Konzernbilanz Publicis schreibt mehr als 1 Milliarde Euro auf Sapient ab - und rutscht in die roten Zahlen

Donnerstag, 09. Februar 2017
2016 war kein gutes Jahr für Publicis-Chef Maurice Lévy
2016 war kein gutes Jahr für Publicis-Chef Maurice Lévy
© Arthur Delloye
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Publicis Groupe S.A. Sapient Maurice Lévy Alan Herrick


Der französische Werbekonzern Publicis hat die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr 2016 vorgelegt. Die Zahlen fallen nicht sonderlich gut aus. Die Gruppe konnte den Umsatz organisch - also ohne Zukäufe und Währungseffekte - nur um 0,7 Prozent auf 9,73 Milliarden Euro steigern. Im Schlussquartal sank der Umsatz sogar um 2,5 Prozent. Schlimmer noch: Wegen einer hohen Abschreibung auf die Digitalsparte Publicis.Sapient rutscht das Unternehmen in die roten Zahlen.
Wie der scheidende CEO Maurice Lévy bei der Präsentation der Bilanz erklärte, hat sich das Geschäft von Sapient nicht so entwickelt wie erhofft. Zwar konnte die Digitalagentur um 7 Prozent zulegen, offenbar hatten sich die Verantwortlichen aber mehr erwartet. "Unser Business-Plan war wohl zu ambitioniert", so Lévy gegenüber Journalisten. Zudem gab es massive Probleme bei der Agentur Razorfish, die nicht zuletzt als Reaktion darauf mit der Schwestermarke Sapient Nitro fusioniert wird. Insgesamt hat die Gruppe rund 1,4 Milliarden Euro auf die Digitalsparte Publicis.Sapient abgeschrieben. Dadurch ergibt sich ein Jahresverlust von 527 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte Publicis einen Gewinn von 900 Millionen Euro erwirtschaftet. Die Holding hatte die Digitalagenturgruppe Sapient 2015 für einen Kaufpreis von 3,7 Milliarden US-Dollar erworben. Schon damals staunten viele Beobachter über die Höhe der Summe, die Lévy für Sapient ausgab. Jetzt folgt die Abschreibung und die Bereinigung der Bilanz - womöglich auch im Hinblick auf den Stabwechsel an der Konzernspitze im Juni. Dann übergibt der langjährige Chef Lévy den CEO-Posten an Arthur Sadoun und wechselt selbst als Vorsitzender in den Aufsichtsrat. Die hohe Abschreibung auf Sapient erklärt womöglich auf, warum deren langjähriger Chef Alan Herrick, der zwischenzeitlich als Lévy-Nachfolger gehandelt wurde, in dem neuen Führungs-Setup keine Rolle spielt.

Die operative Marge konnte trotz der Belastungen in der Digitalsparte weiter erhöht werden, um 0,1 Punkte auf 15,6 Prozent. Am besten liefen die Geschäfte 2016 in Europa, für diese Region meldet Publicis ein organisches Wachstum von 5,9 Prozent. In Deutschland fällt das Plus sogar noch höher aus (8 Prozent). Wenig erfreulich sieht dagegen die Bilanz in Nordamerika aus. Hier sank der Umsatz im vorigen Jahr um 2,2 Prozent, nachdem mehrere Etatverluste wirksam wurden. Trotz der wenig erfreulichen Bilanz blickt das Unternehmen positiv in die Zukunft. Man halte an den wirtschaftlichen Zielen fest, so Noch-CEO Lévy. mam
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