Karriere-Tipps von Philipp Barth Einschleimen bringt junge Kreative nicht voran

Freitag, 31. Juli 2015
Auszug vom Cover von "Aufmerksamkeit - die wichtigste Währung der Welt"
Auszug vom Cover von "Aufmerksamkeit - die wichtigste Währung der Welt"
Foto: Philipp Barth / Illustration: Stephanie Wiehle
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Ressourcenmangel


Wie entsteht gute Werbung? Eine Frage, die sich junge Kreative ganz sicher mehr als einmal während ihres Studiums und zu Beginn ihrer Karriere bei einer Agentur stellen – und sie sich mancher berufserfahrene Texter oder Art Director ebenfalls stellen sollte. Der Texter Philipp Barth, aktuell Chief Creative Officer bei Ressourcenmangel, hat seine Erfahrungen und Antworten in einem Buch zusammengefasst, das unter dem Titel „Aufmerksamkeit – die wichtigste Währung der Welt“ Junioren in Agenturen anspricht. HORIZONT Online hat der Kreative erste Tipps verraten und seine beste beziehungsweise schlimmste Erfahrung als Junior geschildert.

Herr Barth, was ist das absolute „No-go“ für Junior-Kreative in der Diskussion mit Kreativdirektoren? Manchmal neigen Kreativchefs dazu, Ideen ohne Argumente vom Tisch zu fegen. „Find’ ich nicht gut“ ist aber keine Begründung, aus der man als Anfänger etwas lernen könnte. In so einem Fall sollte man schon mal nachfragen, warum die Idee nicht überzeugt. Es ist auch absolut in Ordnung, wenn man für seine abgelehnten Ideen kämpft. Aber irgendwann ist es dann auch mal gut. Man sollte Kreativdirektoren nicht nerven, indem man darauf besteht, die Idee sei super.

Ein Tipp, wie es ein Junior schaffen kann, die Aufmerksamkeit erfahrener Kollegen zu gewinnen? Dem Creative Director jeden Morgen einen Kaffee zu bringen ist sicher nicht die schlauste Strategie. Besser ist es, man legt ihm regelmäßig spannende Ideen auf den Tisch. Man muss aber nicht unbedingt das größte Talent haben, um auf sich aufmerksam zu machen. Mindestens genauso wichtig sind Leidenschaft und Biss. Wenn der Chef spürt, dass man brennt und unbedingt Highlights auf die Straße bringen will, ist das sehr viel wert. Ein guter Creative Director wird so einen Junior fördern, wo er nur kann.

„Dem Creative Director jeden Morgen einen Kaffee zu bringen ist sicher nicht die schlauste Strategie. Besser ist es, man legt ihm regelmäßig spannende Ideen auf den Tisch.“
Philipp Barth, Ressourcenmangel
Wie wichtig ist die Mitarbeit an Kampagnen, die Kreativpreise gewinnen? Als Anfänger sucht man nach Orientierung und möchte wissen, wie weit man ist. Wettbewerbe geben darauf eine klare Antwort. Wenn man einen Kreativpreis gewinnt, ist das eine schöne Bestätigung dafür, dass man auf einem guten Weg ist. Außerdem ist es für die Karriere sicher förderlich, wenn man an Highlights beteiligt war. Das Ziel heiß aber nicht: Ich möchte einen Award gewinnen. Sondern: Ich möchte für meinen Kunden eine Lösung finden, die so exzellent ist, dass sie sogar ausgezeichnet wird. Es geht um relevante Ideen, die im Markt etwas bewegen. Kreativpreise sind ein schöner Nebeneffekt davon.

Der Ressourcenmangel-CCO Philipp Barth hat unter anderem 13 Jahre bei JvM kreative Erfahrungen gesammelt
Der Ressourcenmangel-CCO Philipp Barth hat unter anderem 13 Jahre bei JvM kreative Erfahrungen gesammelt (Bild: Philipp Barth)
Was war Ihr schlimmstes und Ihr schönstes Erlebnis im Job als Junior? Mein schönstes Erlebnis war, zum ersten Mal eine Idee von mir in einem Magazin zu sehen. Die musste sich dann jeder in meinem Freundeskreis anschauen – ob er wollte oder nicht. Mein schlimmstes Erlebnis war wohl, als ich mir zum ersten Mal einen TV-Spot ausdenken sollte. Ich hatte überhaupt keinen Plan und wusste nicht, wie ich die Sache anpacken sollte. Das war der berühmte Sprung ins kalte Wasser. Es würde mich freuen, wenn mein Buch den einen oder anderen Junior vor so einem Erlebnis bewahren könnte. Interview: ems

 

 

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