Konfuzius sagt "…Strebt nach Harmonie und Mitte, Gleichmut und Gleichgewicht"

Freitag, 29. August 2014
Der chinesische Führerschein von Till Wagner
Der chinesische Führerschein von Till Wagner
Foto: privat

"Konfuzius sagt" heißt die neue Kolumne in HORIZONT.NET, in der Gastautor Till Wagner, Chairman bei Jung von Matt/Tonghui in Peking, eine Reihe von Beobachtungen aus dem Reich der Mitte liefert - immer auch aus dem Blickwinkel von dem chinesischen Philosophen Konfuzius, der seit 2500 Jahren die chinesische Gesellschaft und Politik mit seinen zeitlosen Einsichten prägt.
Von Till Wagner Um die Chinesen besser zu verstehen, muss man sich mit dem Konfuzianismus auseinander setzten, der auch heute noch die chinesische Gesellschaft prägt. Er basiert auf dem Glauben, dass der Mensch lernfähig, verbesserbar, zu perfektionieren ist. Es ist von einem System von Normen gesichert, das definiert, wie sich eine Person richtig in der Gesellschaft zu verhalten hat.

Beziehungen stehen dabei im Zentrum. Es wird erwartet, dass jeder einzelne seinen Platz in der sozialen Ordnung kennt und sich entsprechend verhält. Simpel ausgedrückt geht es darum, allen Übergeordneten zu gefallen. Dem Vater, dem Ehemann, dem älteren Bruder, dem Chef. Einwendungen oder gar Widerspruch werden nicht toleriert.

Hat ein Übergeordneter eine Entscheidung getroffen, wird sie deshalb auch nie hinterfragt. Selbst eine Nachfrage nach der Motivation wird als Respektlosigkeit gewertet.

Verstöße gegen diese Regeln führen zu Gesichtsverlust. Womit wir beim zentralen Konzept der chinesischen Sozialpsychologie gelandet wären. Denn während man im Westen Gesichter allenfalls waschen, rasieren oder schminken kann, kann man hier ein Gesicht gewinnen. Oder eben auch ein Gesicht verlieren.

Diese "emotionale Währung" entscheidet über die Qualität von Beziehungen und den sozialen Status. Man kann nur Gesicht gewinnen, wenn man sich seinem Status entsprechend verhält. Und man kann anderen zu Gesicht verhelfen, wenn man ihren Status mit entsprechenden Respekthandlungen anerkennt. Wer gegen diese Grundregeln verstößt, muss mit harten Konsequenzen rechnen. So passiert es schon mal, dass man Personen nach Gesichtsverlust nie wieder begegnet. So weit, so gut.

Was macht man aber, wenn man eine deutsche Agentur in China führt, die sich dafür rühmt sehr kritisch zu sein? Die stolz darauf ist öfter als viele andere "Nein" zu sagen, um eine Idee schützen? Wenn beides "No-Gos" sind? Ich gestehe es ihnen: Wir kämpfen nicht für Ideen. Stattdessen investieren wir in Beziehungen. Denn wenn man über Zeit Gesicht gewinnt, kann man dieses Gesicht eben auch einsetzen.

Dann erübrigt sich jeglicher Kampf. Meine Erkenntnis nach zahllosen Präsentationen in den letzten 30 Monaten in China: Nicht die beste Kampagne gewinnt. Sondern das beste Gesicht. Und nur mit dem kann man gute Arbeit an den Mann bringen.

韦 纳 贤 Wei Na Xían (a.k.a. Till Wagner)

Till Wagner begann seine Karriere vor genau 30 Jahren bei Ogilvy. Das internationale Network ermöglichte es ihm, Anfang der 90er Jahre für zwei Jahre in Hong Kong zu arbeiten. Dort bekam er auch seinen chinesischen Namen, geschrieben von der Texterlegende CC Tang. Die Rückübersetzung bedeutet in etwa: "Rekrutiert nur die Besten". Als Holger Jung ihn Ende 2011 bat, das erste Büro von Jung von Matt außerhalb von Europa mit auf zu bauen, konnte er nicht nein sagen. Seit Januar 2012 lebt und arbeitet Wagner als Chairman von Jung von Matt/Tonghui in Beijing.

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