Kreativwettbewerbe DDB will nicht mehr an Award-Shows teilnehmen

Donnerstag, 14. Januar 2016
Amir Kassaei zieht sich mit DDB aus dem Award-Zirkus zurück
Amir Kassaei zieht sich mit DDB aus dem Award-Zirkus zurück
Foto: DDB
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DDB Kreativwettbewerb Amir Kassaie


Amir Kassaei, weltweiter Kreativchef von DDB, macht schon länger keinen Hehl daraus, dass er nicht mehr viel für Kreativwettbewerbe und das Rennen um Rankingpunkte übrig hat. Jetzt kündigt er in einem Gastbeitrag für "Campaign US" an, dass sich seine Agentur vom Award-Zirkus verabschieden wird. "Man wird weniger Arbeiten von DDB bei den Shows sehen", schreibt der 47-Jährige.
Auf Nachfrage von HORIZONT konkretisiert Kassaei, dass die Agentur nur noch eine Handvoll Arbeiten pro Jahr einreichen werde - und das auch nur dann, wenn es relevante Kampagnen seien, die den Kunden weiterhelfen. Denn, so Kassaei in seinem Gastbeitrag, die meisten heute prämierten Arbeiten seien solche, die einzig und allein zu dem Zweck entwickelt wurden, bei Wettbewerben zu gewinnen - "irrelevante Lösungen für Probleme, die oft noch nicht mal existieren". Besonders harte Kritik übt der CCO an den in den vergangenen Jahren sehr häufig prämierten Social-Kampagnen. Wenn man so tue, als würde man die großen Probleme der Welt lösen und entrechteten Menschen helfen wollen, in Wahrheit aber nur nach Trophäen schiele, dann sei das zynisch, in einiger Fällen vielleicht sogar kriminell. "Die Agenturbranche hat aus dem Fokus verloren, worum es eigentlich geht: Unser kreatives Talent zu nutzen, um substanzielle Ergebnisse für Marken, Produkte und Services zu erzielen", findet Kassaei.

Das bisherige Spiel will er mit DDB jetzt nicht mehr mitspielen - auch wenn der Preis dafür sei, dass die Agentur bei den großen Award Shows und in der Folge in den einschlägigen Kreativrankings keine Rolle mehr spielt. Tatsächlich kritisiert Kassaei schon länger die gängige Wettbewerbspraxis. Gleichwohl hat er sich mit DDB lange Zeit daran beteiligt. Die Agentur gehört zu den weltweit am häufigsten ausgezeichneten. Das gelingt nicht nur mit relevanten Arbeiten auf echten Briefings für echte Kunden. Trotzdem soll jetzt Schluss sein mit dem bisherigen Vorgehen, und das weltweit.

In Deutschland hatten in den vergangenen Jahren mehrere Agenturen angekündigt, ihr Award-Engagement zurückzufahren - aus unterschiedlichen Gründen. Einige wollen vor allem Geld sparen, andere - wie zum Beispiel Jung von Matt - nehmen nur noch alle zwei Jahre teil. Wiederum andere halten das Treiben schlichtweg für Wahnsinn und wollen aus prinzipiellen Erwägungen nicht oder nur noch in reduziertem Umfang mitmachen. mam
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