Konfuzius sagt Ali Baba - oder: "In allen Dingen hängt der Erfolg von den Vorbereitungen ab”

Dienstag, 23. September 2014
Der chinesische Führerschein von Till Wagner (Foto: privat)
Der chinesische Führerschein von Till Wagner (Foto: privat)

"Konfuzius sagt" heißt die neue Kolumne in HORIZONT Online, in der Gastautor Till Wagner, Chairman bei Jung von Matt/Tonghui in Peking, eine Reihe von Beobachtungen aus dem Reich der Mitte liefert - immer auch aus dem Blickwinkel von dem chinesischen Philosophen Konfuzius, der seit 2500 Jahren die chinesische Gesellschaft und Politik mit seinen zeitlosen Einsichten prägt. Thema diesmal: der Börsengang des chinesischen Megakonzerns Alibaba.

Von Till Wagner

Bis vor einer Woche war für die meisten Ali Baba lediglich eine Figur aus der arabischen Geschichtensammlung Tausendundeine Nacht.

Das dürfte sich spätestens letzten Freitag grundlegend geändert haben. Denn plötzlich, für die meisten aus dem Nichts, taucht da ein kleiner (aber ziemlich charismatischer!) Typ namens Jack Ma auf und legt den größten Börsengang aller Zeiten aufs Parkett. Nicht in Peking, nicht in HongKong, sondern in New York.

Jack Ma ist der Gründer der Alibaba Group und seit letzter Woche zudem der reichste Chinese der Welt. Und seit dem ist der Börsenkurs von Alibaba nochmals um fast 40 Prozent gestiegen.

Alibaba hat an der NYSE etwa 25 Milliarden US-Dollar erlöst.

Zum Vergleich: Facebook erzielte beim IPO in 2012 "nur" 12 Milliarden, also noch nicht einmal die Hälfte, Google in 2004 bescheidene 1,9 Milliarden, und eBay 1998 lediglich mickerige 100 Millionen. Alibaba gehört nunmehr zu den 10 wertvollsten Technologie Unternehmen der Welt und ist in etwa soviel Wert wie Samsung.

Man fragt sich: Wie kann so ein Unternehmen komplett an einem vorbei gegangen sein? Nun ja, vor allem, weil es (bislang!) eine fast rein chinesische Angelegenheit ist.

Faktisch ist Alibaba Chinas eBay, Paypal, Amazon und vieles anderes. In einem.

80 Prozenz (sic!) des jährlich ungefähr 700 US$ Milliarden großen Online Umsatzes in China werden von Alibaba Unternehmen wie Taobao, TMall, 1688.com und Alipay umgesetzt. So erzielt Alibaba allein in China mehr Umsatz als eBay und Amazon weltweit zusammen.

Jack Ma, ein ausgebildeter Englischlehrer, hat Alibaba vor 15 Jahren in seinem bescheidenen Apartment in Hangzhou, südlich von Shanghai, gegründet. Es gibt mindestens so viele Mythen um ihn wie um den legendären Steve Jobs. Etwa, dass alle wichtigen Management-Meetings noch immer in seinen Privaträumen stattfinden. Oder etwa seine Ansage, Alibaba solle mindestens 102 Jahre alt werden. Denn dann wäre man eine Firma, die es in drei Jahrhunderten gegeben hätte.

Und zum Börsengang überraschte er die Finanzexperten und Investoren mit einer klaren Ansage. Auch nach dem Börsengang gelte für seine Firma "zuerst zähle der Kunde. Dann die Mitarbeiter. Und zuletzt die Shareholder".

Auch seine Auftritte, schon mal im silberfarbenen Jäckchen und Karaoke singend, lässt so manchen Westler verwundert zurück. Aber wir sollten uns daran gewöhnen. Denn schon vor dem Börsengang hat Alibaba gut 1 Milliarde in westliche Unternehmen investiert und expandiert auch kräftig jenseits der großen Mauer. Und jetzt wo der Geldsack ordentlich gefüllt ist, wird das Tempo der Globalisierung sicher weiter forciert.

Unsere Kinder und Kindeskinder werden wohl beim Namen Ali Baba in Zukunft nicht mehr an einen kleinen, dicken Araber aus Tausendundeine Nacht denken, sondern vielmehr an einen kleinen, dünnen Chinesen aus dem Reich der Mitte.

Zài Jiàn!

韦 纳 贤 Wei Na Xían (a.k.a. Till Wagner)

Till Wagner begann seine Karriere vor genau 30 Jahren bei Ogilvy. Das internationale Network ermöglichte es ihm, Anfang der 90er Jahre für zwei Jahre in Hong Kong zu arbeiten. Dort bekam er auch seinen chinesischen Namen, geschrieben von der Texterlegende CC Tang. Die Rückübersetzung bedeutet in etwa: "Rekrutiert nur die Besten". Als Holger Jung ihn Ende 2011 bat, das erste Büro von Jung von Matt außerhalb von Europa mit auf zu bauen, konnte er nicht nein sagen. Seit Januar 2012 lebt und arbeitet Wagner als Chairman von Jung von Matt/Tonghui in Beijing.

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