Kreativranking 2015 Exit-Sprecher Fabian Wichmann: "Rechts gegen Rechts hat Vorbildcharakter"

Montag, 14. Dezember 2015
Fabian Wichmann ist bei Exit Deutschland verantwortlich für die Erfolgskampagne "Rechts gegen Rechts"
Fabian Wichmann ist bei Exit Deutschland verantwortlich für die Erfolgskampagne "Rechts gegen Rechts"
Foto: ZDK

Die Nazi-Aussteigerorganisation Exit Deutschland arbeitet bereits seit vielen Jahren mit Grabarz & Partner zusammen. Bei "Rechts gegen Rechts", dem "unfreiwilligsten Spendenlauf Deutschlands", war außerdem GGH Lowe mit an Bord. Fabian Wichmann, Sprecher von Exit, erklärt, wie es zu dieser ungewöhnlichen Konstellation kam und weshalb die Kampagne nicht nur für das kreative Renommée der beteiligten Agenturen wichtig war, sondern überdies das verantwortliche Team beim Zentrum Demokratische Kultur (ZDK) in ihrer täglichen Arbeit bestärkt.

"Rechts gegen Rechts" hat den verantwortlichen Agenturen viele Auszeichnungen und die Top-Positionen im Kreativranking beschert. Was hat der Anti-Nazi-Marsch für Exit Deutschland getan? Eine Menge! Die Aktion hat Vorbildcharakter. Insgesamt haben bereits mehr als 13 Läufe in Deutschland nach dieser Mechanik stattgefunden. So konnten rund 40000 Euro Spenden generiert werden – und zwar nicht nur für Exit, sondern auch für andere Initiativen wie Flüchtlings- und Willkommensprojekte.

Die Kreation "Rechts gegen Rechts" von GGH Lowe und Grabarz holt Gold beim NMA
Bild: Screenshot Youtube / Rechts gegen Rechts

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Wer hatte eigentlich die ursprüngliche Idee zu dem Marsch? Ist die Agentur damit auf Sie zugekommen? Nein. Die ursprüngliche Idee ist damals in einem Brainstorming mit einem Mitarbeiter von Grabarz & Partner und mir entstanden. Wir arbeiten ja seit vielen Jahren sehr konstruktiv miteinander. Bis zur Umsetzung gingen dann zwei Jahre ins Land. In der Zwischenzeit hatte der Mitarbeiter die Agentur gewechselt. Aufgrund der Komplexität der Idee haben beide Agenturen dann ganz unbürokratisch entschieden, die Idee in einem gemischten Team gemeinsam umzusetzen.

Die ganze Aktion war recht heikel und hätte leicht nach hinten losgehen können. Haben die rechtsextremen Marsch-Teilnehmer gemerkt, dass sie hier ordentlich durch den Kakao gezogen werden? Erst mal nicht. Die meisten dachten, unsere bunten Banner und Parolen seien eine Art Straßenkabarett. Die ganze Kraft der Kampagne entfaltete sich erst in dem Video, das wir anschließend gemacht haben und das eine unglaubliche PR-Wirkung erzeugt hat.

Sie haben vorhin angemerkt, dass es nach Wunsiedel 2014 weitere Läufe nach dem gleichen Prinzip gab. Langsam müsste die rechte Szene doch kapieren, dass sie gegen sich selbst marschiert? Fürchten Sie keine Anfeindungen oder Gewaltausbrüche? Wenn wir für Exit Deutschland eine solche Aktion veranstalten, konzentrieren wir und unsere lokalen Partner uns bewusst auf sogenannte Trauermärsche. Dort gibt es einen ganz bestimmten Verhaltenskodex. Deshalb kommt es bei solchen Veranstaltungen eher selten zu Ausschreitungen.

Sie werden die Kampagne also weiter fortsetzen? Das tun wir. In den letzten Monaten haben wir Märsche in Remagen, Plauen und Stendal mit den Kampagnenplakaten ausgestattet. Außerdem gibt es ja auch noch unsere Facebook-Aktion „Hass hilft“, bei der Hasskommentare in Spenden umgewandelt werden. Auch das läuft gut. Wir haben sogar schon Anfragen von ausländischen Organisationen erhalten, die diese Idee übernehmen sollen. bu

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