Konfuzius sagt “… es genügt nicht, zum Fluss zu kommen mit dem Wunsch, Fische zu fangen. Man muss auch ein Netz mitbringen.”

Freitag, 14. November 2014
Der chinesische Führerschein von Till Wagner (Foto: privat)
Der chinesische Führerschein von Till Wagner (Foto: privat)
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Till Wagner Jung von Matt Peking Alibaba Halloween China


"Konfuzius sagt" heißt die Kolumne in HORIZONT Online, in der Gastautor Till Wagner, Chairman bei Jung von Matt/Tonghui in Peking, eine Reihe von Beobachtungen aus dem Reich der Mitte liefert - immer auch aus dem Blickwinkel von dem chinesischen Philosophen Konfuzius, der seit 2500 Jahren die chinesische Gesellschaft und Politik mit seinen zeitlosen Einsichten prägt. Thema diesmal: eine Reihe von Beobachtungen aus dem Reich der Mitte.
Von Till Wagner Ende September hatte ich ja über die Alibaba Group und ihren Börsengang berichtet. Wer meinen Bericht nicht nur aufmerksam gelesen hat, sondern im Zweifel gar in Aktien investiert hat, mag sich freuen. Hat deren Wert doch in den letzten sieben Wochen um fast 40% zugelegt. Allen Unkenrufen zum Trotz kann man kann also mit Zeitschriften (naja, zumindest mit deren Lektüre) wohl doch Geld verdienen!

Apropos:

Bei vielen Institutionen, von denen wir denken, dass sie vor allen einen kulturellen oder geschichtlichen Hintergrund haben, geht es am Ende auch nur um den Kommerz. Man denke nur an Santa Claus (proudly presented by Coca Cola), den Valentinstag und den Muttertag (Fleurop), den Vatertag (Brauereiwesen), oder Halloween (Mars).

Diese Tage spielen mittlerweile auch in China eine große Rolle. Am Valentinstag ist kaum ein Tisch in einem der 50.000 Restaurants in Peking zu bekommen. An Halloween stehen Kürbisse auf dem Tisch und die Kollegen verkleiden sich, am Muttertag werden auch hier Blumen (und Süßigkeiten) verschenkt.

Aber nicht nur diese Tage sind für manche Branchen mittlerweile extrem wichtig. Gerade hier in China werden zu bestimmten Anlässen ganz bestimmte Produkte verlangt: Den berühmten Mondkuchen gibt es zum Herbstfest (und eigentlich nur dann), zum Drachenbootfestival hat der Reiskloss Hauptsaison. Und zum Chinesischen Neujahr müssen Orangen oder Mandarinen verschenkt werden, sie sind Symbole für Gold/Geld. Solche Rituale sind (nicht nur) den Chinesen sehr-sehr wichtig.

In der Mitte der 90er Jahre haben Studenten der Universität Nanjing den 11.11. als den Tag der Singles ausgerufen. Was vor gut 20 Jahren auf einem Campus begonnen hat, ist mittlerweile ein nationales Ereignis. Das Erstaunliche daran: dieser Tag ist mittlerweile der umsatzstärkste Konsumtag hier im Reich der Mitte. Noch erstaunlicher: Alibaba besitzt ihn. Denn der Begriff für diesen Tag "双十一" (doppelte 1), ist seit 2012 ein eingetragenes Warenzeichen von Alibaba! Sie nutzen dieses Recht auch um ihren Wettbewerbern zu verbieten mit dem Single-Tag zu werben. Dafür tun sie es selber um so doller.

Am Dienstag dieser Woche hat Alibaba so 9.3 Milliarden US$ Umsatz erzielt. Nur mal zum Vergleich: das ist der vierfache Jahresumsatz (sic!) vom deutschen Wunderkind Zalando.

Das sich der Eintrag als Marke für Alibaba gelohnt hat, zeigt auch der Jahresvergleich: In 2014 konnte der Umsatz im Vergleich zu 2013 um 60% gesteigert werden. Das verdankt man gut 280 Millionen chinesischen Kunden, die am 11.11. auf einen buy-button gedrückt haben. 

Ein Narr aber, wer denkt, dass dieser Tag ein chinesisches Phänomen bleiben wird. Ich bin mir sicher, dass auch der Rest der Welt in nicht allzu ferner Zukunft den Singleday feiern wird. Dann lohnt sich der Einstieg bei Alibaba vielleicht auch heute noch.

Zài Jiàn!

Wei Na Xian (a.k.a. Till Wagner)

韦 纳 贤 Wei Na Xían (a.k.a. Till Wagner)

Till Wagner begann seine Karriere vor genau 30 Jahren bei Ogilvy. Das internationale Network ermöglichte es ihm, Anfang der 90er Jahre für zwei Jahre in Hong Kong zu arbeiten. Dort bekam er auch seinen chinesischen Namen, geschrieben von der Texterlegende CC Tang. Die Rückübersetzung bedeutet in etwa: "Rekrutiert nur die Besten". Als Holger Jung ihn Ende 2011 bat, das erste Büro von Jung von Matt außerhalb von Europa mit auf zu bauen, konnte er nicht nein sagen. Seit Januar 2012 lebt und arbeitet Wagner als Chairman von Jung von Matt/Tonghui in Beijing.
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