. Das könnte gut passen und wird gerade geprüft. Interview: Julia Bröder

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