Kreativexperten über die Fleurop-Spots Lob für "nackte Ästhetik", Kritik für pathetisches Voice Over

Montag, 04. April 2016
Szene aus einem der drei bislang veröffentlichten Fleurop-Spots
Szene aus einem der drei bislang veröffentlichten Fleurop-Spots
Foto: Screenshot Youtube / Fleurop Germany

Vergangene Woche sorgte Fleurop mit seiner TV-Kampagne in der HORIZONT-Redaktion für reichlich Fragezeichen - und geteilte Meinungen bei unseren Lesern auf Facebook. Was sagen Kreativprofis zu den TV-Spots, die der Blumenversender in der Best Minute kurz vor der "Tagesschau" schaltet? HORIZONT Oline hat nachgefragt.
Im Großen und Ganzen sind Stefan Schmidt, Co-Gründer und Kreativchef von Dieckertschmidt, sowie Oliver Frank, Kreativchef von VCCP Berlin, von dem Auftritt begeistert. Allerdings finden auch sie einige Kritikpunkte.
Dieckertschmidt-Mitbegründer Stefan Schmidt
Dieckertschmidt-Mitbegründer Stefan Schmidt (Bild: Dieckertschmidt)
Beide loben zunächst einmal das Unkonventionelle an der Kampagne - weg von Friede-Freude-Eierkuchen-Bildern hin zu Szenen, in denen Streit und Einsamkeit im Vordergrund stehen. "Sehr, sehr toll. Weil die erste aller Regeln beachtet wurde, die erfolgreiche Kommunikation braucht: Erstmal auffallen, sonst guckt keiner, dann erst predigen", so Schmidt. Um Aufmerksamkeit zu bekommen, müsse man raus aus der Imitationsfalle. Weg von dem Einheitsbrei, in dem alle Spots gleich gedreht und vertont seien.

Auch Frank lobt die "nackte Ästhetik" und das "unerwartete Casting" der Spots. "Meine Anerkennung, die meisten Momente im Leben in den Mittelpunkt zu rücken - weil Blumen manchmal können, was alles andere nicht kann." Für den VCCP-Chef sehen die Filme sehen zunächst "herrlich undeutsch" aus, allen voran die Vater & Sohn Story. Auch der Rentner im Café sei bewusst und sensibel gefilmt. Frank: "Ich mag, wie mich die Kamera ihn entdecken lässt."

Szene aus einem der drei bislang veröffentlichten Fleurop-Spots
Bild: Screenshot Youtube / Fleurop Germany

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Die Strategie wird von den beiden Kreativchefs ebenfalls positiv gewürdigt. "Blumen gehören in den Alltag. Denn sie machen jeden Tag ein bisschen schöner. Deshalb verdient jeder von uns eigentlich immer Blumen. Denken Sie daran - würde ich sofort als Strategie kaufen. Glaubwürdiger Insight", erklärt Schmidt.

VCCP-Kreativchef Oliver Frank
VCCP-Kreativchef Oliver Frank (Bild: Oliver Frank)
Große Kritik bekommen die inhouse kreierten und von Film Five in Berlin produzierten Spots (Regie: Sonja Müller und Yan Schoenefeld) dagegen für das Voice Over. "Was schiefgeht, ist leider der pathetische Voice-Over-Text, weil er wichtig sein will. Mein erstes Gefühl nach den Filmen war: Why didn’t you go all the way?", so Frank. Viel lieber hätte er die Darsteller beobachtet, ihre Seltsamkeit, ihre Einsamkeit, ihre Verzweiflung, sie in ihrem "Gefühl ohne Beipackzettel-Text" verstanden. Schmidt schlägt in die gleiche Kerbe: "Situationen, die kaum oder keinen Voice Over gebraucht hätten, hätte ich noch toller gefunden."

Die Bedenken der HORIZONT-Online-Redaktion, ob die Botschaft beim Fernsehzuschauer auf die Schnelle überhaupt ankommt, sieht Schmidt nicht. "Niemand muss alles immer schnell verstehen." Die Fleurop-Spots seien eben anders. Und damit seien sie interessant. Die Kampagne werde "durchs Herz bewegen". "Jeder verdient Blumen" ist laut Frank ein großer Gedanke. Aber: "Just don't try too hard."

Die weiteren drei der insgesamt sechs Kampagnenspots launcht Fleurop sukzessive in den kommenden Wochen. jeb
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