Kolle Rebbe Warum Stephan Rebbe seinen Rückzug ankündigt

Mittwoch, 18. Februar 2015
Stephan Rebbe will als Geschäftsführer aufhören
Stephan Rebbe will als Geschäftsführer aufhören
Foto: Alexander Hassenstein / Getty Images
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"Stephan Rebbe tritt als Agenturgeschäftsführer zurück" - so überschreibt "Die Zeit" eine Pressemitteilung, die sie heute Vormittag verschickt hat. Die Nachricht basiert auf einer Aussage, die der Co-Gründer von Kolle Rebbe in einem Interview mit der Wochenzeitung gemacht hat. "Ich werde in den nächsten zwei bis drei Monaten aus der Geschäftsführung zurücktreten und der Agentur danach als Berater zur Verfügung stehen", kündigt Rebbe dort an.
Dass er in Zukunft kürzer treten möchte, hatte Rebbe schon Ende vorigen Jahres angekündigt. Jetzt konkretisiert Rebbe sein Vorhaben und begründet den Entschluss damit, dass das Geschäft an Attraktivität verloren habe. "Werbung ist unsexy geworden", so der 53-Jährige. "Ich bin fest davon überzeugt, dass viele Kampagnen, die vor zehn oder 15 Jahren noch richtig gezündet hätten, heute an den Menschen vorbeifliegen und irrelevant sind."
„Werbung ist unsexy geworden.“
Stephan Rebbe
Auch habe keine der etablierten Agenturen eine wirkliche Lösung für die Veränderungen in der Kommunikation durch das Internet. Hier seien die eigentlichen Wettbewerber Google und Facebook.
Andreas Winiarski und Nils Seger vor dem Unternehmenslogo
Bild: Rocket Communications

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"Die bauen jetzt selbst Werbeagenturen auf, gehen zu den Unternehmen und bieten ihnen vollständige Kreativkampagnen an", so Rebbe in der "Zeit". Die Kunden kommen ebenfalls nicht ungeschoren davon: "Die wollen Sicherheit. Leute auf Konzernseite sind Bewahrer und Angsthasen." Deshalb würden die meisten immer noch mit einer der großen und etablierten Agenturen zusammenarbeiten.

Übernimmt das Ruder: Stefan Kolle
Übernimmt das Ruder: Stefan Kolle (Bild: Foto: Kolle Rebbe)
Klingt also alles ein bisschen nach Rückzug aus Frust über die veränderten Rahmenbedingungen. Nach Informationen von HORIZONT dürfte aber noch ein anderer Punkt eine wichtige Rolle für den Entschluss Rebbes spielen. So sollen er und sein Gründungspartner Stefan Kolle sich zuletzt massiv entfremdet haben. Das einstmals kongeniale Duo, das sich nahezu blind verstanden hat, soll in zentralen Fragen immer häufiger unterschiedlicher Auffassung gewesen sein, wollen Beobachter wissen. Rebbe selbst will auf Nachfrage nichts von einem unmittelbar bevorstehenden Rückzug wissen. Er werde wahrscheinlich noch bis Jahresende in seiner aktuellen Funktion tätig sein und danach als Berater für ausgewählte Kunden und Gesellschafter an Bord bleiben, erklärt er. Das operative Tageseschäft soll die bestehende Führungsmannschaft um Co-Gründer Kolle übernehmen. Neben ihm und Rebbe gehören der Geschäftsführung an: Andreas Winter-Buerke (Beratung), Stefan Wübbe und Fabian Frese (beide Kreation), Ralph Poser (Strategie) und Kai Müller (Finanzen).

Die Agentur Kolle Rebbe wurde 1994 gegründet und beschäftigt rund 250 Mitarbeiter. 2013 erzielte die Firma einen Honorarumsatz von etwas mehr als 22 Millionen Euro. Zu den Kunden gehören Lufthansa, Hypo-Vereinsbank , Bahlsen und Ritter Sport. mam

Update: Inzwischen meldet sich auch die Agentur Kolle Rebbe zu Wort. In einer Pressemitteilung betont sie, dass der Generationswechsel ein langfristig geplanter Prozess sei. Ein konkreter Zeitpunkt für den finalen Austritt von Rebbe aus dem Unternehmen sei aber noch nicht definiert. Fest stehe jedoch, dass er weiter für die von ihm betreuten Kunden zur Verfügung stehe und Gesellschafter der Agentur bleibe. Rebbes offizielle Verlautbarung: "Ich bin gestern wie heute und morgen am Erfolg der Agentur interessiert und beteiligt. Ich möchte aber künftig mehr Zeit für mich, meine Familie und private Interessen haben."
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