Konkurrenz für die Cannes Lions Wie One Club und ADC zum größten Kreativclub der Welt werden wollen

Freitag, 24. März 2017
Zwei Kreativwettbewerb, eine Dachorganisation: One Show und ADC Global
Zwei Kreativwettbewerb, eine Dachorganisation: One Show und ADC Global
Foto: TOCC

Von der Abkürzung TOCC wird die globale Kreativszene in Zukunft sicherlich noch einiges hören. Sie steht für The One Club for Creativity und ist die neue Dachorganisation der Kreativwettbewerbe One Show und ADC Global. Ihre Wurzeln liegen in dem 1973 gegründeten One Club for Art & Copy. 

Im Oktober 2016 hatten die Non-Profit-Organisationen The One Club und ADC Global ihre Fusion bekannt gegeben. Jetzt fand die erste gemeinsame Jurysitzung auf Bermuda statt. Dabei war einigen Juroren anfangs nicht ganz klar, für welchen Wettbewerb sie nun eigentlich die Einsendungen beurteilen sollten. Man kann sich tatsächlich fragen, weshalb der TOCC an seiner Zwei-Marken-Strategie festhält. Ein gemeinsamer, großer Wettbewerb erscheint sinnvoller, um der übermächtigen Konkurrenz durch die Cannes Lions künftig die Stirn bieten zu können. 

Es gibt mehrere Gründe, weshalb beide Shows dennoch parallel fortgeführt werden: Laut TOCC-CEO Kevin Swanepoel gibt es zwischen den Einsendern des One Club und des ADC lediglich eine Überschneidung von rund 30 Prozent. Während der ADC Global bei den US- Designern einen sehr guten Ruf genießt, ist die One Show vor allem ein Wettbewerb für die Werbebranche. Letzteres soll auch so bleiben. Mit dem ADC hingegen wolle man sich weiter für Disziplinen jenseits der Werbung öffnen. Neben Design denkt Swanepoel hier beispielsweise an Architektur und Gaming. Noch gibt es bei beiden Shows viele redundante Kategorien. Das wolle man sukzessive ändern.
Hat ehrgeizige Wachstumspläne: Kevin Swanepoel, CEO von The One Club for Creativity (TOCC)
Hat ehrgeizige Wachstumspläne: Kevin Swanepoel, CEO von The One Club for Creativity (TOCC) (Bild: TOCC)
Ein weiterer Grund, weshalb der TOCC vorerst an zwei Shows festhalten will, sind zweifellos die Einnahmen aus den Einsendungen, die teilweise redundant sind. Zur One Show wurden dieses Jahr rund 22.000 Arbeiten eingereicht, beim ADC Global waren es knapp 8000. Zum Vergleich: Der weltweit größte Kreativwettbewerb, die Cannes Lions, verzeichnen rund 40.000 Einsendungen, beim britischen D&AD, der die Internationalisierung seit einigen Jahren sehr stark vorantreibt, sind es rund 24.000.

Der TOCC finanziert von seinen Einsendegebühren eine Reihe von Programmen und Initiativen. Dazu gehören die Nachwuchswettbewerbe The Young Ones, die sich an Studenten richten und die Young Guns für Berufsanfänger. Außerdem hat der Club kürzlich die Rechte an der Portfolio Night erworben und engagiert sich mit diversen Projekten in den Bereichen Gender und Diversity.

Abgesehen von der Fortführung und Erweiterung dieser Programme hat der TOCC vor allem in Bezug auf seine Internationalisierung ehrgeizige Pläne. Aktuell werden der Club und seine Kreativwettbewerbe sehr stark von US-Agenturen geprägt: Von den knapp 22000 Einsendungen bei der One Show kommen mehr als 10.000 aus dem Heimatmarkt, beim ADC sind es knapp 5000. Deutschland hat sich mit 962 Arbeiten an der One Show und mit 299 Arbeiten beim ADC Global beteiligt. Künftig wolle man nicht nur den Anteil der Einsendungen aus anderen Ländern erhöhen, sondern auch die Mitgliederzahlen "dramatisch" steigern, so Swanepoel. Aktuell sind es rund 4200 (One Show bisher: 3000, ADC Global bisher: 1200). Bestehende One-Show- beziehungsweise ADC-Global-Mitgliedschaften werden in TOCC-Mitgliedschaften umgewandelt.

Wieder vereint

Der Art Directors Club wurde 1920 in New York gegründet. 1971 spaltete sich eine Gruppe Texter vom ADC ab und formierte sich zum Copy Club. 1973 wiederum wollte man erneut zusammengehen mit dem Ziel, dass es nur noch einen Kreativclub gäbe - The One Club. Damals kam eine große Fusion nicht zustande: Der ADC Global blieb weiterhin bestehen und aus dem Copy Club und weiteren neuen Mitgliedern entstand The One Club for Art & Copy. 43 Jahre später, im Oktober 2016, kündigten One Club und ADC dann tatsächlich ihren Zusammenschluss an. In den kommenden Wochen soll die neue Corporate Identity der Dachorganisation veröffentlich werden. Der Name steht bereits fest: The One Club for Creativity (TOCC).
Das Ziel ist nicht weniger als den „größten Kreativclub der Welt“ zu etablieren. Dafür sollen Sektionen in Werbemetropolen rund um den Globus etabliert werden. In Deutschland kommen dafür am ehesten Hamburg und Berlin infrage. Für Hamburg spricht, dass dort das einzige deutsche TOCC-Vorstandsmitglied beheimatet ist: Götz Ulmer, Kreativvorstand von Jung von Matt. 

Die Vereinsstruktur sieht so aus, dass es eine Geschäftsstelle sowie einen nationalen und einen internationalen Vorstand gibt. Swanepoel, der seit fast 20 Jahren beim One Club tätig ist, leitet die Geschäftsstelle als CEO mit rund 30 Mitarbeitern. Er wird von One-Club- Chairman José Mollá (The Community, Miami) und ADC-Präsident Philippe Meunier (Sid Lee, Montréal) unterstützt. Die bisherige ADC-Geschäftsstelle wurde integriert, doppelte Stellen gestrichen. Für die Marke ADC sieht diese Entwicklung nicht wirklich gut aus. Aber mindestens drei Jahre wird es sie sicherlich noch geben. Denn dann, im Jahr 2020, feiert die Mutter aller Art Directors Clubs ihren 100. Geburtstag. Und diese Sause wird sich der TOCC garantiert nicht entgehen lassen. bu

 

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