Trotz Mindestlohn Agenturen halten Angebot an Praktikantenstellen stabil

Donnerstag, 12. Februar 2015
Agenturen setzen künftig vor allem auf Pflichtpraktikanten - sie sind vom Mindestlohn ausgenommen
Agenturen setzen künftig vor allem auf Pflichtpraktikanten - sie sind vom Mindestlohn ausgenommen
Foto: Colourus-Pic / Fotolia / Montage: HORIZONT

Agenturen brauchen Praktikanten. Das beweisen nicht zuletzt die aktuellen Zahlen aus der Stellenstatistik des Zentralverbands der Kommunikationsagenturen: Mit 3724 Stellenangeboten haben sie im vergangenen Jahr 22 Prozent mehr Jobs und 21 Prozent mehr Praktikantenstellen (1110) ausgeschrieben. 84 Prozent der Offerten stammen von Agenturen.

 Der Bedarf ist also enorm – und trotz Mindestlohngesetz wird das Angebot an Praktikantenstellen wohl auch 2015 ähnlich hoch bleiben, denn die Agenturen haben sich mit der Neuregelung eingerichtet - obwohl im vergangenen Jahr beispielsweise die Mehrheit der im GWA organisierten Dienstleister mit einem Abbau von Praktikantenstellen aufgrund des Mindestlohngesetzes gedroht hatte.

Dennoch bieten nun Dienstleister wie die Frankfurter PR-Agentur Edelman in diesem Jahr genauso viele Praktikantenstellen an wie 2014. „Der Unterschied ist aber, dass wir durch den Mindestlohn die ein oder andere Praktikantenstelle wieder schneller besetzen müssen, wenn ein Praktikant – sofern es sich nicht um ein Pflichtpraktikum handelt – nur drei Monate bleibt“, sagt CEO Susanne Marell. Eine Herausforderung für ihre Recruiting-Abteilung, denn 2014 hat Edelman immerhin 65 Praktikanten beschäftigt.
„Ein Praktikum in unserer Branche ist für Hochschulabsolventen durch den Mindestlohn wieder attraktiv geworden“
Anne Schöber, Geometry Global
Diese Mehrarbeit dürfte auf die meisten Recruiter von Agenturen zukommen, denn auch für sie gilt, was Damm & Bierbaum-Chef Philipp Bierbaum angibt: „Wir schreiben zwar nicht weniger Stellen aus, konzentrieren uns aber mehr auf die Pflichtpraktika.“ So bietet auch Deutschlands größte Mediaagentur Mediacom bei unveränderter Anzahl „Pflichtpraktika im Rahmen des Studiums für Studenten sowie dreimonatige Praktika oder Orientierungspraktika an“, erläutert Managing Partner Sven Wollner. Der Schwerpunkt des Praktikumsangebots liegt also künftig bei genau den Modellen, die „potenziellen Quereinsteigern aus anderen Branchen nun durch die Politik die Tür vor der Nase zuschlagen“, wie Bierbaum kritisiert: „eine Katastrophe!“

Mindestlohn für Praktikanten

Mit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde gilt: Praktikanten, die freiwillig ein Praktikum absolvieren, also kein Pflichtpraktikum im Zuge eines Studiems oder einer beruflichen Orientierungsmaßnahmemüssen den Mindestlohn erhalten. Einem Praktikantem, der 40 Stunden pro Woche arbeitet, stünden also knapp 1500 Euro brutto pro Monat zu. Bislang entlohnen die meisten Agenturen ihre Praktikanten mit etwa 300 bis 600 Euro.
Agenturmanager wie Wollner und Geometry-Global-Personalchefin Anne Schöber beurteilen die Lage weniger dramatisch: „Ein Praktikum in unserer Branche ist für qualifizierte Hochschulabsolventen durch den Mindestlohn wieder attraktiv geworden“, ist sich Schöber sicher. Die Anzahl der qualifizierten Praktikantenbewerbungen ist ihr zufolge seit Einführung des Mindestlohns sogar um zwei Drittel gestiegen.
Manfred Parteina
Bild: ZAW

Mehr zum Thema

ZAW-Arbeitsmarktanalyse Deutlich mehr Jobs für Werber und Praktikanten

Mediacom-Manager Wollner verweist zudem auf bereits bestehende alternative Formen der Zusammenarbeit mit Nachwuchskräften wie projektbezogene Werkstudenten-Jobs und Traineeprogramme hin, die beispielsweise bei seiner Agentur bereits in der Vergangenheit Haupteinstiegsweg gewesen sind. Für Agenturchef Bierbaum ist das kein angemessener Vergleich: „Grundsätzlich bieten wir auch Traineestellen an. Hier ist die Einstiegshürde mit Blick auf die Qualifikation aber deutlich höher als beim Praktikum. So gesehen gibt es keine echte Alternative“. ems

Meist gelesen
stats